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29.01.2014

15:23 Uhr

Möbel und Autositze

EU verhängt Millionenstrafe wegen Schaumstoff-Kartell

Schaumstoffpreise für Matratzen, Sofas und Autositze waren in zehn Ländern jahrelang abgesprochen – nun lässt die EU-Kommission das Kartell auffliegen. Auch in Deutschland waren die Preise manipuliert.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia: Die Verkaufspreise für den Schaumstoff sind in zehn EU-Ländern manipuliert worden. Reuters

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia: Die Verkaufspreise für den Schaumstoff sind in zehn EU-Ländern manipuliert worden.

BrüsselViele Verbraucher und Unternehmen in Europa haben jahrelang zu viel für Schaumstoffprodukte gezahlt. Die EU-Kommission bestrafte am Mittwoch nach jahrelangen Ermittlungen mehrere große Hersteller wegen verbotener Preisabsprachen mit insgesamt 114,1 Millionen Euro. Polyurethan-Weichschaum wird etwa in Matratzen, Sofas und Autositzen verwendet.

Nach einer Selbstanzeige ist das Kartell von Herstellern für Schaumstoffe in Möbeln und Autositzen aufgeflogen. Sie hatten demnach zwischen 2005 und 2010 verbotene Absprachen über die Schaumstoffpreise getroffen.

„Das von dem Kartell betroffene Produkt ist sowohl ein grundlegender Bestandteil der von allen Bürgern gekauften Möbel wie Matratzen und Sofas als auch ein wichtiges Vorprodukt für bestimmte Wirtschaftszweige wie die Automobilbranche“, erklärte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Die Verkaufspreise wurden demnach in zehn EU-Ländern manipuliert, auch in Deutschland. Anwendungen des Weichschaums in der Autoindustrie, vor allem Sitzen, machten etwa ein Viertel des Marktes aus, erläuterte die Behörde.

Das Kartell bestand aus Eurofoam (Österreich), Recticel (Belgien), Carpenter Co. (USA) und Vita Cayman (Cayman-Inseln). Dabei sollten „die gestiegenen Kosten der Ausgangsstoffe für Massenchemikalien an die Kunden“ weitergegeben werden, so die Kommission. Vita muss keine Strafe zahlen, da es das Kartell in Brüssel angezeigt hatte. In den Genuss dieser Kronzeugenregelung und weiterer Ermäßigungen kommen aber auch die anderen Firmen, weil sie an der Aufklärung mitarbeiteten.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte: „Kartelle schädigen unsere gesamte Wirtschaft und dürfen nicht toleriert werden.“ Den Löwenanteil des Bußgeldes muss der US-Hersteller Carpenter mit 75 Millionen Euro berappen. Das Geld fließt in die EU-Kasse. Die belgische Recticel muss 7,4 Millionen Euro zahlen und auch teilweise für die Strafe von Eurofoam aufkommen, da dies ein Gemeinschaftsunternehmen mit der österreichischen Greiner Holding ist.

Auslöser für die Absprachen waren den EU-Angaben zufolge gestiegene Kosten für die Ausgangsstoffe des Weichschaums. Die Firmen wollten diese Kosten an ihre Kunden weitergeben, ohne sich einem aggressiven Preiswettbewerb untereinander auszuliefern, urteilten die Brüsseler Wettbewerbshüter.

Absprachen von Unternehmen zum Schaden von Kunden und Verbrauchern sind in der EU streng verboten. Es drohen Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Es werden auch Unternehmen bestraft, die ihren Sitz nicht in der EU haben.

Kommentare (2)

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Nachwuchs

29.01.2014, 19:30 Uhr

Anzeigen von Kartellen/Preisabsprachen müssen generell straffrei sein, damit den kriminellen Managern endlich das menschenfeindliche Handwerk gelegt wird. Kompletter Vermögenseinzug ist natürlich selbstverständlich!!

HMin

30.01.2014, 20:25 Uhr

Die Chemie-Industrie mit Ihren Erhöhungen Profit 15- 20 %
sind die Gewinner. Hier müsste die Konzentration einmal untersucht werden.

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