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08.02.2017

12:03 Uhr

Møller-Maersk

Container-Riese macht Milliardenverlust

Die Container-Krise schlägt bei Møller-Maersk voll durch: Der Reedereikonzern hat 2016 einen Milliardenverlust gemacht. Außerdem tritt der Verwaltungsratschef ab – sein Nachfolger ist ein alter Bekannter.

Die Container-Schifffahrt sieht der Konzern 2017 wieder zuversichtlicher. dpa

Containerriese „Maersk Mc-Kinney Møller“

Die Container-Schifffahrt sieht der Konzern 2017 wieder zuversichtlicher.

KopenhagenDie Krise in der Container-Schifffahrt und hohe Abschreibungen in seinen Ölsparten haben den dänischen Reederei-Konzern A.P. Møller-Maersk 2016 tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich machte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 1,9 Milliarden US-Dollar (rund 1,78 Milliarden Euro) Verlust. Der Umsatz sank von knapp 40,4 auf rund 35,5 Milliarden Dollar. „2016 war finanziell ein schwieriges Jahr, mit Gegenwind auf allen unseren Märkten“, sagte Maersk-Chef Søren Skou laut einer Mitteilung.

Es ist erst das zweite Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass der Konzern einen Jahresverlust vermelden muss. Zuletzt war das 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise der Fall. Die Aktie fiel am Mittwochmorgen um mehr als 5 Prozent. Die Anleger müssen auch hinnehmen, dass ihre Dividende um die Hälfte auf 150 Kronen (rund 20 Euro) gekürzt wird.

Die Lage der Container-Schifffahrt

Fusionen

Die drei großen japanischen Containerreedereien Nippon Yusen Kaisha (NYK), Mitsui OSK Lines (MOL) und Kawasaki Kisen Kaisha (K-Lines) treten ab April 2018 unter einem neuen Namen gemeinsam an. Zusammengeführt hat die japanischen Reedereien Not und nackte Angst. Sie hatten riesige Verluste angehäuft und Angst vor der endgültigen Pleite. Zuvor hatten sich bereits die chinesischen Reedereien Cosco und China Shipping Container Lines vereinigt, die französische Reederei CMA CGM hatte APL aus Singapur übernommen, und die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hatte sich erst die Containersparte der chilenischen CSAV einverleibt und dann die arabische UASC.

Pleite

Die Rettungsbemühungen für Hanjin laufen zwar noch, aber als globale Reederei sind die Koreaner seit ihrer Pleite im August aus dem Spiel. Niemand wird nach diesen Erfahrungen einer wackeligen Reederei noch einen Container anvertrauen. Zehntausende von Containern kamen verspätet an, mussten teuer bei den Terminals ausgelöst werden oder waren am Ende ganz wertlos, weil sie Saisonware enthielten. Die Schäden bei Kunden, Banken, Versicherungen und Lieferanten sind noch nicht übersehbar

Frachtraten

Die Frachtraten sind seit Jahren wegen der Überkapazitäten und des schwachen Wachstums des Welthandels im Keller. Auch die Fusionen konnten sie noch nicht stabilisieren. „Wir haben nicht zu viele Reedereien, sondern zu viele Schiffe“, sagte der Hamburger Schifffahrtsexperte Prof. Ulrich Malchow im November. Die Insolvenz von Hanjin habe nur kurzzeitig Erholung gebracht.

Weltlage

Zuletzt gab es weltweit noch zwei Länder, in denen mehr als eine große Reederei ihren Sitz hat: Taiwan und Deutschland. Mit dem Oetker-Verkauf von Hamburg Süd nach Dänemark ist das Geschichte.

2016 bremste vor allem die schwache Lage auf dem Containermarkt den dänischen Marktführer. Die Frachtraten seien durchschnittlich um 19 Prozent gefallen, klagt der Konzern. Zudem nahm Maersk eine 2,7 Millionen Dollar schwere Abschreibung auf das Ölgeschäft vor. Maersk-Chef Skou will das Ölgeschäft in den nächsten zwei Jahren ganz oder in Teilen abspalten. Vor allem die Lage in der Container-Schifffahrt sieht der Konzern 2017 wieder zuversichtlicher, nachdem im vergangenen Geschäftsjahr ein Minus von 376 Millionen US-Dollar (etwa 351,4 Millionen Euro) unter dem Strich stand. Seinen Gewinn will Maersk in diesem Bereich um eine Milliarde US-Dollar steigern.

Der Chef des Verwaltungsrates, Michael Pram Rasmussen, kündigte zudem am Mittwoch seinen Rücktritt an. Der Däne war fast 18 Jahre Mitglied in dem Aufsichtsgremium. Sein Nachfolger soll Jim Hagemann Snabe werden, der schon im Vorstand des Software-Konzerns SAP saß und im kommenden Jahr wohl auch Aufsichtsratschef von Siemens wird. „Der Zeitpunkt, als Vorsitzender zurückzutreten, ist sowohl für mich als auch für das Unternehmen der richtige“, so Pram Rasmussen.

Anfang Dezember hatte die Oetker-Gruppe angekündigt, ihre Reederei Hamburg Süd wegen der anhaltenden Flaute im Containergeschäft an Maersk zu verkaufen. Stimmen die Kartellbehörden zu, soll der Deal bis Ende 2017 über die Bühne gehen.

Der Konkurrent Hapag-Lloyd hatte im November mit eiserner Sparsamkeit einen kleinen Quartalsgewinn erreicht. Die Hamburger Reederei steht kurz vor dem Zusammenschluss mit der arabischen UASC, nach dem sie zur fünftgrößten Container-Reederei weltweit aufsteigen dürfte.

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