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08.10.2013

17:55 Uhr

Nach Filialschließung

Verdi fürchtet die Zerschlagung von Karstadt

In Stuttgart könnte eine Karstadt-Filiale wegen Millionenverlusten geschlossen werden. Das nährt die Befürchtungen der Gewerkschaft Verdi. Sie fordert Zusagen, dass der kriselnde Warenhausriese nicht zerschlagen wird.

Die Gewerkschaft Verdi will klare Aussagen zur Zukunft von Karstadt. dpa

Die Gewerkschaft Verdi will klare Aussagen zur Zukunft von Karstadt.

DüsseldorfDer angeschlagene Warenhausriese Karstadt stellt einzelne Filialen auf den Prüfstand. „Karstadt evaluiert sein Filial-Portfolio in Deutschland permanent“, teilte der Konzern am Dienstagabend mit und reagierte damit auf einen Medienbericht, wonach Karstadt sein Warenhaus in Stuttgart schließen wolle. Das Management habe aber aktuell noch „keine Entscheidung getroffen, irgendeine Filiale zu schließen“, hieß es weiter. Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor erneut Zusagen der Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen und Rene Benko gefordert, dass der kriselnde Warenhausriese nicht zerschlagen wird.

Karstadt überprüfe laufend das Filial-Netz, um Produktivität und Profitabilität zu erhöhen, erklärte ein Karstadt-Sprecher weiter: „Dies ist Teil unserer Strategie.“ Das Branchen-Magazin „TextilWirtschaft“ hatte zuvor berichtet, das Karstadt-Flaggschiff in Stuttgart solle komplett geschlossen werden. Immobilienspezialisten würden bereits die Neuentwicklung des defizitären Warenhauses in ein Geschäftshaus mit mehreren Mietern planen. Die Warenhaus-Immobilie in Stuttgart gehöre dem Immobilienkonzern Signa des österreichischen Investors Rene Benko.

Signa hatte 2012 für mehr als 1,1 Milliarden Euro die Immobilien von 17 Karstadt-Warenhäusern erworben. Im September kündigte Benko dann die Übernahme der Mehrheit auch des operativen Geschäfts der Luxus-Warenhäuser, zu denen etwa das ertragreiche KaDeWe in Berlin gehört, sowie der Mehrheit an Karstadt-Sport an. Die übrigen Warenhäuser gehören weiter dem Milliardär Nicolas Berggruen. Im Gegenzug fließen aus den Signa-Kassen 300 Millionen Euro, die in die gesamte Gruppe investiert werden sollen - also auch in Benkos Eigentum.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Verdi fürchtet die Zerschlagung Karstadts und verhandelt mit dem Management. „Wir brauchen klare Aussagen Bernkos und Berggruens zur Zukunft der ganzen Karstadt-Gruppe“, hatte Verdi-Verhandlungsleiter Arno Peukes erst am Nachmittag nach einer neuen Gesprächsrunde mit Karstadt-Managern gesagt. Die Gewerkschaft will dabei in erster Linie Zusicherungen erhalten, dass der Warenhausriese als Ganzes mit allen Standorten und Beschäftigten erhalten wird. Zudem geht es um eine Rückkehr Karstadts zum Flächentarifvertrag - das Management hatte eine „Tarifpause“ bis 2016 verkündet, um sich künftige millionenschwere Lohnerhöhungen für zu sparen. Die Gespräche mit dem Karstadt-Management sollen nun vom 11. bis zum 14. November fortgesetzt werden, sagte Peukes. „Notfalls müssen wir unsere Forderungen durch Aktionen bekräftigen“, kündigte Verdi an.

Die rund 20.000 Beschäftigten fürchteten um die Zukunft des Kaufhof -Konkurrenten Karstadt, beklagte Verdi. Es fehlten zentrale Informationen über die Pläne Benkos und Berggruens, sagte Peukes. Das Management habe sich in den Gesprächen auch nicht zur Zukunft der Stuttgarter Karstadt-Filiale mit rund 500 Beschäftigten und knapp 20.000 Quadratmetern Einkaufsfläche geäußert.

Kaufhauskonzern: Karstadt-Tarifgespräche bleiben vorerst ergebnislos

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Karstadt-Tarifgespräche bleiben vorerst ergebnislos

Verdi will die Zerschlagung Karstadts verhindern – und fordert eine Bestandserklärung von den Eignern Berggruen und Benko. Bislang wurde noch nicht darüber verhandelt. Auch über die „Tarifpause“ gibt es weiter Streit.

Karstadt segelt in unruhigem Fahrwasser. Der zum Jahresende ausscheidende Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte dem Warenhausriesen etwa bescheinigt, bei seiner Sanierung noch nicht über den Berg zu sein. Die Wegstrecke, die Karstadt vor sich habe, sei „weiter herausfordernd“, bilanzierte Jennings Anfang September. Karstadt hatte sich zur Sanierung einen Umbau verordnet, dabei wurden auch 2000 Stellen abgebaut. Der Einstieg Benkos ins operative Geschäft hatte auch Spekulationen über eine „Warenhaus-Union“ neu befeuert. Benko hatte wie auch Berggruen bereits erfolglos versucht, die Metro -Tochter Kaufhof zu übernehmen. Metro-Chef Olaf Koch hatte dem Kaufhof jüngst eine Wertsteigerung bescheinigt und erneut signalisiert, dass die Kette wohl nicht auf Dauer unter dem Metro-Dach bleiben werde.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Aristoteles

08.10.2013, 17:10 Uhr

Tja Verdi-Leute, dumm gelaufen! Das hättet Ihr mal ganz zu Anfang fordern sollen, statt zusammen mit Frau vdL dem Herrn Berggruen das alles für Null ins (für B!) goldene Nest zu legen. Echte Arbeitnehmervertretung sieht anders aus.

exbaumalocher44

08.10.2013, 17:42 Uhr

...haben Sie schon mal in Karstadt Kaufhäuser reingeschaut, wenn das Personal mal nicht wieder an der VERDI Streik-Leine hing?? Lustloser ging es nicht !!!!!

Reflechir

09.10.2013, 15:13 Uhr

Das Haus Stuttgart ist erst der Anfang. Die Warenhäuser rechnen sich grundsätzlich nur mit starkem Textilangebot, viele andere Sortimente sind seit Jahren in Fachmarktstrukturen "abgewandert". Dass Karstadt in Stuttgart aber im Textilbereich nicht gegen Breuninger konkurrieren kann, dürfte klar sein, aussichtslos. Die Immobilie also in eine Mall-artige Struktur umzuwidmen macht absolut Sinn. Genau dieses Konzept dürfte für einige weitere Standorte von Karstadt relevant sein. Insofern dürfte der Name Karstadt aus mehr und mehr Städten verschwinden.

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