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18.01.2017

14:04 Uhr

Möbel-Trends 2017

Zwischen Retro-Look und Smart Home

VonAndreas Neuhaus

Auf der Möbelmesse in Köln stellen 1360 Unternehmen neue Produkte und Trends vor. Dabei zeigt sich: Die eigenen vier Wände als Ruheort gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig werden Haus und Küche immer vernetzter.

IMM 2017 in Köln

Tische mit Füßen oder doch Retro-Stil? – Das sind die Trends für Küche und Co.

IMM 2017 in Köln: Tische mit Füßen oder doch Retro-Stil? – Das sind die Trends für Küche und Co.

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KölnEine Gruppe von Asiaten drängt sich um ein Schlafsofa aus rotem Plüsch. Dessen Lehne geht in einem geschwungenen Boden in ein Halbdach über, ein bläuliches Leuchten unter dem Boden rundet das futuristische Design ab. Die Kameras der Asiaten blitzen, andere Besucher schauen skeptisch. Ziemlich kitschig sieht das Sofa aus. Aber wie man auf der Möbelmesse in Köln lernt: Kitsch ist Kult.

Bis zum 22. Januar zeigt die Einrichtungs- und Möbelbranche auf der IMM in Köln die neuesten Trends. Gerald Klimke vom Polstermöbelhersteller Signet nutzt die Messe, um mit seinem futuristischen Schlafsofa auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen. Eigentlich steht Signet für klassische Funktionsmöbel, aber wie der Geschäftsführer verrät: „Einmal im Jahr erlauben wir uns, einen Spaß zu erfinden. Das ist eine wunderbare Möglichkeit für verrückte Werbung.“

1.360 Unternehmen aus 50 Ländern zeigen in Köln ihre Produkte. Ursula Geismann, die Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, hat darunter für 2017 mehrere Trends ausgemacht. Neben Kitsch ist das Bedürfnis nach Ruhe, nach Entschleunigung ein großes Thema. „Die Menschen wollen es sich zuhause schön machen. Tür zu und Ruhe ist eine Art Grundeinstellung“, sagt Geismann.

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Die eigenen vier Wände sollen zum Rückzugsort werden, in dem das Smartphone auch mal ausgeschaltet wird. Dabei zeigt sich, dass die Nachfrage nach Klassikern in der Möbelbranche steigt. „Wir haben ein großes Retrothema“, erklärt Grossmann. „Die Leute wollen Möbel, die sie an frühere, gute Zeiten erinnern.“ Möbel im Mid-Century-Design seien beliebt, von den 1940er- bis hin zu den 1970er-Jahren.

Auf diesen Zug ist auch Michael Reß aufgesprungen. Er ist der Geschäftsführer des Unternehmens Schönbuch aus Bayern, das sich auf kreative, funktionale Einrichtungselemente spezialisiert hat. In Köln präsentiert er seinen neuen Barschrank im glänzenden, roten Design. Dabei lassen sich die Seitenwände komplett aufklappen und außen an die Seitenwände anlegen, sodass der Schrank zur offenen Bar wird. Mit 2500 Euro ist der Barschrank allerdings nicht gerade günstig.

Wobei es sich die Deutschen einiges kosten lassen, um ihre eigenen vier Wände zum Rückzugsort zu machen. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Möbel stiegen 2016 auf das Allzeithoch von 412 Euro. Davon profitierte auch der deutsche Möbelhandel, der im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 2,5 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro steigern konnte. Die Branche knackte sogar erstmals die Umsatzmarke von 18 Milliarden Euro.

Die Deutschen investieren also, um sich ihr Zuhause gemütlich zu machen. Dazu gehört unter anderem, dass Wohnzimmer und Küche miteinander verschmelzen. Leo Lübke, Inhaber des Sitzmöbelherstellers Cor, berichtet schmunzelnd: „Wer abends mit seinen Gästen in der Küche sitzt, der wechselt in der Regel nicht mehr ins Wohnzimmer. Da will man aber nicht so protestantisch auf Holzstühlen sitzen.“ Cor stellt deshalb in Köln eine Sofaecke für die Küche vor.

Sollten sich hochwertige Polstermöbel in der Küche durchsetzen, wäre das für die Polstermöbelindustrie eine gute Nachricht. Diese wies 2016 nämlich ein Umsatzminus von vier Prozent aus. Die deutschen Hersteller haben mit dem hohen Lohnkostenanteil zu kämpfen. Diese machen bei Polstermöbeln bis zu 50 Prozent aus, sodass die Konkurrenz aus Billiglohnländern deutlich günstiger produzieren und anbieten kann.

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