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23.05.2015

10:20 Uhr

Möbelhaus in der Innenstadt

Wie Ikea junge Städter begeistern will

Von der U-Bahn zum Möbelhaus: Mit Innenstadtnähe und veganen Gemüsebällchen lockt Ikea eine urbanere Kundschaft. Dabei standen auch bei Konzernchef Peter Agnefjäll bisher eher Köttbullar auf dem Speiseplan.

Ikea setzt auf urbane Zentren als Standorte. Reuters

Zielgruppe junge Städter

Ikea setzt auf urbane Zentren als Standorte.

ÄlmhultDer Möbelriese Ikea will auf seinem wichtigsten Markt Deutschland näher an seine Kunden rücken und dadurch weiter wachsen. Mit Häusern näher an der Innenstadt, drahtlosen Handy-Ladestationen in Möbeln und Gemüsebällchen buhlen die Schweden dabei auch um die Kaufkraft junge Städter.

„Wenn wir früher Ikea-Häuser gebaut haben, dann haben wir nach einem Autobahnkreuz gesucht und den Laden dorthin gesetzt, weil die ganze Gesellschaft auf Autos ausgerichtet war“, sagte Konzernchef Peter Agnefjäll der Deutschen Presse-Agentur. „Heute sind wir natürlich an einer guten Erreichbarkeit für Autos interessiert. Aber es ist in Zukunft noch wichtiger, dass es eine gute Erreichbarkeit mit den Öffentlichen gibt.“

Manchmal bedeute das, dass die Geschäfte näher an den Innenstädten lägen. „Manchmal gibt es auch um die Städte herum eine gut ausgebaute Verkehrssituation, auch danach suchen wir.“ Für diese Art von Geschäften sei das Möbelhaus in Hamburg-Altona, das nur wenige Minuten Fußweg entfernt vom Bahnhof liege, ein Test - über dessen Erfolg Agnefjäll allerdings noch nichts verraten wollte.

„Aber es ist interessant, die Reaktionen der Kunden zu sehen - was funktioniert, was weniger gut“, sagte der Ikea-Chef über das Kaufverhalten der Städter. „Was wir normalerweise sehen, wenn wir an Orten sind, die bequemer zu erreichen sind, ist, dass die Leute öfter kommen. Dann kaufen sie nicht alle zwei Monate ein neues Sofa.“

Die beliebtesten Möbelhäuser in Deutschland 2013

Hintergrund

Die Verbrauchs- und Medienanalyse hat die beliebtesten Möbelhäuser in Deutschland ermittelt. Für das Jahr 2013 befragte sie rund 23.000 Personen. Sie sollten angeben, in welchem Möbelhaus sie in den vergangenen zwei Jahren eingekauft hatten.

Platz 7 – Segmüller

Für die Möbelkette aus Süddeutschland entschieden sich laut Umfrage 2013 3,1 Prozent der Konsumenten. Im Vorjahr waren es noch 3,3 Prozent gewesen.

Platz 6 – Lutz/XXXLutz/Mömax

Das österreichische Einrichtungshaus, für das einst auch der Schauspieler Ottfried Fischer warb, kam 3012 auf einen Marktanteil von 3,8 Prozent. 2012 waren es nur 3,6 Prozent gewesen.

Platz 5 – Höffner

Höffner hat in den vergangenen Jahren mit seiner Werbefigur Hape Kerkeling auf sich aufmerksam gemacht. Damit hatte die Möbelkette aus der Nähe von Berlin offenbar Erfolg: 2013 gaben 4,8 Prozent der Konsumenten an, dort eingekauft zu haben – 2012 hatten das nur 4,6 Prozent gesagt.

Platz 4 – Poco Domäne

Die nordrhein-westfälische Möbelkette Poco vereint 6,7 Prozent der Kunden auf sich. Das ist im Vergleich zu 2012 ein deutlicher Anstieg. Damals waren es nur 6,1 Prozent gewesen.

Platz 3 – Dänisches Bettenlager

Auf das Treppchen schafft es das Dänische Bettenlager. Zu dem Handelsunternehmen aus unserem nördlichen Nachbarland gingen 8,8 Prozent der Kunden, genauso viele wie im Vorjahr.

Platz 2 – Möbel Roller

Das Einrichtungshaus stammt aus dem Ruhrgebiet und baute seinen Marktanteil 2013 weiter aus. Neun Prozent der Konsumenten entschieden sich für Roller. 2012 lag dieser Wert lediglich bei 8,1 Prozent.

Platz 1 – Ikea

Das beliebteste Einrichtungshaus in Deutschland kommt aus Schweden: Bei Ikea ging laut VuMA rund jeder Vierte (27,2 Prozent) shoppen. Doch der Gigant verliert offenbar an Beliebtheit: 2012 kam er noch auf einen Anteil von 28,2 Prozent.

Stattdessen besuchen sie öfter das Ikea-Restaurant. Auch dort passt sich der Möbelriese an eine urbane, junge Käuferschaft an: Im Restaurant werden seit April vegane Gemüsebällchen neben den bekannten fleischhaltigen Köttbullar serviert. „Das ist eine größere Sache, als es klingen mag, weil wir dem Fleischbällchen und dem Hot Dog so verbunden sind“, sagte Agnefjäll.

„Aber was wir bis jetzt sehen, ist dass es ein großes Kundeninteresse gibt.“ Heute wollten sich mehr Menschen gesund ernähren, als das vor 15 oder 20 Jahren der Fall gewesen sei. Die Gemüsebällchen sind zudem Teil der Nachhaltigkeitsstrategie bei der Möbelkette. Dabei war der Gedanke an vegetarische Kost für Agnefjäll selbst eine Umstellung: „Ich bin mit den Fleischbällchen geboren, so haben meine Eltern gekocht.“

Fleischesser müssen sich aber zunächst noch keine Sorgen machen, dass den Köttbullar das Aus droht. „Ich denke, heute geht es darum, Optionen zu schaffen. Wir haben die Köttbullar noch, aber wir bieten auch die Veggie-Bällchen an“, sagte Agnefjäll.

Von

dpa

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