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25.11.2013

15:23 Uhr

Nach Bergschaden

Essen und Bochum bis 2014 ohne ICE

VonTobias Döring

Das Bahn-Chaos rund um Essen lässt Pendler leiden und trifft auch den Fernverkehr. Illegaler Kohle-Abbau wurde entdeckt, es gilt eine Art Notfahrplan. Jetzt ist klar: Bis zum Ende des Jahres wird sich nichts ändern.

Wartende Reisende am Essener Hauptbahnhof: Wie lange das Chaos durch den Bergschaden andauern wird, ist noch völlig unklar. dpa

Wartende Reisende am Essener Hauptbahnhof: Wie lange das Chaos durch den Bergschaden andauern wird, ist noch völlig unklar.

Essen/DüsseldorfDickebank 1, Dickebank 2, Wasserfall und Sonnenschein – vor 150 Jahren waren dies klingende Namen. In den Flözen des Essener Bergwerks Victoria Mathias wurde Steinkohle abgebaut. Die Lagerstätten des „schwarzen Goldes“ sicherten Hunderten Bergmännern und ihren Familien Lohn und Brot.

Heute lösen die Namen der vier Flöze Wut und Verzweiflung aus – jedenfalls bei Berufspendlern im Ruhrgebiet. Denn Dickebank 1, Dickebank 2, Wasserfall und Sonnenschein liegen heute kurz vor dem Essener Hauptbahnhof, direkt unter den Gleisen. Und weil Mitte des 19. Jahrhunderts oberhalb des Stollens, der alle vier verbindet, Bergleute offenbar auf eigene Rechnung Kohle aus dem Boden holten, wird nun der gesamte Bereich geologisch untersucht.

Oberhalb des Stollens wurden Hohlräume gefunden, die auf den illegalen Abbau zurückzuführen sind. Die Bahnstrecke gilt zwar nicht als einsturzgefährdet, sondern lediglich als instabil. Gefährlich ist die Lage aber allemal.

Die Bergbau-Kosten im Ruhrgebiet

Bergbau-Gebiete

Nach der bisherigen Auswertung der bei der Bergbehörde vorhandenen Unterlagen stillgelegter Bergwerke beträgt die Gesamtfläche der innerhalb des Ruhrreviers gelegenen Verbreitungsgebiete des tagesnahen Bergbaus ca. 975 km². Davon fallen ca. 269 km² in den Verantwortungsbereich des Landes NRW.

Tagesnaher Bergbau im Süden

Die Verbreitungsgebiete des oberflächennahen und tagesnahen Bergbaus überdecken vor allem den südlichen Teil des Ruhrgebiets südlich der Linie Mühlheim an der Ruhr - Essen - Bochum - Dortmund - Unna. Hier streicht das Steinkohlengebirge zu Tage aus.

Anzahl der Tagesöffnungen

Aktuell hat die Bergbehörde im Ruhrgebiet rund 13.900 Tagesöffnungen (Schächte und Stollenmundlöcher) erfasst.

Verantwortung der RAG

Die RAG (ehemals Ruhrkohle) ist im Gegensatz zur verbreiteten Meinung nicht für alle Tagesöffnungen verantwortlich. 4000 Schächte und Stollen sind ihr zuzuordnen. Das Land NRW (durch die Bezirksregierung Arnsberg) trägt die Verantwortung für 1800 Tagesöffnungen. Für diese gibt es keinen Rechtsnachfolger.

Eon und RWE

Auf die Energiekonzerne entfallen 7400 der knapp 14.000 Tagesöffnungen. Eon trägt mit 5500 einen Großteil dieser Altlasten, RWE muss für 1900 Schächte und Stollen im Ruhrgebiet aufkommen.

Andere Rechtsnachfolger

Auch der Stahlkonzern Thyssen-Krupp hat eine Bergbau-Vergangenheit. Für 125 Tagesöffnungen ist das Unternehmen verantwortlich. Littelfuse (ehemals Heinrich Industrie) ist Rechtsnachfolger für 560 Schächte und Stollen.

Quelle: Bergbauabteilung, Bezirksregierung Arnsberg

Bei Abrissarbeiten am nahe gelegenen AEG-Gebäude aus den 1950er Jahren war die Instabilität aufgefallen. Seitdem am vergangenen Mittwoch die ersten Grubenbilder ausgewertet wurden, ist im Bahnverkehr des Ruhrgebiets ein mittelschweres Chaos ausgebrochen. Zunächst wurde allen Zügen auf der Einfahrt zum Bahnhof Schrittgeschwindigkeit verordnet. Allein bis Montagmorgen hätten so rund um Essen 3000 Züge Verspätungen eingefahren, schätzt die Bahn.

Seit nach Bohrungen Ende der Woche klar ist, dass noch mehr zu erwarten ist, ist eine Art Notfahrplan in Kraft. Einige S-Bahn-Linien fallen auch ganz oder teilweise aus, Fernzüge fahren Essen, Bochum und Mülheim an der Ruhr gar nicht mehr an und werden zwischen Duisburg und Dortmund über Gelsenkirchen umgeleitet.

Im Berufsverkehr am Montag trat das Problem geballt auf. Pendler mussten mit Ausfällen oder Verspätungen von 20 bis 30 Minuten leben. Für die im Fernverkehr betroffenen Züge prognostizierte die Bahn durch die Umleitung zehn bis 15 Minuten Verspätung. Der Bahnhof in Essen ist mit jährlich 63 Millionen Reisenden einer der meistfrequentierten in Deutschland.

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