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10.09.2014

19:27 Uhr

Nach acht Stunden

Pilotenstreik in München ist beendet

Nach acht Stunden Ausstand haben die Lufthansa-Piloten ihren Streik am Flughafen München beendet. Wegen des gestörten Flugplans kann es noch bis Donnerstag zu Ausfällen kommen. Die Gewerkschaft zeigt sich zufrieden.

Die Lufthansa-Piloten haben bereits in vier Wellen gestreikt, um ihre Übergangsrente behalten zu können. dpa

Die Lufthansa-Piloten haben bereits in vier Wellen gestreikt, um ihre Übergangsrente behalten zu können.

München/Frankfurt am MainDer Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten findet kein Ende. Tausende genervte Passagiere mussten am Mittwoch ihre Reisepläne ändern. Die Lufthansa hatte nach dem inzwischen vierten Streikaufruf der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) 140 Verbindungen von und nach München gestrichen. Nach dem Streikende um 18.00 Uhr wollte sie möglichst schnell zum Normalbetrieb zurückkehren. Doch der Sonderflugplan sah wegen der gestörten Umläufe für den Abend und den Donnerstagmorgen noch weitere Flugabsagen vor.

Europas größte Fluggesellschaft rechnete wegen des nach acht Stunden beendeten Ausstands mit einem erneuten Millionenschaden. Die Piloten kämpfen um ihre Übergangsrente, die sie im Vorruhestand erhalten. Von dem Streik waren in der letzten Woche der bayerischen Schulferien mehr als 15 000 Passagiere auf Flügen von und nach München betroffen.

Das sind die Konfliktfelder der Lufthansa

„Kriegserklärung der Lufthansa“

Die Lufthansa steuert auf den nächsten Streik zu. Seit zwei Jahren kann sich der Luftverkehrskonzern mit seinen Piloten nicht auf einen neuen Gehaltstarif einigen. Das Ergebnis der Urabstimmung wird am 21. März bekanntgegeben. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Umstand, dass Lufthansa zum Jahresende sowohl die betriebliche Altersversorgung als auch die sogenannte Übergangsversorgung für das fliegende Personal gekündigt hat. Die Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) sprach in diesem Zusammenhang von einer „Kriegserklärung“. Die Konfliktfelder im Einzelnen.

Pilotengehälter

Die Piloten gehören mit Spitzengehältern von bis zu 250.000 Euro im Jahr zu den Topverdienern im Konzern, erwarten aber auch regelmäßige Gehaltserhöhungen, die mindestens die Inflation ausgleichen und sie am Produktivitätszuwachs teilhaben lassen. Die Verhandlungspositionen sind weit voneinander entfernt: Aktuell hat die VC die Forderungen für zwei Jahre bis Mitte 2014 auf rund 10 Prozent addiert. Lufthansa will hingegen erst im Jahr 2016 eine Tabellensteigerung um 3 Prozent zahlen und bis dahin mit erfolgsabhängigen Einmalzahlungen arbeiten, die auch ganz wegfallen können, wenn die operative Marge im Passagiergeschäft nicht stimmt. Nach bislang vorliegenden Geschäftszahlen aus dem dritten Quartal hätte es bei der mitten in einem riesigen Sparprogramm steckenden Gesellschaft für 2013 schon mal keine Einmalzahlung gegeben.

Übergangsversorgung

Bis zum Jahreswechsel konnten Piloten mit frühestens 55 Jahren mit bis zu 60 Prozent ihrer Bezüge in den Vorruhestand gehen. Lufthansa sieht keine Rechtsgrundlage mehr für die Übergangsversorgung, weil Lufthansa-Kapitäne im September 2011 vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten haben, bis zur internationalen luftfahrtrechtlichen Grenze von 65 fliegen zu dürfen. Aus Sicht der Gewerkschaft macht aber das bisherige Endalter von 60 Jahren nach deutscher Rechtsprechung auch tarifpolitisch Sinn, weil die Alten Platz für Jüngere machten und zudem das Unternehmen Teile der sehr hohen Gehälter der Alt-Kapitäne spare.

Lufthansa argumentiert mit den laufenden hohen Kosten: Im Schnitt müssten jährlich zusätzlich 8 Prozent des Pilotengehalts für die Übergangsrente zurückgelegt werden. Nach geltender Rechtslage könnten Kabinenmitarbeiter bis zum gesetzlichen Rentenalter fliegen, die Piloten bis 65, so dass eine Übergangsversorgung nicht mehr nötig sei. Für zwei Jahre will das Unternehmen die alten Regelungen noch anwenden, ohne sie juristisch anzuerkennen.

Lizenzverlustsicherung

In der Übergangsversorgung ist auch eine von der Lufthansa bezahlte Versicherung enthalten, die bei Verlust der Pilotenlizenz mit Zahlungen eintritt. Diese Regelung bleibt nach Lufthansa-Lesart trotz der Kündigung weiter in Kraft. Die Piloten müssen sich auch privat gegen den Lizenzverlust absichern, indem sie ganz am Anfang ihrer Laufbahn eine entsprechende private Versicherungspolice abschließen.

Betriebsrenten

Wie andere Unternehmen auch hat Lufthansa bislang ein Betriebsrentensystem, das den Beschäftigten im Voraus bestimmte monatliche Zahlungen garantiert. Im Schnitt erhalten die Kranich-Rentner monatlich 700 Euro Betriebsrente. Den Rentenansprüchen liegen allerdings Rendite-Erwartungen zwischen 6 und 7 Prozent zugrunde, die derzeit am von Niedrigzinsen geprägten Kapitalmarkt nicht zu erzielen sind. Das Unternehmen will künftig nur noch die Höhe seines Zuschusses garantieren, nicht aber die auszuzahlende Rente.

Verhandelt werden muss das mit allen Beschäftigtengruppen, die auf ihre bislang erworbenen Ansprüche pochen können. Wird keine Lösung gefunden, gelten für die Stammbeschäftigten die alten, von Lufthansa einseitig gekündigten Bestimmungen weiter. Eine schnelle Einigung mit allen Gewerkschaften scheint daher unwahrscheinlich. Nachteile erleiden zunächst nur Neueingestellte, die keinerlei Zusagen zu Betriebsrenten erhalten.

Laut Lufthansa konnten aber „nahezu alle“ von ihnen auf die Bahn oder andere Flughäfen umgebucht werden. Erst am Mittwochmorgen wurde klar, dass nicht nur die zunächst genannten 110, sondern mehr als 140 Flüge ausfallen mussten. Die 15 geplanten Interkontinentalflüge ab München wurden hingegen wie angekündigt von freiwilligen Crews geflogen.

Seit April hat die VC in vier Streikwellen bei Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings rund 4300 Flüge ausfallen lassen und die Reisepläne von über 480 000 Menschen durcheinandergebracht. Dennoch hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag erklärt: „Die Streiks greifen nicht so wie gedacht.“ Im Interview mit hr-Info plädiert er für gesetzliche Maßnahmen, um die Häufigkeit der Streiks einzudämmen.

Lufthansa will in der kommenden Woche ihre etwa 5400 betroffenen Piloten direkt über weitere Details des bestehenden Angebotes informieren, das bislang nur mit dem Tarifpartner VC besprochen worden war. Auch die VC werde informiert, hieß es am Mittwoch. „Öffentliche Tarifverhandlungen haben noch nie zu einem Ergebnis geführt, weil die Musik im Detail spielt“, meinte dazu VC-Sprecher Jörg Handwerg. Er bezeichnete den Münchner Streiktag als Erfolg.

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