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29.03.2016

19:28 Uhr

Nach den Anschlägen in Brüssel

Lufthansa streicht bis Sonntag alle Brüssel-Flüge

Eine Woche nach den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt bleibt der Brüsseler Flughafen geschlossen. Die Lufthansa streicht insgesamt 265 Flüge und auch die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines fährt Verluste ein.

Reisende warten am Schalter von Brussels Airlines in Tel Aviv, nachdem alle Flüge aus Europa nach den Anschlägen von Brüssel gecancelt wurden. AP

Brussels Airlines

Reisende warten am Schalter von Brussels Airlines in Tel Aviv, nachdem alle Flüge aus Europa nach den Anschlägen von Brüssel gecancelt wurden.

Frankfurt/BrüsselNach den Anschlägen in Belgien fliegt die Lufthansa weiterhin nicht nach Brüssel. Die Airline streiche auch von Donnerstag bis einschließlich Sonntag alle Verbindungen von und nach Brüssel, teilte ein Unternehmenssprecher am Dienstag mit.

Inklusive des Zeitraums vom 22. bis zum 30. März dürften dann bis zum 3. April insgesamt 265 Flüge aus Frankfurt und München dorthin ausfallen. Hiervon seien rund 19.600 Lufthansa-Kunden betroffen. Seit dem 24. März gibt es einen Shuttlebusverkehr des Dax-Konzerns zwischen dem Flughafen Frankfurt und Brüssel, um einen verlässlichen Transport anzubieten.

Unterdessen steigen bei der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines seit dem Anschlag auf den Heimatflughafen die Verluste. Die Schließung des Airports Brüssel vor einer Woche koste das Unternehmen am Tag fünf Millionen Euro, sagte ein Brussels-Airlines-Sprecher.

Neben den Umsatzausfällen setzten Brussels auch die Extraausgaben für die Umorganisation des Flugbetriebs zu. „Wir haben auf einen Schlag unsere Heimatbasis in Brüssel verloren.“ Im kleinen Belgien seien die Ausweichmöglichkeiten mit den Regionalflughäfen Antwerpen und Lüttich, die nun für Europaflüge genutzt werden, begrenzt.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Zudem seien vor allem Langstreckenjets an die Airports Frankfurt und Zürich verlegt worden. Die Crews müssten von Belgien eingeflogen werden. Dank der Maßnahmen könnte derzeit die Hälfte der üblicherweise 200 am Tag geplanten Flüge abheben. Insgesamt zählt Brussels 48 Maschinen, davon acht Langstrecken-Jets. Brussels steckt seit längerem in der Sanierung und schrieb voriges Jahr zwölf Millionen Euro Gewinn.

Vor einer Woche waren in der Abflughalle zwei Bomben explodiert. Der Flughafen Brüssel ist seitdem geschlossen. Der Betreiber arbeitet daran, den Terminal so schnell wie möglich wieder zu öffnen und führte deshalb am Dienstag Testläufe durch. Sollten diese erfolgreich verlaufen, könnten etwa 20 Prozent des Betriebes frühestens ab Mittwoch anlaufen, sagte eine Sprecherin des Flughafens.

Durch die Anschläge kamen mindestens 35 Menschen ums Leben. Kurz nach der Explosion am Flughafen sprengte sich in einer Metro-Station ein weiterer Selbstmordattentäter in die Luft.

Von

rtr

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