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01.09.2016

17:19 Uhr

Nach Einführung der GDS-Gebühr

Siemens bucht Flüge bei Lufthansa direkt

Flüge direkt vom Anbieter: Weil Lufthansa-Großkunde Siemens Geschäftsflüge nun direkt bei der Airline bucht, spart der Konzern einen sechsstelligen Euro-Betrag. Weitere Großkunden sollen folgen.

Weil die Lufthansa die Gebühren für internationale Reservierungssysteme nicht mehr tragen wollte, bietet der Konzern seinen Kunden nun ein eigenes Buchungssystem an – mit Siemens als einem der ersten Kunden. AFP; Files; Francois Guillot

Lufthansa-Flugzeuge

Weil die Lufthansa die Gebühren für internationale Reservierungssysteme nicht mehr tragen wollte, bietet der Konzern seinen Kunden nun ein eigenes Buchungssystem an – mit Siemens als einem der ersten Kunden.

FrankfurtEin Jahr nach Einführung der umstrittenen GDS-Gebühr hat die Lufthansa ihr eigenes Buchungssystem für Großkunden vorgestellt. Mit den möglichen Direktbuchungen spare der erste Großkunde Siemens einen mittleren sechsstelligen Euro-Betrag, teilte Europas größter Luftverkehrskonzern am Donnerstag in Frankfurt mit.

Hierbei entfallen die im September 2015 eingeführten Extra-Gebühren für Buchungen über globale Reservierungssysteme (GDS), mit denen Lufthansa im vergangenen Jahr für Empörung in der Reisebranche gesorgt hatte. Mit dieser Gebühr waren zunächst die Flugtickets auch für Geschäftskunden um jeweils 16 Euro teurer geworden, weil Lufthansa nicht mehr bereit war, aus ihrer Marge die Gebühren der GDS-Anbieter abzudecken.

Anders als Privatleute konnten Geschäftskunden aber nicht ohne weiteres auf GDS-freie Buchungen über die Lufthansa-Websites ausweichen. Dort waren zahlreiche Business-Services wie die Abrechnung und die Berücksichtigung von Rahmenverträgen und Reiserichtlinien der Kunden nicht enthalten. Lufthansa hatte ihren Großkunden daher ein neues, direktes Buchungssystem versprochen.

Mit dem Kooperationspartner Siemens liefen seit März die Tests und seit dem 1. August ist das System komplett im Betrieb. Mit weiteren Großkunden sei man in Gesprächen, sagte ein Unternehmenssprecher. Buchbar sind laut Mitteilung Tickets der Konzerngesellschaften Lufthansa, Swiss, Austrian und Brussels Airlines, nicht aber der Billigtochter Eurowings.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Von

dpa

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