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11.03.2017

15:02 Uhr

Myanmar

Ärger im neuen Billigmode-Boomland

Der Mindestlohn liegt in Myanmar bei 2,50 Euro – pro Tag. Ein Grund dafür, warum die Textilindustrie gerade boomt. Auch deutsche Konzerne lassen hier produzieren. Jetzt allerdings regt sich Protest.

Näherinnen arbeiten in einer Halle der Textilfabrik Shweyi Zabe in Rangun. Myanmar hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Land für die billige Produktion von Kleidung entwickelt. dpa

Textilfabrik Shweyi Zabe in Myanmar

Näherinnen arbeiten in einer Halle der Textilfabrik Shweyi Zabe in Rangun. Myanmar hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Land für die billige Produktion von Kleidung entwickelt.

RangunAuf dem Bogyoke-Markt von Myanmars ehemaliger Hauptstadt Rangun ist die Welt noch ziemlich in Ordnung. Außer Obst, Gewürzen und den üblichen Buddha-Souvenirs lassen sich dort auch T-Shirts kaufen – bedruckt mit einer der vielen Pagoden, die es im früheren Birma (oder Burma) gibt, oder auch mit dem Gesicht der international sehr geachteten Nobelpreisträgerin Aung Sang Suu Kyi. Alles „Made in Myanmar“, manches sogar bio zu 100 Prozent.

Eine Autostunde außerhalb von Rangun, wo keine Touristen hinkommen, sieht die Sache anders aus. Im Umland der 7,5-Millionen-Stadt haben sich in den letzten Jahren jede Menge neuer Textilfabriken angesiedelt. Dort wird Kleidung für den Weltmarkt produziert, zu Billiglöhnen und unter sehr fragwürdigen Bedingungen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie gehört auch Kinderarbeit dazu.

Der südostasiatische Staat hat sich seit seiner Öffnung - das Militär gab einen Teil der Macht an Suu Kyi ab, die jetzt als „Staatsrätin“ de facto die Regierung führt – zum Boomland der Textilindustrie entwickelt. Mehr als 400 Fabriken gibt es inzwischen, mit 400.000 Arbeitern, fast alles Frauen. Weltmarken wie H&M und Adidas lassen dort produzieren, aber auch Aldi, Tchibo oder Jack Wolfskin.

Der Boom hat auch damit zu tun, dass der Ruf des Nachbarn Bangladesch arg gelitten hat. Beim Einsturz eines Gebäudes mit Textilfabriken kamen dort im April 2013 mehr als 1100 Menschen ums Leben. Aus Furcht ums eigene Image zogen internationale Unternehmen weiter, ins unbelastete Myanmar. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass manche Kunden in den Umkleidekabinen mittlerweile doch darauf achten, wo die Kleidungsstücke herkommen.

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Bislang hat der ehemalige Skateboardprofi seine ökologisch korrekte Sportmode in Portugal, Kroatien und Polen fertigen lassen. Doch schon bald wird der Gründer von Bleed seine Ware auch in seiner Heimat herstellen.

So wird Myanmars Bekleidungsindustrie das Geschäftsjahr 2016/17, das diesen Monat endet, mit einem Rekord beenden. Das Handelsministerium erwartet Exporte von mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro), ein Großteil davon nach Europa. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von mehr als 85 Prozent. Geht das so weiter, wird das Ziel von vier Milliarden Dollar bis 2020 locker erreicht.

Hinter vielen Fabriken steckt allerdings ausländisches Geld, aus China vor allem. Stoffe, Knöpfe und Reißverschlüsse werden importiert; in Myanmar wird dann nur noch geschnitten und genäht. Zum Plan, „Made in Myanmar“ zum Standard für eine „ethische und nachhaltige Produktion“ zu machen – wie es im Verhaltenskodex des nationalen Textilverbandes heißt -, passt das nicht.

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