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30.01.2014

12:11 Uhr

Moderbranche

Gerry Weber enttäuscht die Anleger

Der Modekonzern Gerry Weber muss nach den Rekordjahren erst einmal innehalten. Gewinn und Umsatz sorgen an der Börse für Ernüchterung. Auch der Ausblick für das neue Jahr ist verhalten.

Gleich mehrfach musste der Modekonzern Gerry Weber seine Prognosen für das Geschäftsjahr senken. dpa

Gleich mehrfach musste der Modekonzern Gerry Weber seine Prognosen für das Geschäftsjahr senken.

DüsseldorfDer erfolgsverwöhnte Modekonzern Gerry Weber zahlt den Preis für seine rasante Expansion: Erstmals seit Jahren musste der Damenmodeanbieter aus dem westfälischen Halle im Geschäftsjahr 2012/13 einen Rückgang des operativen Gewinns hinnehmen. Im seit November laufenden neuen Geschäftsjahr will der Konzern aus dem westfälischen Halle aber wieder deutlich profitabler arbeiten. Bei den Anlegern waren die Gerry-Weber-Aktien am Donnerstag trotzdem nicht en vogue: Sie lagen am Vormittag im MDax rund 1,3 Prozent im Minus. Analysten zufolge fiel der Ausblick nicht ehrgeizig genug aus.

Gerry Weber steigerte im Geschäftsjahr 2012/13 zwar durch die Eröffnung neuer Filialen den Umsatz auf 852 (Vorjahr: 802) Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebit) schrumpfte aber erstmals seit dem Geschäftsjahr 2002/03. Das Ebit fiel auf 105,8 (Vorjahr: 115,9) Millionen Euro. Aber nicht nur die Kosten der Expansion hinterließen ihre Spuren: Firmenchef Gerhard Weber hatte im vergangenen Jahr auch mit Rabattschlachten und Wetterkapriolen zu kämpfen und gleich zwei Mal seine Ziele kassieren müssen.

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren den rasanten Expansionskurs mit der Eröffnung zahlreicher eigener Geschäfte im In- und Ausland vorangetrieben und war so von einem Rekordjahr zum nächsten geeilt. Firmenchef Weber setzt wie auch andere Modekonzerne - etwa Hugo Boss - auf ein eigenes Ladennetz. Er erhofft sich nach den Investitionen für die Expansion höhere Renditen als im Großhandelsgeschäft. 2012 hatte der Konzern unter anderem rund 200 Filialen der insolventen Wissmach-Kette übernommen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr öffneten zudem 68 in Eigenregie geführte Filialen die Pforten. „Neu eröffnete Filialen tragen generell in den ersten Monaten nach Eröffnung weniger zum Ertrag der Gesellschaft bei“, hatte Weber jüngst eingeräumt.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 soll der Gewinn aber wieder zulegen. Gerry Weber gehe von einem „überproportionalen Anstieg“ des Ebit auf „mindestens 120 Millionen Euro aus“, teilte der Konzern mit. Der Umsatz soll auf mindestens 900 Millionen Euro klettern. Dabei solle vor allem die Expansion im Ausland forciert werden. Bis zu 75 neue Geschäfte sollen eröffnet werden. Experten konnte Weber mit seinem Ausblick nicht umgarnen: Analysten der DZ Bank nannten den Ebit-Ausblick enttäuschend. Er liege deutlich unter den Markterwartungen.

Von

rtr

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