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25.04.2012

09:43 Uhr

Moderne Auftragsvergabe

Ex-Berater in Machtpositionen

VonSandra Louven, Katrin Terpitz

Sie sind eine große Familie: Viele ehemalige Berater sitzen heute an Schaltstellen der Wirtschaft. Dort vergeben sie Aufträge - und die gehen oft an Ex-Kollegen. Das Netzwerk dient so vor allem als Karrieresprungbrett.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post Frank Appel war früher Berater von McKinsey. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post Frank Appel war früher Berater von McKinsey.

Düsseldorf/MünchenÜber 700 Gäste in Abendgarderobe drängten sich in den puristisch-eleganten Räumen der ehemaligen Königlich Baierischen Bank im Herzen von München. Überall Bussi-Bussi und großes Hallo. Ihr ehemaliger Arbeitgeber, die Beratung Roland Berger, hatte geladen. Martin Wittig, der Chef des Hauses, begrüßte alle Alumni per Handschlag.

Auf der Bühne philosophierte Turnschuhmoderator Cherno Jobatey mit den Sportlegenden Kati Witt und Olli Kahn. Thema: „Spitzenleistung braucht echte Leidenschaft“. Leidenschaft legten die Exberater an diesem Abend vor allem beim Netzwerken an den Tag. Berger, Boston, McKinsey & Co. dienen als wichtiges Karrieresprungbrett. Auch Ehemalige können Alumni-Datenbanken, die die Beratungen professionell pflegen, als Jobbörse nutzen. Viele Exberater sitzen an Schaltstellen der Wirtschaft oder sind Unternehmer – und vergeben Aufträge, auch an ehemalige Kollegen.

„Alumni haben in ihrer aktiven Zeit wesentlich zu unserer Wachstumsgeschichte beigetragen“, sagt Berger-Chef Martin Wittig. „Viele von ihnen zählen mittlerweile zu unseren Kunden. Wir fühlen uns unseren Exkollegen sehr verbunden – und vice versa. Das zeigt ja auch die rege Beteiligung an unserem Alumni-Day.“

Wirtschaftsprüfer unter Druck

„The Big Four“

„The Big Four“ werden sie genannt, die vier großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen, wie man sie exakt bezeichnet. Nun will die EU ihre Macht beschränken. Die vier großen Wirtschaftsprüfer beschäftigen allein in Deutschland über 30.000 Mitarbeiter.

PwC

Pricewaterhouse Coopers ist in Deutschland Marktführer. 1,34 Milliarden Euro macht der US-Konzern 2010 hierzulande an Umsatz – und das mit 8.637 Mitarbeitern.

PwC

PwC wurde 1848 in London gegründet, hat heute aber seinen Hauptsitz in New York. 2010 machte der Konzern weltweit einen Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar und beschäftigte rund 160.000 Mitarbeiter.

KPMG

Auf Rang zwei liegt in Deutschland KPMG mit einem Umsatz von 1,19 Milliarden Euro. 8.270 Mitarbeiter beschäftigt KPMG hierzulande.

KPMG

KMPGs Sitz ist in der Schweiz, die Hauptverwaltung liegt allerdings im kanadischen Toronto. Weltweit gesehen liegt der Konzern mit 140.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20,6 Milliarden Dollar auf Rang drei.

Ernst & Young

Denn Ernst & Young ist mit einem Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar etwas größer. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 141.000 praktisch gleichauf mit dem Konkurrenten KPMG. Ernst & Young hat seinen Hauptsitz in New York.

Ernst & Young

In Deutschland macht Ernst & Young einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro und liegt damit auf dem dritten Platz. 6.776 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hierzulande.

Deloitte

Die Nummer vier folgt mit einigem Abstand: Deloitte kommt in Deutschland „nur“ auf einen Umsatz von 577 Millionen Euro und beschäftigt 4.602 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wollte Deloitte Roland Berger kaufen, um das Beratungsgeschäft auszubauen. Aber der Deal scheitere am Widerstand der Berger-Partner.

Deloitte

Im weltweiten Vergleich ist Deloitte aber die Nummer zwei mit einem Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar. 170.000 Mitarbeiter beschäftigt das US-Unternehmen.

BDO

Auf Platz fünf liegt in Deutschland BDO. Doch der Abstand ist enorm: BDO macht hierzulande einen Umsatz von 180 Millionen Euro.

Rödl & Partner

Auf Rang sechs folgt Rödl & Partner mit einem Umsatz von 135,5 Millionen Euro. Immerbin sind das acht Prozent mehr als 2009.

Ecovis

Ecovis konnte zulegen, und zwar um rund vier Prozent und kommt nun auf einen Umsatz von 107 Millionen Euro.

Ebner Stolz Mönning Bachem

Langer Name, großer Zuwachs: Ebner Stolz Mönning Bachem hat seinen Umsatz im Jahr 2010 um über zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro gesteigert.

Rölfs

Auf Platz neun liegt Rölfs mit einem Deutschland-Umsatz von 84 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2009.

PKF Fasselt Schlage

In die Top Ten hat es auch PKF Fasselt Schlage. Das Unternehmen kommt in Deutschland auf einen Umsatz von 56 Millionen Euro.

Einer der Ehemaligen ist Julian zu Putlitz. Fast zehn Jahre war er bei Roland Berger, zuletzt als Partner. 2009 wechselte der Restrukturierungsexperte als Finanzvorstand zu einem Kunden, dem Autovermieter Sixt. „Die Beraterjahre waren eine sehr intensive, prägende Zeit“, erzählt er. „Schon mal bis spät in die Nacht im Team über einer neuen Strategie brüten – das schweißt fürs Leben zusammen.“ Diese emotionale Verbundenheit wird bewusst gepflegt. „Sie gehören immer zur Familie“, heißt es auf der Berger-Homepage.

Es ist eine große „Familie“, denn die Fluktuationsrate liegt in der Branche bei 15 bis 25 Prozent. Das ist so gewollt. Die Boston Consulting Group hat hierzulande etwa 2000 Ehemalige. Bei Berger haben sich 1400 Alumni registriert, bei McKinsey sind es weltweit sogar über 23 000 Ehemalige, rund 3000 davon in Deutschland und Österreich.

Kommentare (1)

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herbert1949

25.04.2012, 12:10 Uhr

Eben
eine Krähe pickt der anderen kein Auge aus.
Wer sollte sich denn darüber wirklich wundern.
Die Wirtschaft ist auch nichts anderes als eine MAFIA.

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