Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2016

23:33 Uhr

Nach Brexit-Referendum

British Airways wirbt mit Pfund-Crash

VonMartin Dowideit

Was haben Luftfahrtaktien und die britische Währung gemeinsam? Sie sind an der Börse in den vergangenen Tagen heftig eingebrochen. Die Fluggesellschaft British Airways versucht, aus der Not eine Tugend zu machen.

Nach Brexit-Referendum

Folge des Pfund-Crashs: Reisen nach Großbritannien werden auf einmal günstig

Nach Brexit-Referendum: Folge des Pfund-Crashs: Reisen nach Großbritannien werden auf einmal günstig

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

LondonDas britische Pfund hat schlimme Tage hinter sich. Mit Bekanntwerden der Ergebnisse des EU-Referendums in Großbritannien purzelte die Währung in der Nacht auf Freitag fast ins Bodenlose - von 1,50 Dollar auf 1,32 Dollar. Am Montag ging es sogar noch leicht unter diese Marke. Die Unsicherheit über die zukünftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union verschreckt Investoren.

Mit diesen Extras verdienen die Airlines gutes Geld

Lufthansa

Im Jahr 2014 hat die Lufthansa ihre Einnahmen aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More mehr als verdoppelt. 90 Millionen Dollar an Einnahmen standen zu Buche.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Air Asia

Air Asia bietet seinen Passagieren Wlan für weniger als drei Dollar während des Flugs an, dass für Chatprogramme wie WhatsApp benutzt werden kann.

Jetblue

Jetblue will bald neue Paketangebote vorstellen. Besonders günstig sind dabei Handgepäck-Flüge. So sollen jährlich bis zu 200 Millionen Dollar mehr eingenommen werden.

Ryanair

Billigflieger Ryanair geht davon aus, dass 25 Prozent seiner Kunden Geschäftsreisende sind. So buchen bis zu 9000 Kunden pro Tag das teurere Business-Plus-Paket.

Spirit

Spirit erzielte durch den Verkauf von zugeteilten Sitzplätzen Einnahmen von 76,2 Millionen Dollar, das entspricht im Durchschnitt 5,30 Dollar pro Passagier.

Allegiant

Im vergangenen Jahr steigerte der US-Billigflieger Allegiant seine Einnahmen durch den Verkauf von Dritt-Dienstleistungen (Hotelzimmer, Mietwagen, Hotel Shuttle Service) um 30,1 Prozent.

Volaris

Die mexikanische Billig-Airline Volaris erzielte mehr als 3,5 Millionen Euro durch Mitgliedschaften in seinem „V-Club“. Dieser bietet den Mitgliedern günstigere Flugtarife.

Tigerair

Wer schon mal am Flughafen in Singapur gestrandet ist, wird hierfür sicher Verwendung finden: Tigerair bietet mi seinem „Tigerconnect“-Programm für 18 Dollar eine Sightseeing-Tour durch die Stadt an für Kunden, die länger als acht Stunden auf ihren Anschlussflug warten müssen.

American und US Airways

Die US-Fluglinien setzten im Jahr 2014 287 Milliarden Flugmeilen für Vielflieger ab, 61 Prozent davon wurden an Mitglieder des entsprechenden Programms verkauft.

Virgin Australia

Virgin Australia verkaufte sein Vielflieger-Programm für 295 Millionen Dollar.

Auch die Aktienmärkte sind in Mitleidenschaft gezogen worden, neben Finanztiteln vor allem Fluggesellschaften. Denn das Währungstief macht Flugreisen von der britischen Insel auf das europäische Festland oder zu anderen Kontinenten für Briten schlagartig teurer. Das Papier der British-Airways-Mutter IAG sackte allein am Montag um 16 Prozent ab. Mittlerweile notiert das Papier bei 370 Pence - 150 Pence niedriger als noch vergangenen Donnerstag.

Was tun, um möglichen Buchungsrückgängen zu entgegnen? British Airways macht aus der Not eine Tugend. Beim Kurznachrichtendienst Twitter wirbt die Fluggesellschaft am späten Montagabend für Reisen nach Großbritannien. Denn die seien durch den Pfund-Crash besonders attraktiv geworden. „Ihr Dollar hat Sie nie weiter gebracht“, schreibt die Airline. „Mit unserem drei Tage gültigen Angebot können Sie noch mehr von London sehen!“

Per Link werden die Internet-Nutzer auf ein Angebot geleitet, bei dem etwa Hin- und Rückflüge von Boston oder New York nach London ab 660 Dollar angeboten werden. Eine Einschränkung gibt es allerdings. Die Kampfpreise gelten nur für Flüge ab August/September. Bis dahin könnte sich das Pfund natürlich wieder erholt haben. Für die nächsten Wochen erwarten Devisenexperten allerdings weitere Rückschläge in Richtung von 1,20 Dollar für die britische Währung.

Bereits vor dem Referendum am vergangenen Donnerstag habe der IAG-Konzern mit sinkenden Buchungsnachfragen zu kämpfen gehabt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der operative Gewinn werde auch wegen zu erwartender Folgen des Brexit-Votums und des schwankenden Marktumfelds nicht mehr so deutlich steigen wie im Jahr 2015. Am Dienstag senkte auch der Konkurrent Easyjet die Gewinnprognose, die Aktie kollabierte ebenfalls.

Der gefallene Kurs des Pfunds macht es für die britischen Gesellschaften etwa teurer, Kerosin zu kaufen, das in Dollar gehandelt wurde. Peter Morris, Chef der Beratungsfirma Ascend Flightglobal Consultancy, rechnet mit einem zehnprozentigen Rückgang der Fluggastzahlen von Großbritannien in die USA, berichtet die USA Today. In Folge dürfte die Zahl der transatlantischen Verbindungen schrumpfen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×