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06.08.2012

13:43 Uhr

Nach Börsenunfall

Rettung von Knight Capital wird teuer

In weniger als einer Stunde wurde der US-Aktienbroker Knight Capital von seinem Handelsprogramm in tiefe Verluste gestürzt. Das Überleben der Firma scheint nun gesichert - die Besitzer zahlen aber einen hohen Preis.

Knight Capital hatte in nur einer Dreiviertelstunde einen Verlust von 440 Millionen Dollar angehäuft. dapd

Knight Capital hatte in nur einer Dreiviertelstunde einen Verlust von 440 Millionen Dollar angehäuft.

New YorkDer durch eine verheerende Computerpanne an den Abgrund geratene US-Aktienhändler Knight Capital Group kann neue Hoffnung schöpfen. Nach Informationen mehrerer mit der Situation vertrauter Personen winkt dem Wall-Street-Haus eine Geldspritze seiner Anteilseiger von 400 Millionen Dollar, die das Überleben zunächst sichern würde. Die Vereinbarung sollte demnach noch am Montag bekanntgegeben werden, damit Knight sein Geschäft wiederaufnehmen kann und kein weiteres Vertrauen bei den Kunden verspielt wird. Im vorbörslichen Geschäft brach der Kurs der Knight-Aktie jedoch um weitere 27 Prozent ein.

Das Unternehmen kauft und verkauft Aktien vornehmlich im Auftrag von Kunden, sorgt gegebenenfalls aber auch mit eigenem Kapital dafür, dass der Markt ausreichend liquide bleibt. Im Geschäft mit Kleinanlegern ist es der größte Makler, der mit an der New Yorker Börse (Nyse) und der Technologiebörse Nasdaq notierten Aktien handelt.

Knights Verhängnis begann mit einer Umstellung des eigenen Computersystems, um dieses an eine entsprechende Änderung an der Nyse anzupassen, wie aus den Kreisen verlautete. Dies geschah am Dienstag. Am Mittwoch dann setzte zu Handelsbeginn ein fataler Automatismus ein. Die Knight-Rechner überfluteten den Markt mit einer Welle unbeabsichtigter Orders für Dutzende von Aktien. Dadurch schossen manche um bis zu 100 Prozent in die Höhe. Es dauerte den Kreisen zufolge etwa 45 Minuten, bis zunächst die Ursache des Kurschaos entdeckt und dann die maschinenproduzierten Handelsaufträge gestoppt waren. Bis dahin hatte sich für Knight bereits ein Verlust von 440 Millionen Dollar aufgetürmt.

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Nach Auskunft eines Insiders sollen die Aktionäre eine Wandelanleihe über insgesamt 400 Millionen Dollar kaufen, die nach Ablauf in Vorzugsaktien umgewandelt werden können. Dazu ist ein Preis von 1,50 Dollar vorgesehen. So viel ungefähr war die Knight-Aktie an der Börse zuletzt nur noch wert. Vor der Handelsdesaster waren es noch 10,33 Dollar gewesen. Nach einer Wandlung der Anleihe in Aktien dürfte Knight zu 70 bis 75 Prozent dem Eigner-Konsortium gehören, das sich an der Rettungsaktion beteiligt, sagte ein Insider. Zu der Gruppe zählten der Finanzinvestor Blackstone, der Chicagoer Makler Getco sowie die Finanzdienstleister TD Ameritrade, Stifel Nicolas, Jefferies Group und Stephens. Alle genannten Firmen wollten sich zu Finanzhilfen nicht äußern oder waren für Stellungnahmen nicht zu erreichen.

Mit der lebenswichtigen Geldinjektion sind die Probleme von Knight aber längst nicht gelöst. Die große Frage ist: Werden die Kunden der Firma weiter vertrauen? Dazu dürfte es unerlässlich sein, dass Knight ihnen erklärt, wie es zu dem gigantischen Fauxpas überhaupt kommen konnte. Ferner könnten Aktionäre das Unternehmen auf Schadenersatz verklagen, weil der Software-Fehler den Wert ihrer Anteile zu großen Teilen vernichtet hat. Ärger droht auch von den Aufsichtsbehörden. Sie wollen prüfen, ob Knight gegen neue Regeln verstoßen hat, die den Markt vor einem aus dem Ruder laufenden Computerhandel besser schützen sollen.

Von

rtr

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