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03.01.2007

15:32 Uhr

Möglicherweise neue Verhandlungen

Flugsicherung sucht Kompromiss mit streikbereiten Lotsen

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sucht wenige Tage vor einem drohenden Streik ihrer Fluglotsen einen Ausweg aus dem festgefahrenen Tarifkonflikt. Bei einem Streik der Fluglotsen könnte es zu einer massiven Behinderung des europäischen Luftverkehrs kommen.

HB FRANKFURT. „Wir wollen weiterhin einen Streik und die damit verbundenen Beeinträchtigungen im Luftverkehr verhindern“, sagte DFS-Sprecher Axel Raab am Mittwoch. Die Lotsen-Gewerkschaft habe jetzt kurzfristig einige Forderungen zurückgenommen. Deshalb werde die DFS-Tarifkommission prüfen, ob noch kurzfristig ein Gehaltsangebot für die gut 5 000 Beschäftigten, darunter 1 800 Lotsen, vorgelegt werden könne, sagte der Sprecher. Mit einem Angebot könnten die Verhandlungen wieder aufgenommen oder auch ein Schlichtungsverfahren eingeleitet werden.

Die Lotsen-Gewerkschaft GdF fordert für zwei Jahre jeweils vier Prozent mehr Gehalt und hatte die Tarifgespräche im November wegen fehlender Gegenangebote abgebrochen. Mit dem für die nächsten Tage geplanten Streik, bei dem drei Viertel aller Flüge in und über Deutschland ausfallen sollen, soll die Flugsicherung zu einem Entgegenkommen gezwungen werden. Trotz Klageandrohung hatte die Gewerkschaft am Mittwoch die Streikpläne bekräftigt. Allerdings zog sie einzelne rechtlich kritische Forderungen wie eine monatliche Zahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld zunächst zurück. Diese hätten den noch nicht gekündigten Manteltarifvertrag betroffen. Damit wäre ein Streik womöglich unrechtmäßig.

„Wenn die DFS endlich ein Angebot auf den Tisch legt, werden wir sicher prüfen, ob das tatsächlich genug Substanz hat, um eine Grundlage für weitere Verhandlungen zu sein“, sagte Gewerkschafts-Sprecher Marek Kluzniak. „Auch die Lotsen wollen nicht unbedingt streiken“, fügte er hinzu.

Vom ersten Fluglotsenstreik in Deutschland wären hunderttausende Passagiere in ganz Europa betroffen. Der bisher geplante Streikbeginn wird in der Flugbranche im Laufe der kommenden Woche erwartet. Die Gewerkschaft will den Termin erst 24 Stunden vorher bekannt geben.

Die DFS hat bisher die Gehaltsforderungen der Gewerkschaft als maßlos überzogen kritisiert. Die Mehrkosten würden sich einschließlich zusätzlicher Aufwendungen für Altersrückstellungen auf 230 Mill. Euro belaufen, argumentiert die DFS. Die Gewerkschaft errechnet gut 80 Mill. Euro zusätzliche Personalkosten.

Die bundeseigene DFS kontrolliert den Flugverkehr in und über Deutschland und betreibt Kontrolltürme an rund 20 Flughäfen. Das Unternehmen machte 2005 gut 880 Mill. Euro Umsatz und einen Überschuss von 18,2 Mill. Euro. Der deutsche Luftraum ist einer der verkehrsreichsten der Welt. Bereits ein so genannter Bummelstreik der damals noch beamteten Fluglotsen hatte Anfang der 70er Jahre den Luftverkehr zeitweise lahm gelegt.

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