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01.06.2012

20:20 Uhr

Nach dem Schlecker-Aus

Kanzlerin Merkel will bei der Job-Suche helfen

Ladenschluss bei Schlecker: Die Drogeriekette macht nach dem Ausverkauf dicht, 13.762 Mitarbeiterinnen sollen noch im Juni ihre Kündigung erhalten. Bundeskanzlerin Kanzlerin Merkel kündigt ihre Unterstützung an.

Merkel sagt Schlecker-Beschäftigten Hilfe zu

Video: Merkel sagt Schlecker-Beschäftigten Hilfe zu

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Nach monatelangem Bangen ist die insolvente Drogeriekette Schlecker am Ende. Das Unternehmen wird zerschlagen, fast alle Filialen geschlossen und mehr als 13.000 Schlecker-Frauen auf die Straße gesetzt. Dies beschlossen die Gläubiger des Unternehmens am Freitag, nachdem sie das letzte verbliebene Übernahmeangebot als nicht akzeptabel zurückgewiesen hatten.

Der letzte Kaufinteressent habe finanziell und konzeptionell „keine Offerte im akzeptablen Bereich“ vorgelegt, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach der Gläubigerversammlung in Berlin. Der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen wiederum, der bereits die Kaufhaus-Kette Karstadt vor der Pleite gerettet hatte, zog sein Angebot „gestern Nacht“ zurück, wie Geiwitz während einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Berggruen forderte demnach einen großen Rabatt auf den Kaufpreis, um Kündigungsschutz-Klagen finanziell abpuffern zu können. Zudem habe er „negative“ Auswirkungen auf seine Aktivitäten in Deutschland durch womöglich unpopuläre Entscheidungen bei Schlecker gefürchtet, sagte Geiwitz.

Merkel kündigt Hilfe bei Job-Suche an

Die meisten Mitarbeiter sollen ihre Kündigungen bis Ende Juni erhalten. Geiwitz will nun Gespräche über einen Sozialplan aufnehmen. In einem Brief an die Beschäftigten appelliert er an diese, bis zum Schluss durchzuhalten. „Uns ist vollkommen klar, dass dies für Sie persönlich, wie auch Ihre Familien, eine extrem belastende Situation ist, die mit Unsicherheiten und möglicherweise auch Wut verbunden ist“, schreibt Geiwitz laut „Stuttgarter Nachrichten“. In dem Schreiben heißt es weiter: „Trotzdem möchten wir Sie eindringlich bitten, den Ausverkauf und die ordnungsgemäße Umsetzung nach Kräften zu unterstützen. Insbesondere, um die Verbindlichkeiten gegenüber den Mitarbeitern wie auch anderen Gläubigern bedienen zu können, braucht das Unternehmen auch die Erlöse aus dem Ausverkauf.“

Geiwitz warnt die Mitarbeiter davor, nach Bekanntgabe der Zerschlagung ihren Pflichten nicht mehr nachzukommen. "Zum Schutz unserer vielen loyalen Mitarbeiter müssen wir darauf hinweisen, dass Ihr Arbeitsvertrag mit all seinen Rechten und Pflichten nach wie vor Bestand hat und die Insolvenzverwaltung verpflichtet ist, jedweden Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstößen genau nachzugehen."

Verdi-Chef Frank Bsirske sprach von der „größten Insolvenz in der Geschichte“ der Bundesrepublik. Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den Beschäftigten Hilfe bei der Arbeitssuche zugesagt. „Wir werden über die Bundesagentur für Arbeit und natürlich vor allem über die regionalen Arbeitsämter sicherlich alles daran setzen, dass die Beschäftigen die Chance bekommen, schnell wieder eine Arbeit bekommen“, sagte Merkel am Freitag in Berlin.

„Ich glaube, es geht jetzt vor allem um die Menschen, insbesondere Frauen, die darauf hoffen, wieder eine Arbeit zu bekommen.“ Dabei sei im Augenblick sicherlich vieles möglich, sagte sie mit Blick auf den derzeitigen Arbeitsmarkt.

Die Kanzlerin ließ keine Bereitschaft zu einem anderweitigen Engagement der Bundesregierung für die Schlecker-Beschäftigten erkennen: „Wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis nehmen, die die Gläubiger gefällt haben.“

Kommentare (24)

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Metternich

01.06.2012, 17:47 Uhr

Vielleicht kann Sie für sich ja auch einen neuen Job finden.

Dissident

01.06.2012, 18:12 Uhr

Sehr geehrte Frau Merkel,

Sie retten halb Europa mit deutschen Steuer Milliarden.

Warum retten Sie nicht Schlecker?

Sie retten private Banken mit Milliarden.

Warum retten Sie nicht Schlecker?

Wo ist der Rettungsschirm für Schlecker?



www.wissensmanufaktur.net

www.steuerboykott.org

Alice

01.06.2012, 18:34 Uhr

Rette sich wer noch kann. Auf Frau Merkel ist kein Verlass. Viele Versprechen aber wenig Haltung. Wie ihre ganze scheinheilige Eurorettung. Wie Schlecker an die Wand gefahren wurde, so wird Frau Merkel Deutschland an die Wand fahren. Wetten?!

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