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05.06.2012

17:21 Uhr

Nach Bafin-Forderung

Ebay verschiebt neue Zahlungsabwicklung

Die neue Zahlungsabwicklung bei Ebay kommt jetzt doch nicht in diesem Sommer: Die deutsche Finanzaufsicht verlangt von der Handelsplattform erst eine Banklizenz. Und die muss Ebay sich erst besorgen.

Screenshot mit dem Logo des Internet-Auktionshauses Ebay. dpa

Screenshot mit dem Logo des Internet-Auktionshauses Ebay.

BerlinEbay verschiebt die Einführung seiner neuen Zahlungsabwicklung voraussichtlich auf 2013. Bei dem neuen Verfahren sollen über Ebay gekaufte Artikel nicht direkt beim Verkäufer bezahlt werden, sondern über die Online-Handelsplattform. Man werde erst eine Lizenz der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF erwerben, kündigte die deutsche Niederlassung des US-Unternehmens am Dienstag an. Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) habe dies gefordert. Die neue Zahlungsabwicklung war im Februar für diesen Sommer angekündigt worden.

Ebay zeigte sich überrascht von der Bafin-Forderung. Die für die Zahlungsabwicklung zuständige Unternehmensbereich hat seinen Sitz in Luxemburg. Die luxemburgische Behörde habe Ebay in vorherigen Gesprächen bestätigt, dass für die geplante Zahlungsabwicklung keine Lizenz notwendig sei. „Wir sind weiterhin der Auffassung, dass für die von uns geplante Zahlungsabwicklung keine Lizenz nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz notwendig ist, akzeptieren jedoch, dass die Bafin eine andere Rechtsauffassung vertritt“, erklärte der Geschäftsführer der Ebay GmbH, Dirk Weber.

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Bis zum Erwerb der Lizenz werde Ebay ein seit vergangenem Herbst laufendes Pilotprojekt stoppen. Nach Angaben von Februar nutzten bereits mehr als 500 000 Verkäufer-Konten das neue Verfahren. Insgesamt hat Ebay in Deutschland 16 Millionen aktive Nutzer.

Die Bafin betonte, sie sehe bei der neuen Zahlungsabwicklung die Definition eines Finanztransfergeschäfts erfüllt. Eine Lizenz in Luxemburg wäre ausreichend, erklärte die Behörde der dpa.

Ebay verspricht mit dem neuen Verfahren mehr Sicherheit für die Käufer. Private Verkäufer werden mit dem System sieben Tage auf ihr Geld warten müssen, für gewerbliche Verkäufer wird eine zusätzliche Gebühr von zwei Prozent eingeführt. Als Bezahlwege sind Banküberweisung, Kreditkarte oder Lastschrift vorgesehen sowie der hauseigene Zahlungsdienstleister PayPal oder den ähnlichen Dienst Skrill (früher Moneybookers).

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Wenn das Geld an Ebay bezahlt wurde, bekommt der Verkäufer bei dem neuen Verfahren Bescheid und muss den Artikel losschicken. Ab dem Moment, wo er als versendet markiert wurde, starten die unterschiedlichen Auszahlungsfristen. Für gewerbliche Verkäufer, die schon länger auf Ebay aktiv sind und den Mindeststandards der Plattform genügen, liegt sie bei einem Tag.

Alle anderen gewerblichen Anbieter werden auf ihr Geld sieben Tage plus die erwartete Versanddauer warten müssen. Mit der zusätzlichen Gebühr sind alle Zahlungswege abgedeckt - das heißt, auch die heutige separate PayPal-Gebühr entfällt. Auf private Verkäufer kommen keine zusätzlichen Kosten zu, und auch sie werden die bisherige PayPal-Gebühr nicht bezahlen müssen. Die Umstellung war bei etlichen Verkäufern auf Kritik gestoßen, die befürchten, länger auf ihr Geld warten zu müssen.

Von

dpa

Kommentare (13)

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holyowly

05.06.2012, 17:44 Uhr

Zwei Dinge, die ich gerne noch ergänzen möchte:
1. Die neue Zahlart wurde den Verkäufern aufgezwungen. Das lief nicht freiwillig.
2. Die von eBay extra gegründete Firma für die Zahlungsabwicklungen ist eine GmbH mit einem nahezu nicht nennenswerten Vermögen. Diese GmbH will mehrere Milliarden Kundengelder ohne irgendeine Sicherheit verwalten.

