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07.04.2015

03:54 Uhr

Nach Germanwings-Absturz

Fliegerärzte fordern strengere Untersuchungen

Wie häufig und mit welchen Tests sollen Piloten medizinisch untersucht werden? Der Verband der Fliegerärzte fordert nach dem Germanwings-Absturz eine Ausweitung der Gutachten auf Psychopharmaka.

Der Fliegerarztverband fordert strengere Untersuchungen von Piloten. Der Verband wünscht sich einen Test, mit dem der Konsum von Psychopharmaka und Drogen nachgewiesen werden kann. dpa

Der Fliegerarztverband fordert strengere Untersuchungen von Piloten. Der Verband wünscht sich einen Test, mit dem der Konsum von Psychopharmaka und Drogen nachgewiesen werden kann.

BerlinNach dem Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten hat sich der Deutsche Fliegerarztverband für strengere Untersuchungen für Piloten von Passagierflugzeugen ausgesprochen. „Wir fordern häufigere und gründlichere Laboruntersuchungen für Piloten“, sagte Verbandspräsident Hans-Werner Teichmüller der Zeitung „Die Welt“ (Dienstag). Es müsse ein Befund her, mit dem auch der Konsum von Psychopharmaka und Drogen nachgewiesen werden könne. Dem Zeitungsbericht zufolge geht der Interessenverband der flugmedizinischen Sachverständigen mit seiner Forderung weit über die bisherige Praxis hinaus.

Ärztepräsident Frank Montgomery wies unterdessen Überlegungen zurück, die ärztliche Schweigepflicht zu lockern. „Kritische Reflexion ist immer sinnvoll. Wir haben aber eher Probleme mit einem zu laxen Umgang mit der Schweigepflicht“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Häufig würden Krankenhäuser nach dem Tod eines Menschen seine Akten herausgeben, obwohl das verboten sei.

Seit dem Absturz des Flugzeugs am 24. März wird über medizinische Untersuchungen für Piloten und eine mögliche Lockerung der Schweigepflicht debattiert. Der Copilot soll den Kapitän ausgesperrt und die Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen absichtlich in den Sinkflug gebracht haben. Bei der Katastrophe war der Copilot krankgeschrieben, was er jedoch anscheinend verheimlichte. Was er hatte, ist nicht bekannt.

Nach früheren Lufthansa-Angaben hatte Andreas L. „ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1“. Als Flugschüler habe er 2009 seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert.

Die Betreuung von Angehörigen der Opfer soll derweil gesichert bleiben, wie die zuständige Präfektur des Départements Alpes-de-Haute-Provence mitteilte. Am Einsatzzentrum der Bergungskräfte in Seyne-les-Alpes stehe nahe dem Rathaus ein Rückzugsraum zur Besinnung zur Verfügung. Dort sei vier Stunden täglich eine psychologische Betreuung im Einsatz. Die provisorische Gedenkstätte in Le Vernet in der Nähe der Absturzstelle soll für Angehörige weiter zugänglich, ansonsten aber abgesperrt bleiben.

Der Fliegerarztverband ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von deutschen Fliegerärzten. Diese untersuchen demnach Piloten, fliegendes Personal in Cockpit und Kabine sowie Fluglotsen auf die gesundheitliche Tauglichkeit für ihre Tätigkeit

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Andreas Glöckner

08.04.2015, 16:57 Uhr

Eine Verschärfung der Kontrollen halte ich für unangemessen. Denn der soziale und hier der psychologische Druck auf die Piloten wird von den Piloten mit Psychopharmaka und Drogen kompensiert. Ursächlich für den Gebrauch von schmerzlindernden Mitteln ist zunächst das soziale Umfeld. Warum hier mit stärkeren Kontrollen reagiert werden, erschliesst sich einem erst aus dem Hintergrund des Leistungsdruck in der Luftfahrtbranche. Der Weg hin zu moderaten Arbeitsbedingung kann also nur verschrankt sein, denn er ist das absolute Gegenteil von dem, was eine verstärkte Kontrolle bedeutet. Offenbar dürfen selbst die Mediziner in der Luftfahrbranche kein Wort über die belastenden, teils vergifteten (physisch) Arbeitsbedingungen verlieren. Bleibt also auch denen, die objektiv begutachten sollen, nur noch der Weg zur Beschuldigung des Cockpitpersonals. Eigentlich sind diese Ärzte da, um festzustellen woher die psychischen Erkrankungen kommen. Aber angesichts mangelnden Personals in einer wachsenden Branche, bleibt also auch ihnen nur der Ausflucht zur Beschuldigung der falschen.

Ganz ehrlich? Wenn die Luftfahrtbranche Geld sparen will, dann sollte sie ihre medizinischen Einrichtungen schließen. Denn auf die scheint ohnehin keiner zu hören. Rausgeworfenes Geld ? - Eines steht für mich jetzt eigentlich fest. Eine Verschärfung der Kontrollen kann nur richtig sein. Aber bitte kontrolliert nicht immer die falschen. Schaut mal in den Führungsetagen nach und überlegt, ob dass nicht krankhaft ist, was da gefordert wird.

Eine ärztliche Schweigepflicht kann angesichts der zahlreichen Statistiken über Erkrankungen in unserer Gesellschaft gar nicht bestehen. Im Internet finden sich Angaben, die die Häufigkeit von Erkrankungen beschreiben. Die Pharmabranche verdient gut und die Krankenkassen haben kein Geld. An der ärztlichen Schweigepflicht, muss nichts verändert werden. Die ist nämlich längst ausgehölt.

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