Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2015

13:19 Uhr

Nach den Terror-Anschlägen

Stille im Kaufhaus

Nach den Terroranschlägen in Paris erscheint der vorweihnachtliche Einkaufsbummel vielen Menschen als pietätlos. Darunter leiden auch die Verkäufer und Budenbesitzer. Ein Stimmungsbericht.

Schwer bewaffnete Spezialkräfte bewachen einen Weihnachtsmarkt in Paris. dpa

Weihnachtsmarkt in Paris

Schwer bewaffnete Spezialkräfte bewachen einen Weihnachtsmarkt in Paris.

ParisMarine lässt den Blick über die vollen Regale schweifen. Rouge, Lidschatten und Wimperntusche stehen sorgfältig aneinander gereiht. Die Kajalstifte sind gespitzt, bereit, die Augen einer Kundin zum Strahlen zu bringen. Doch anders als in den Jahren zuvor in der vorweihnachtlichen Zeit – eine Zeit, die Paris in ein Märchen aus Lichterketten, Prunk und Konsum verwandelt – ist das Pariser Kaufhaus Printemps leer. Statt Menschenmassen, die sich durch die Gänge schieben, steht nur Marine vor ihrem Kosmetikstand. Es sei wie in einer „Wüste“, sagt sie.

Ob Kaufhäuser, Souvenirläden, Weihnachtsmarktbuden oder kleine Boutiquen: Die Folgen der Anschläge in Paris machen sich nun auch langsam im Handel bemerkbar. Allein das Printemps zählt derzeit ein Drittel weniger Besucher als gewöhnlich.

Verkäufer wie Marine sind daher dankbar um jeden Kunden und Touristen, der „es schafft, zu kommen“, wie sie sagt.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Auch sonst ist alles anders als in den Jahren zuvor: Am Eingang des Printemps überprüfen nun Sicherheitsleute Handtaschen und Rucksäcke – seit einigen Tagen auch mit Metalldetektoren in der Hand. „Alles ist überwacht.“, sagt Marine. Viele Polizisten seien in Zivil in den Straßen unterwegs.

Auch Marines Kollegin China, die für eine französische Firma Badezimmer-Artikel verkauft, merkt, dass die Menschen nur wenig Lust auf Bummeln und Einkaufen haben. Seit den Attentaten nehme sie zwischen 100 bis 200 Euro am Tag ein, sagt sie. Davor seien es im Durchschnitt 2.000 Euro täglich gewesen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×