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10.05.2012

16:54 Uhr

Nach Flughafen-Pleite

Mehdorn will Nachtflugverbot in Tegel lockern

Das Nachtflugverbot am Flughafen Tegel soll verkürzt werden, fordert Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. Nach der geplatzten Eröffnung des Flughafens Schönefeld versucht die Airline, ihre Flüge nach Tegel zu verlagern.

Air-Berlin-Chef Mehdorn muss um seinen Sommerflugplan zittern. Reuters

Air-Berlin-Chef Mehdorn muss um seinen Sommerflugplan zittern.

BerlinNach dem Debakel um die Eröffnung des Hauptstadtflughafens kommen auf die Anwohner des Berliner Airports Tegel möglicherweise noch größere Belastungen zu. Air Berlin als wichtigster Kunde drängt darauf, das Nachtflugverbot am Flughafen Tegel einzuschränken. Es solle nur noch von Mitternacht bis 5.00 Uhr gelten - so wie es auch am neuen Flughafen geplant ist.

Inzwischen fordert der erste Politiker, Tegel nicht, wie zunächst geplant, zu schließen, sondern dauerhaft offen zu lassen. „Wenn sich die Rahmenbedingungen für den neuen Flughafen insbesondere hinsichtlich der Kapazitäten dauerhaft grundsätzlich verändern, sollte darüber nachgedacht werden den Flughafen Tegel nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft offen zu halten“, sagte der Wirtschaftsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Frank Steffel, Handelsblatt Online. „Nach dem Planungs- und Bau-Chaos darf es jetzt nicht auch noch ein Betriebs-Chaos geben.“ Den Verantwortlichen riet der CDU-Politiker, durch Ehrlichkeit und Transparenz Vertrauen zurückzugewinnen.  „Das Ziel muss die optimale Anbindung der Region Berlin-Brandenburg sowie die Stärkung des Wirtschaftsstandortes sein“, sagte Steffel.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann plädiert für die Tegel-Variante, allerdings sieht er darin keine dauerhafte Lösung. „Tegel muss natürlich offen bleiben, bis zum gesicherten Start von BBI“, sagte Wellmann Handelsblatt Online. Er sei aber „skeptisch, ob Tegel auch danach genutzt werden kann“. Das habe rechtliche, aber auch betriebliche Gründe, gab Wellmann zu bedenken, weil Umsteigeverkehre wegen der fehlenden Nahverkehrsanbindung nicht möglich seien. „Die Chancen wurden damals bei Tempelhof verpasst“, fügte er hinzu. Diesen Flughafen hätte man aus seiner Sicht für Geschäftsflieger und die Flugbereitschaft erhalten müssen.

Großflughafen BER in Zahlen

Der Bau

Mit der Eröffnung des neuen Flughafens wird der gesamte Luftverkehr der Hauptstadtregion im Südosten Berlins am Standort des alten Flughafens Schönefeld konzentriert. Baubeginn war am 5. September 2006. Seitdem wird im märkischen Sand gebuddelt. Immer noch sind tagtäglich 5.000 Bauarbeiter mit den abschließenden Arbeiten auf der Baustelle beschäftigt.

Der Umzug

Für den 2. Juni war die Umzugsnacht geplant – eine große logistische Herausforderung: dann sollten ursprünglich die bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld geschlossen werden – alles Gerät sollte innerhalb weniger Stunden zum neuen Flughafen gebracht, die Autobahn wird für die 600 LKW-Fahrten einseitig gesperrt. Am Morgen des 3. Juni sollte von hier aus die erste Maschine starten.

Die Infrastruktur

Der neue Flughafen wird über einen sechsgleisigen Bahnhof mit drei Bahnsteigen direkt unter dem Terminalverfügen. Der Airport Express fährt alle 15 Minuten vom Hauptbahnhof zum BER. Fahrtzeit:30 Minuten. Die S-Bahn verkehrt im 10-Minuten-Takt. Für Autofahrerstehen 10.000 Parkplätze zur Verfügung.

