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05.04.2014

11:54 Uhr

Nach dem Streik

Alles nach Plan bei der Lufthansa

Die Piloten der Lufthansa fliegen wieder, das Unternehmen berichtet von einem planmäßigen Betrieb. Doch die Gefahr eines weiteren Ausstands bleibt, denn eine Lösung des Tarifkonflikts ist nicht in Sicht.

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Der Pilotenstreik ist beendet. Vorerst? Reuters

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Der Pilotenstreik ist beendet. Vorerst?

Frankfurt/MainNach dem dreitägigen Streik haben die Lufthansa-Piloten ihre Arbeit wieder aufgenommen. „Es läuft alles planmäßig, wir haben auch keine vereinzelten Verzögerungen“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Samstag in Frankfurt. Weltweit seien zwar 40 Flüge gestrichen worden, dies habe aber operationelle Gründe und sei bereits vor mehreren Tagen angekündigt worden.

Neben dem Frankfurter Flughafen zeigten sich unter anderem auch die Betreiber in Berlin-Tegel, München und an den mitteldeutschen Airports erleichtert über das Ende des Streiks: „Alle sind froh, dass wir wieder zum regulären Flugbetrieb zurückkehren“, sagte Tegels Flughafensprecher Lars Wagner.

Auch Frankfurts Flughafen-Betreiber Fraport vermeldete nach dem letzten Streiktag normalen Betrieb. „Der heutige Tag begann mit einem erhöhten Passagieraufkommen, vergleichbar mit einem Start in die Ferien“, sagte ein Sprecher. „Eine Situation auf die sich der Frankfurter Flughafen gut vorbereitet hatte.“

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Allerdings warnte das Unternehmen vor den Folgen eines Ausstands: „Streikmaßnahmen, damit einhergehende Flugausfälle, Bilder von im Transit festsitzenden Passagieren und enttäuschten Urlaubern schädigen unser Image.“ Komme dies häufiger vor, leide der über Jahrzehnte aufgebaute gute Ruf - „aber auch der Deutschlands insgesamt“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte.

Die Luftverkehrswirtschaft drängt auf eine baldige Lösung im Tarifstreit. „Ein Arbeitskampf wie dieser schadet nicht nur der deutschen Luftfahrt, sondern dem gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Mehrere tausend Tonnen eiliger Fracht seien liegen geblieben. Geschäfte, Taxis, Mietwagenfirmen hätten hohe Einbußen in Kauf nehmen müssen, „nur weil gut 5000 Piloten streiken“.

Die Lufthansa beklagt wegen des Ausstandes einen wirtschaftlichen Schaden in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. Eine baldige Lösung des Tarifkonflikts um Gehälter und Übergangsrenten der rund 5400 Piloten zeichnet sich zudem noch nicht ab. Ein neues Angebot hatte die Lufthansa den Piloten und ihrer Gewerkschaft Vereinigung Cockpit am Freitag nicht in Aussicht gestellt.

Von

dpa

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