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25.07.2012

17:39 Uhr

Nach DHL-Paket-Stopp

Neckermann kann vorerst aufatmen

VonChristoph Schlautmann, Carina Kontio

ExklusivNachdem DHL die Auslieferung von Paketen des insolventen Versandhändlers Neckermann gestoppt hatte, war die Lage dramatisch. Vor der Neckermann-Zentrale stapelten sich die Pakete - jetzt gibt es eine Entwarnung.

Pleite: Der Versandhändler Neckermann. dpa

Pleite: Der Versandhändler Neckermann.

Frankfurt/Main, DüsseldorfBeim angeschlagenen Versandhaus Neckermann kann das Management um Henning Koopmann acht Tage nach dem Insolvenzantrag aufatmen — zumindest vorerst: „Ab morgen beginnt DHL wieder mit der Auslieferung der Pakete“, sagte Insolvenzverwalter Michael Frege dem Handelsblatt.

Es sei gelungen, mit den Lieferanten und Warenkreditversicherungen zu vereinbaren, dass die Waren an die Kunden ausgeliefert werden. Der vor der Insolvenz verursachte Stau werde in den nächsten Tagen aufgelöst. „Der Warenverkehr ist gesichert“, sagte Frege.

Der Logistikdienstleister der Deutschen Post hatte die Aussendungen am Montag eingestellt, weil der Bonner Konzern fürchtete, wegen der Pleite seines Kunden auf den Kosten sitzen zu bleiben. Im Geschäftsjahr 2010 — neuere Zahlen liegen noch nicht vor — hatte Neckermann für den Versand 113 Millionen Euro gezahlt. Hinzu kamen geschätzte 15 Millionen Euro Porto für die Katalogzustellung.

Durch den Lieferstopp wurde die Lage des einstigen Traditionsversenders noch dramatischer. Beinahe 30.000 Pakete verlassen normalerweise täglich das Gelände von Neckermann. Vor wenigen Tagen noch hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Frege versichert, Verkauf, Versand und Service würden weiter laufen. Frege versicherte: „Die Kunden können bei neckermann.de weiter einkaufen“. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) gilt für die Kunden eigentlich: Wer bestellt hat, muss auch beliefert werden.

Ratschläge für Kunden von Neckermann

Was wird aus bestellter Ware?

Neckermann gab Mitte Juli bekannt, den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu wollen - obwohl der Eigentümer dem Unternehmen weitere Zuschüsse für die Sanierung verweigert. Grundsätzlich gilt deswegen nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS): Wer bestellt hat, muss auch beliefert werden. Bei endgültiger Eröffnung einer Insolvenz sollten aber Ansprüche aus Anzahlungen oder etwa Gutscheinen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden.

Was passiert mit Vorauszahlungen und bei vereinbarten Ratenzahlungen?

Laut VZS gehen An- und Vorauszahlungen bei einer Insolvenz im schlimmsten Fall in die Konkursmasse über. Der Insolvenzverwalter kann aber entscheiden, ob solche teilweise erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Lehnt der Insolvenzverwalter dies jedoch ab, besteht für Verbraucher nur die Hoffnung, aus der Konkursmasse befriedigt zu werden. Verbraucher sind jedoch nachrangige Gläubiger. Die Chancen sind deswegen allgemein schlecht. Verbraucher, die Waren auf Raten gekauft haben, müssen weiter zahlen. Auch auf Rechnung erworbene Ware muss bei Erhalt gezahlt werden.

Welche Gewährleistung gilt für bestellte Produkte?

Grundsätzlich sind Verbraucher beim Kauf eines Produkts für zwei Jahre durch die gesetzliche Gewährleistung gegen Sachmängel geschützt. Dieser Anspruch gilt gegenüber dem Händler - also Neckermann - trotz Insolvenz. Die Pflicht erlischt laut VZS erst, wenn die Firma endgültig ihren Geschäftsbetrieb aufgibt. Gegebenenfalls kann auch während einer Insolvenz damit gerechnet werden, dass Fehler an Produkten behoben werden. Allerdings ist die Lage bei Insolvenzen von Firmen häufig unübersichtlich. Auch mit Gewährleistungsansprüchen stehen Kunden bei einer endgültigen Insolvenz ganz am Ende der Schlange der Gläubiger.

Besteht neben der Gewährleistung auch weiter Garantie?

Ja. Denn hier handelt es sich um einen Haftungsanspruch, den der Verbraucher gegenüber dem Hersteller eines Produkts hat - also nicht gegenüber dem Händler Neckermann. Hersteller geben Garantien für ihre Waren teils für viele Jahre über die gesetzliche Gewährleistung hinaus ab. Dadurch wollen sie das Vertrauen der Kunden in ihre Produkte stärken. Dieses Versprechen bleibt von der Insolvenz Neckermanns und seiner ungewissen Zukunft unberührt.

