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27.09.2015

15:46 Uhr

Möbelkette Habitat

Designer-Möbel für ganz Deutschland

VonChristoph Kapalschinski

Schaffen, was Ikea-Gründer Kamprad nicht geschafft hat: Die Möbelkette Habitat soll endlich Geld verdienen. Dafür suchten ihre Manager Franchisenehmer – und riefen bei Lidl an.

Das Unternehmen expanidert in Deutschland. PR

Möbelkette Habitat

Das Unternehmen expanidert in Deutschland.

BerlinEs müssen feucht-fröhliche Vertragsverhandlungen in Berlin gewesen sein, als Vincent Destailleur mit einem potenziellen Vermieter für einen neuen Laden für Habitat verhandelte. Denn der Immobilienmanager kannte die Möbelkette nicht – und war entsprechend skeptisch. Also befragte Habitat-Chef Destailleur reihum die anderen Restaurant-Gäste – und siehe da: Mehr als die Hälfte kannten die Kette, obwohl Habitat bislang in Berlin gar nicht vertreten war. Ein provisorischer Mietvertrag, so schildert Destailleur die Episode, sei noch im Restaurant unterzeichnet worden.

Destailleur kann sein Überzeugungstalent gut gebrauchen. Der Franzose will etwas schaffen, dass nicht einmal der Möbel-Legende Ingvar Kamprad, dem Gründer von Ikea, gelungen ist. Er will die Möbel-Kette Habitat mit erschwinglichen Designer-Möbeln in Innenstadtlagen endlich nachhaltig profitabel machen. Erste Erfolge sind sichtbar – und auf die will Destailleur nun seine Expansionsstrategie auch in Deutschland aufbauen.

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Erstmals seit vielen Jahren werfe das Deutschland-Geschäft im Geschäftsjahr, das am 30. September endet, Gewinn ab, prognostiziert Destailleur. Den Schwung will er nutzen, um ab kommenden Sommer erstmals in Deutschland Franchise-Nehmer zu finden. In dieser Woche eröffnete in Berlin in Eigenregie der sechste deutsche Laden, der 73. weltweit.

Habitat hat eine bewegte Geschichte. 1964 wurde die Kette in England von dem Designer Terence Conran gegründet. Möbel mit klaren Formen und kräftigen Farben zeigt die Firmenchronik aus dieser Zeit – etwa das Stahlrohrsofa „M“. 1992 kaufte Kamprad das Unternehmen, um Ikea um eine hochwertigere Kette zu ergänzen. Doch der erfolgsverwöhnte Milliardär scheiterte, Habitat schrieb Verluste. 2009 übernahm der Finanzinvestor Hilco, doch der musste die britischen Geschäfte in die Insolvenz schicken, verkaufte den kontinentaleuropäischen Rest mit 38 Filialen an den französischen Händler Cafom. Der verkaufte bis dato allein billige Möbel in Filialen und im Internet.

Habitat dient ihm der weltweiten Expansion mit einer echten Marke. Davon gibt es nur wenige, die Handel und Design selbst kontrollieren. Doch dass es klappen kann, zeigen in Deutschland auch Konkurrenten wie Bo-Concept.

Die größten Möbelhersteller

Schaffrath

Platz 10: Schaffrath

Umsatz: 335 Millionen Euro (Vorjahr: 340 Mio.)

Mitarbeiter: 1.200

Mit seinen 29 Häusern in Nordrhein-Westfalen schafft es Schaffrath gerade noch unter die Top Ten. Dabei gibt es nicht nur Komplett-Einrichtungshäuser, sondern auch spezielle Küchenmärkte, Naturholzmöbel-Fachgeschäfte, Young-Stores, Elektrofachmärkte und eine Mega-Küchen-Fachmarkt.

Otto

Platz 9: Otto

Umsatz: 680 Millionen Euro (Vorjahr: 700 Mio.; abweichendes Geschäftsjahr: 1.3. - 28.2.)

Mitarbeiter: 53.103

Der Versandhändler aus Hamburg gehört zu den sogenannten Universalversendern, die neben Kleidung auch Haushaltswaren und Möbel verkaufen. Für diese Sparte hat Otto - neben seinem Online-Angebot - einen eigenen "wohntrend"-Katalog im Angebot.

Dänisches Bettenlager

Platz 8: Dänisches Bettenlager

Umsatz: 878 Millionen Euro (für das Jahr 2010/11; 2009/10: 858 Millionen Euro für Deutschland)

Mitarbeiter: 7.600 (insgesamt)

Das zum Jysk-Konzern gehörige Dänische Bettenlager betreibt allein in Deutschland 846 seiner insgesamt 1.042 Filialen. Die weiteren zentrale Standorte befinden sich in Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien. Neben dem Kerngeschäft - der Schlafzimmeraustattung - werden mittlerweile auch Büro-, Wohn- und Badezimmermöbel angeboten.

