Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.12.2016

15:40 Uhr

Möbelklassiker

Das Ende der Möbel-Kopien

VonThorsten Firlus-Emmrich
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Einen Design-Klassiker im Wohnzimmer für kleines Geld? Bis vor kurzem ermöglichte das britisches Recht. Nach der Gesetzesänderung hat die Repliken-Industrie schnell einen Ausweg gefunden – mit Überraschungen für Kunden.

Ein Original: Der Lounge Chair von Charles & Ray Eames aus dem Programm des Herstellers Vitra. Vitra

Lounge Chair

Ein Original: Der Lounge Chair von Charles & Ray Eames aus dem Programm des Herstellers Vitra.

DüsseldorfEine Reise in die Toskana klingt zunächst verlockend. Aber weniger, wenn es eigentlich nur darum geht, sich einen Sessel anzuschauen, den man eventuell kaufen möchte. Das ist aber nötig, wer bei einem italienischen Anbieter von Kopien ikonischer Möbel wie dem Lounge Chair von Charles und Ray Eames vor dem Kauf begutachten möchte. Und bitte mit Voranmeldung. Eine Woche vorher. Viel Aufwand für ein Möbelstück.

Einfacher geht es, wie so oft, im Internet: Menschen mit dem Wunsch nach einem Designklassiker in den eigenen vier Wänden, sei es der Tisch Laccio, den Marcel Breuer entwarf oder den Freischwinger von Mies van der Rohe, aber eingeschränktem Budget unterwegs sind, werden auf entsprechenden Seiten rasch fündig. Portale bieten dort die Möbelklassiker zu einem Drittel des Preises an, den unter Umständen das örtliche Möbelhaus verlangt.

Echt oder falsch?

Fälschungen

Gefälschte Produkte sehen genauso aus wie das Original, sogar das Logo des vermeintlichen Markenherstellers prangt in aller Regel auf ihnen. In Deutschland werden allerdings kaum Fälschungen fabriziert – die meisten Fälle von Produktpiraterie stammen aus Asien. Allein im Jahr 2010 haben europäische Zollbeamte an den EU-Außengrenzen mehr als 103 Millionen schutzrechtsverletzende Waren beschlagnahmt. Der Wert: mehr als eine Milliarde Euro.

Plagiate

Viele Produkte, die eine hohe Ähnlichkeit zu den verkaufsstarken Originalen haben, werden inzwischen in Deutschland hergestellt oder aber in Auftrag gegeben. Plagiate gibt es in fast allen Branchen, beispielsweise Mode, Kinderspielzeug, Haushaltsgeräte oder Badarmaturen. Eine zahlenmäßige Erfassung gibt es nicht.

Diese Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten ihren Sitz in Großbritannien gehabt. Dort galt bis vor kurzem ein Gesetz, dass es Unternehmen wie Voga erlaubte, diese Stilikonen günstig produzieren zu lassen und zu vertreiben.

Seit Juli diesen Jahres gilt auch in Großbritannien, wie andernorts in der EU, dass Möbel, die die nötige Schöpfungshöhe erreichen, bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Designer geschützt sind. Das Unternehmen Vitra im Schweizerischen Birsfelden bezahlt für den Eames-Lounge Chair Lizenzgebühren an die Nachfahren des Designer-Ehepaars Charles und Ray Eames.

Das britische Unternehmen Voga, das keine Lizenzgebühren entrichtet, hat kurzerhand und ohne, dass es für den Besucher der Webseite leicht zu erkennen ist, das Procedere angepasst und ausgenutzt, dass in Irland die Gesetzeslage auch weiterhin erlaubt, solche Repliken zu vertreiben.

Produktpiraterie: „Gefälscht wird alles, was Profit verspricht“

Produktpiraterie

„Gefälscht wird alles, was Profit verspricht“

Geklautes Design, gefakte Markenlogos: Durch Fälschungen entsteht deutschen Unternehmen ein Schaden von etwa 56 Milliarden Euro im Jahr. Patentschutz-Experte Volker Bartels gibt Tipps, wie sich Firmen schützen können.

Wer heute den Swan Chair von Arne Jacobs die Arco Standleuchte mit Marmorfuß von Castiglioni als Version „inspired by“ erwerben möchte, kann dies tun. Und sich nach Eintreffen des gewünschten Objektes beim Verkäufer abholen. In einem Lagerhaus in Irland, 50 Kilometer südwestlich von Dublin. Betreiber des Lagerhauses ist das Logistikunternehmen DSV mit 40.000 Mitarbeitern und Sitz in Dänemark. Kunden von Voga haben in den vergangenen Wochen auch gleich DSV damit beauftragt, ihre Ware von Irland nach Deutschland zu bringen. Das ist derzeit legal. Aber zumindest umständlich. Voga selbst bietet auf seiner Webseite weder Versandservice an, noch Hinweise, wie sich das erledigen lässt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×