Wenn man eines mit Gewissheit sagen kann: Bei den eBay-Verkäufern knallen heute die Sektkorken. Sie haben wenigstens eine Galgenfrist erhalten bevor sie zum finanziellen Schafott geführt werden.

Weiterführende Links (vielleicht auch für Journalisten die nicht nur nach dem eBay-Mund schreiben möchten):

http://www.internetrecht-rostock.de/ebay-neue-zahlungsabwicklung.htm

http://www.internetrecht-rostock.de/bafin-stoppt-ebay-zahlungsabwicklung.htm

Die Leute verstehen jedenfalls etwas mehr von der Materie.

derNOCHebayer

05.06.2012, 19:04 Uhr

Was hier (leider) nicht angesprochen wird ist das Problem der "unehrlichen" Käufer. Der letzte Stand, den ich kenne ist der, das ein Käufer das Geld zu ebay überweist und dann sich meldet, wenn die Ware eingetroffen ist. Wenn alles okay ist, dann bekommt der Verkäufer sein Geld - soweit so gut.
1. Keiner konnte mir die Frage schlüssig beantworten, wieso ein gewerblicher sein Geld schneller kriegt, als z.B. ein privater Verkäufer. Die einzige logische Erklärung, die ich finde ist die, das ebay kein Interesse an den Privaten Verkäufern hat. Diese "Vergraulen peu a peu" geht ja schon seit einiger Zeit schrittweise voran.

2. Wenn der Käufer einfach "behauptet" ( ein Schelm der jetzt Böses denkt^^ ), die Ware weiche stark von der Auktionsbeschreibung ab, ist der Verkäufer (!) in der Beweispflicht das Gegenteil zu beweisen! Das stell ich mir sehr spannend vor - wenn man nicht den gesamten Verpackungs und Versandvorgang detailliert von Anfang bis Ende als Film festhält.
Letztenendes wird dann ein Sachbearbeiter bei ebay entscheiden, ob der Artikel abweicht oder nicht. Ich möchte nicht wissen, wieviele Käufer dann "Recht bekommen". Das bedeutet für den Verkäufer: Geld weg, Artikel auch weg und nun darf ich auf zivilrechtlichem dagegen Weg klagen.. Halleluja und vielen Dank ebay.

3. Weil man solche "Schurkereien" leider nie ausschliessen kann, muss man sich natürlich auch gegen "angebliche Versandverluste" absichern, was das Porto schon deutlich erhöht und somit so manche Auktion alleine schon wegen den Versandkosten unattraktiv macht.

Fazit: Das Ganze ist einfach nur unausgegoren und zu kurz gedacht. Never change a running system.

Wenn ebay das in 2013 wirklich so durchzieht, wie geplant bin ich mal sehr gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Plattform. Ich kann mir nicht vorstellen, das sie dadurch mehr Umsätze erzielen, Wenn ebay dadurch kaputtgeht ist das einzig und allein deren Verdienst.
Nicht ohne Grund sind schon einige zu HOOD.DE abgewandert!;-)

Revisor

05.06.2012, 19:35 Uhr

Hier werden unter dem fadenscheinigen Vorwand der Betrugsprävention die Handels-Vertragspartner weiter entmündigt und Ebay bemächtigt sich des kompletten Zahlungsstromes.

Dabei wird ein riesiges Cashflow-Volumen aus bereits bezahltem, aber noch nicht bestätigt ausgeliefertem, Umsatzvolumen zu Gunsten Ebay und zu Lasten der Mitglieder aufgebaut.

Zudem sind Paypal-Konten NICHT einlagengesichert und die Guthaben auf den neuen "Ebaykonten" werden es auch nicht sein.

Gut, dass die BaFin dem fröhlichen Treiben der gierigen Ebay-Strategen erstmal Einhalt geboten hat.
Es ist zu befürchten, dass hier eine weitere Art einer Schattenbank entsteht und minimale (wenn überhaupt) Einzelrisiken zu einer riesigen Blase (Wo parkt Ebay dann diesen riesen Cashflow-Topf ???) gebündelt werden.
Aus einem einfachen 2-Parteien-Geschäft wird ein komplexes 3-Parteien-Konstrukt gemacht. Einziger Gewinner mal wieder
Ebay......
Wo bleibt die wirtschaftsjournalistische Analyse ?

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