Segmüller

Platz 7: Segmüller

Umsatz: ca. 1.050 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 1.050 Millionen Euro)

Mitarbeiter: über 4.000

Neben den sieben Segmüller-Filialen gehören dem Unternehmen fünf weitere Küchenhäuser, vier Möbel Maxx-Filialen, drei Mega Stores und drei Babyland-Filialen. Segmüller betreibt Möbelhäuser vornehmlich im süddeutschen Raum.

Poco

Platz 6: Poco-Domäne

Umsatz: 1.080 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 945 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 6.800

Seit dem Zusammenschluß im Jahr 2008 sind die die Discounter Poco, Domäne und Möbelix in der Poco-Domäne Holding zusammengefasst. Poco-Domäne betreibt 96 Märkte bundesweit. Im Jahr 2011 erlangte der Konzern zusätzliche Bekanntheit durch eine Werbekampagne mit der TV-Blondine Daniela Katzenberger.

Roller

Platz 5: Roller / Tejo (Tessner-Gruppe)

Umsatz: 1.200 Millionen Euro (im Jahr 2010/11; 2009/10: 1.160 Millionen Euro)

Mitarbeiter: über 5.500

Allein Roller betreibt in Deutschland 101 Märkte, darüberhinaus gehören zu Tejo 17 weitere SB-Lagerverkäufe, vier Einrichtunghäuser und drei Einrichtungs-Shopping-Center. Auch der Medea Küchenfachmarkt ist ein Teil der Tessner-Gruppe.

Porta

Platz 4: Porta

Umsatz: 1.250 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 1.200 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 6.500

Den Umsatz bringen insgesamt 121 Möbelhäuser namens Porta, Happy Porta, Möbel Boss und Möbel Hausmann zusammen.

XXL Lutz

Platz 3: XXXLutz

Umsatz: 2.900 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 2.700 Millionen Euro)

Mitarbeiter: insgesamt 18.500

Die österreichische Möbelhauskette XXXLutz betreibt allein in Deutschland 13 Filialen unter dem Namen XXXLutz, insgesamt 40 weitere unter dem Namen XXXL und Mömax.

Höffner

Platz 2: Höffner

Umsatz: ca. 1.980 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 1.950 Millionen Euro)

Mitarbeiter: ca. 8.000

Trotz eines guten Ergebnisses liegt die Höffner-Gruppe, zu der auch Möbel Kraft und Möbel Sconto gehört, auf Platz 2 weit hinter dem Spitzenreiter der Möbelhäuser.

Ikea

Platz 1: Ikea

Umsatz: 3.650 Millionen Euro (im Jahr 2010/11; 2009/10: 3.480 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 14.447 (in Deutschland; Weltweit: 131.000)

Unangefochtener Branchenprimus ist und bleibt Ikea. Die Schweden betreiben allein in Deutschland 46 Möbelhäuser und etliche weitere sind in Planung. Der mittlerweile aus den Niederlanden operierende multinationale Konzern hat neben Einrichtungsgegenständen auch komplette Fertighäuser im Sortiment.

Destailleur setzt darauf, dass seine Marke für Vermieter wichtiger wird, um etwa Einkaufszentren attraktiv zu halten. Denn: Mit dem Siegeszug des eCommerce ändert sich die Handelslandschaft – Flächen in den Nebenlagen der Innenstädte werden tendenziell günstiger. „Die Betreiber von Shopping-Centren brauchen Marken wie uns, die Abwechslung bringen“, meint Destailleur. Das ist auch Voraussetzung für das Gelingen der Sanierung. Deutschland-Chef Daniel Lambert hat die Mietverträge neu verhandelt und so die Kosten gedrückt. In Hamburg zog die Filiale von noblen Neuen Wall in das Büroviertel hinter dem Rathaus. Auch in die neue Filiale in Berlin ist etwa neben den eigentlichen Fußgängerströmen im ehemaligen Mercedes-Benz-Showroom an der Potsdamer Straße, der Zufahrt zum Potsdamer Platz.

Der Grund: 2800 Euro jährlich setzt Habitat im Schnitt je Quadratmeter um – nur knapp ein Fünftel des Flächenumsatzes einer erfolgreichen Textilkette wie H&M oder Zara. Entsprechend geringer muss die Miete ausfallen – trotz Innenstadtlage. „Das ist ein herausforderndes Business-Modell“, gesteht Destailleur. Zumal auch andere die Innenstädte entdecken: Ausgerechnet Ikea erprobt in Hamburg-Altona das weltweit erste City-Haus in einer Fußgängerzone. Doch Destailleur will mit seiner Positionierung dagegenhalten: „Ikea wird vielleicht vom Möbel-Hypermarkt zum Möbel-Supermarkt. Wir aber sind die Gourmet-Möbel-Boutique“, erklärt der Franzose. Von expansiven Haushaltswaren-Ketten wie Depot will er sich absetzen, indem Habitat weiterhin ein Sortiment fürs gesamte Haus anbietet.

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