Das Terminal

Das Terminal bietet mit seinen sechs Geschossebenen zunächst für bis zu 27 Millionen Passagieren im Jahr Platz. Dem Terminal vorgelagert ist der 715 Meter lange Hauptpier, ergänzt durch ein 350 Meter langes Nord-Pier und ein 350 Meterlanges Süd-Pier: Das heißt, der Passagier hat von der Sicherheitskontrolle aus längstens 700 Meter zu seinem Abflug-Gate zu laufen.

(Autorin: Silke Kersting)

Die Landesregierungen Berlins und Brandenburgs stehen derweil unter Druck. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), auch Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, wollte am Nachmittag im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgeben, warum die Eröffnung zum zweiten Mal verschoben werden musste. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will eine Regierungserklärung abgeben - bei einer Sondersitzung des Landtags am 21. Mai.

Die kurzfristige Absage der Eröffnung am 3. Juni könnte auch ein Fall für die Rechnungshöfe werden. So ließe sich prüfen, wie sich der Aufsichtsrat von der Geschäftsführung über das Flughafen-Projekt informieren ließ, sagte der Präsident des Landesrechnungshofes Brandenburg, Thomas Apelt.

Geplatzt war die Eröffnung laut Betreiber, weil die Brandschutzanlage noch nicht reif für die Abnahme durch die Behörden sei. Das Zusammenspiel der Komponenten funktioniere noch nicht einwandfrei. Der TÜV Rheinland hat nach Informationen des „Berliner Kuriers“ (Donnerstag) und der „VDI nachrichten“ bislang noch nicht einmal einen Termin, die Brandschutzanlage am Hauptstadtflughafen zu prüfen. Demnach ist die Anlage baulich noch nicht fertig. Ohne die TÜV-Testate kann der Landkreis Dahme-Spree die Anlage nicht abnehmen.

Die Fluggesellschaften arbeiten nun daran, ihr größeres Angebot am überlasteten Flughafen Tegel unterzubringen. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an Flughafenchef Rainer Schwarz: „Schon heute bitten wir Sie dringend zu prüfen, für diese Übergangsphase bei der Verlängerung von Tegel die Öffnungszeiten des Flughafens morgens und abends um je eine Stunde zu verlängern.“ So könne die Drehkreuzstruktur für Umsteigeverbindungen ordnungsgemäß abgewickelt werden, heißt es in dem auf den 9. Mai datierten Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Einen neuen Eröffnungstermin gibt es noch nicht. Wowereit und Platzeck hatten am Dienstag gefordert, dass noch im August die ersten Maschinen vom Großflughafen abheben. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mahnte am Donnerstag: „Es geht um einen realistischen und umsetzbaren Termin.“ Flughafen-Chef Schwarz sprach sich gegen politisch gewünschte Termine aus, die technisch nicht machbar seien.

Neue Runde im Flughafen-Desaster

Video: Neue Runde im Flughafen-Desaster

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Kommentare (7)

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plappergeno

10.05.2012, 16:10 Uhr

solange mehdorn mit jedem flug verluste,die sich gewaschen haben ,einfliegt,sollte er mal die klappe halten und seinen vorstandspflichten nachkommen,um mit seiner kapitalvernichtenden fluglinie den schaden seiner kapitalgeber abzumildern.

der kann kann doch nicht bei feuer unterm dach nach wasser für die erdbeeren rufen,so was geht nur bei staatsbetrieben.

weichmut mähdorn schweig und arbeite....

Numismatiker

10.05.2012, 16:36 Uhr

Lockerung des Nachtflugverbots in Tegel?

Kann Mehdorn haben, wenn er gleichzeitig auch in der Nähe des Flughafens übernachtet (selbstverständlich ohne Isolierscheiben in der Wohnung). Fluglärm (besonders nachts) macht krank!

MUC

10.05.2012, 16:40 Uhr

als vor Jahren der Bau des Flughafens beschlossen wurde hat angesichts der in Berlin vorhandenen Kompetenzen wohl niemand damit gerechnet, dass das Projekt mit den Kosten und der Zeit auskommt. Wir dürfen uns nicht wundern wenn inkompetente Politiker als Entscheidungsträger fungieren, deren Interesse vor allem daran liegt die eigene Person zu profilien.

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