Gegenüber „Der Handel“ wollte man in der Kanzlei der vorläufigen Insolvenzverwalter zum Lieferstopp keine Stellungnahme abgeben. Man werde sich erst in der kommenden Wochen zum Neckermann-Verfahren äußern, hieß es.

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Laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ vom Dienstag stapeln sich auf dem Hof der Frankfurter Neckermann-Zentrale die Pakete. In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob es bei dem zahlungsunfähigen Versandhändler weitergeht und wie eine Sanierung ablaufen könnte. Einzelne Unternehmensbereiche wie der Möbelverkauf oder der Vertrieb von Technikprodukten gelten noch immer als profitabel. Das Geschäft mit anderen Vertriebspartnern, die ihre Produkte online über die Neckermann-Plattform anbieten, wächst nach Angaben von Logistik-Betriebsrat Thomas Schmidt sogar zweistellig.

Die Neckermann.de GmbH hatte am vor einer Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, den Geldhahn zugedreht hatte. In Deutschland stehen nach letzten Angaben des Unternehmens etwa 2.250 Jobs an den Standorten Frankfurt und Heideloh in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel.

Unklar ist noch, wie stark die Neckermann-Pleite auf andere Unternehmen abfärbt - etwa 150 kleinere Firmen, die ihre Waren als Vertriebspartner über Neckermann.de anbieten, sind von der Insolvenz betroffen. Sie befinden sich momentan in der Bredouille. Denn: Kunden, die ihre Produkte im Online-Shop kaufen, überweisen das Geld zuerst an Neckermann. Das Unternehmen sollte den Betrag dann abzüglich der Provision an seine Partner überweisen, doch dies sei seit Juni nicht mehr geschehen, so einige Firmen vor kurzem in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung.“

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Die Deutsche Post rechnet trotz der Insolvenz ihres Großkunden weiter mit guten Zahlen für dieses Jahr. „Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und prüfen entsprechende Folgen für uns im Detail“, ließ Finanzvorstand Larry Rosen mitteilen. „Den Geschäftsverlauf in 2012 sehen wir aber weiterhin ungebrochen positiv.“

Nach Berechnungen des „Handelblatts“ könnten der Post durch die Insolvenz ihres Großkunden zum Jahresende bis zu 100 Millionen Euro in der Kasse fehlen. 2005 hatte die Post die Groß- und Stückgut-Logistik der einstigen KarstadtQuelle AG übernommen, zu der damals auch Neckermann gehörte.

Kommentare (14)

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Coza

25.07.2012, 17:01 Uhr

Da sieht man mal wieder, was der Kunde wert ist: er ist nur nachrangiger Gläubiger. Vorher werden alle Banken und sonstigen Firmen bedient. Und dabei tun die Versandhäuser und auch DHL immer so, als ob der Kunde der König wäre.
Ausserdem bezahlt der Kunde ja die Versandkosten, damit sollte DHL zu ihrem Geld kommen, es wird ja nur für diesen Zweck bezahlt und kann vom Insolvenzverwalter nicht für etwas anderes abgezweigt werden.
Fazit: die Moral und die Kundenverpflichtung von DHL, Neckermann und Insolvenzverwalter sind einen Dreck wert. Bezahlen müssen nicht die Verursacher der Krise, sondern die, die dem Unternehmen Umsatz und Gewinn bringen wollen. Sie werden unverschuldet betrogen und bestraft, hier sogar von Firmen, die noch nicht pleite sind (DHL). Wo bleibt hier das Gewissen, die Verantwortung und die Empathie der DHL-Verantwortlichen für ihre Kunden?

black

25.07.2012, 17:45 Uhr

Was ist denn das für ein Kommentar? Ich kann DHL verstehen; oder wollen Sie für jemanden arbeiten; sehenden Auges vllt. gerade einmal 6% Ihrer Rechnung aus der Insolvenzmasse bezahlt zu bekommen? Da gibt es auch eine Verpflichtung der DHL für ihre Mitarbeiter.
Und natürlich: zählt Moral und "Kundenverpflichtung" nicht; da können Sie aber auch fast jede große Firma nehmen.

In welcher Welt leben Sie denn?

Mein Tip: im nächsten Leben Jura und Wirtschaft studieren und dann Top Insolvenzverwalter werden; da kommen Sie immer auf Ihre Kosten.

Coza

25.07.2012, 17:59 Uhr

DHL ist doch sicher kein nachrangiger Kunde. Und die Kunden, die etwas bei Neckermann bestellt haben, die bezahlen doch die Versandgebühren. Es dürfte für den Insolvenzverwalter nun nicht wirklich schwierig sein, die zweckgebundenen Zahlungen zu DHL umzuleiten.
Dass Gewissen und Moral heute keine Rolle mehr spielen, ist mir durchaus bekannt, das ist jedoch auch der Grund dafür, dass in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen, bei den Banken und in der Politik so vieles schief läuft. Das darf doch mal geschrieben werden. Natürlich nur für die, die es noch nicht mitbekommen haben ;-).

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