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30.10.2012

11:19 Uhr

Nach Gewinneinbruch

Metro muss Kraftreserven mobilisieren

Deutschlands größtem Handelskonzern Metro brechen nach Dax-Fiasko die Gewinne weg. Der Konzern kämpft zudem mit der Flaute in Südeuropa. Metro-Chef Olaf Koch muss jetzt den Umbau in der „zweiten Liga“ vorantreiben.

Nach einem turbulenten Jahr mit Führungskrise und Gewinneinbruch sowie dem gestoppten Kaufhof-Verkauf muss Metro-Chef Olaf Koch den Umbau des Konzerns vorantreiben. dpa

Nach einem turbulenten Jahr mit Führungskrise und Gewinneinbruch sowie dem gestoppten Kaufhof-Verkauf muss Metro-Chef Olaf Koch den Umbau des Konzerns vorantreiben.

Düsseldorf
Seit dem Abstieg aus dem Dax versucht Metro-Chef Olaf Koch bei Deutschlands größtem Handelskonzern die Wende zum Besseren einzuläuten. Erhobenen Hauptes, so Koch, „gehen wir in die zweite Liga“. Inzwischen sind einige Wochen vergangen, doch Gründe für Optimismus hat es noch nicht gegeben.

Diesmal ist es das dritte Quartal mit einem Gewinneinbruch, dass die Metro in Atmen hält. Vor allem bei den Großmärkten und Europas größter Elektrohandelskette Media-Saturn brachen die Erträge ein. Und auch die Konsumschwäche in den Krisenländern Südeuropas macht dem Düsseldorfer Konzern zu schaffen.

Olaf Koch, der den Umbau des Handelskonzerns vorantreiben muss, spricht von einer „herausfordernden konjunkturellen Lage“. Bei einem leicht auf 15,9 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz schrumpfte der operative Gewinn (Ebit) im dritten Quartal deutlich auf 346 (Vorjahr: 563) Millionen Euro, teilt der Konzern am Dienstag mit.

Die größten Einzelhändler der Welt

Platz 10

Best Buy (USA)

Das US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 50,27 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2010 über einen Umsatz von 67,42 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 68 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 77,95 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2010 gigantisch aus.

Platz 6

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2010 setzte der Lebensmittelhändler 82,19 Milliarden Dollar um.

Platz 5

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 89,08 Dollar im Jahr 2010 ebenfalls einen Spitzenplatz.

Platz 4

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit betreiben die Briten 5390 Supermärkte Großbritannien 94,185 4,104 384.389 Einzelhandel Philip Clarke

Platz 3

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Die Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2010 rund 96,4 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit 471.755 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2010 einen Umsatz von 120,3 Milliarden Dollar. Nur ein Einzelhändler setzte mehr um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 421,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2010 um - bei einem Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern 2,1 Millionen Angestellte.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn nach Anteilen Dritter von 77 (190) Millionen Euro - im Vorjahr hatten noch umfangreiche Verkäufe von Immobilien den Gewinn in die Höhe getrieben. Die Ertragszahlen blieben damit unter den Erwartungen des Marktes. Von Reuters befragte Analysten hatten bei einem Umsatz von 15,9 Milliarden Euro ein Ebit von 423 Millionen Euro und einen Überschuss von 162 Millionen Euro erwartet.

Ist Media Markt teurer oder billiger?

Der Preisvergleich

"Wir sind doch nicht blöd!" lautet der Werbespruch. Aber blöd ist tatsächlich, wer beim Kauf von Elektrogeräten nur bei Media Markt sucht und sich nicht im Internet umschaut. Die folgenden Beispiele zeigen, wo Media Markt billiger ist - und wo teurer...

Media Markt teurer: Digitalkamera

Produkt: Samsung PL210

Preis Media Markt:99,-

Günstigster Online-Anbieter: 75,50

Unterschied (in Prozent): 23,7

Media Markt teurer: Festplattenrekorder

Produkt:Humax iCord Cable

Preis Media Markt: 379

Günstigster Online-Anbieter: 322,66

Unterschied (in Prozent): 14,9

Media Markt teurer: Fernseher

Produkt: Toshiba 37 SL 833G

Preis Media Markt: 499,-

Günstigster Online-Anbieter: 435,-

Unterschied (in Prozent): 12,8

Media Markt teurer: Smartphone

Produkt: LG P990 Optimus Speed

Preis Media Markt: 329,-

Günstigster Online-Anbieter: 302,40

Unterschied (in Prozent):8,1

Media Markt teurer: Computer

Produkt:HP Pavillion p6-2037de

Preis Media Markt: 649,-

Günstigster Online-Anbieter: 599,-

Unterschied (in Prozent): 7,7

Media Markt teurer: PC-Monitor

Produkt: Samsung S22 A300B LES 22

Preis Media Markt: 139,-

Günstigster Online-Anbieter: 129,99

Unterschied (in Prozent): 6,5

Media Markt teurer: Waschmaschine

Produkt: Siemens WM 14 S 750

Preis Media Markt: 648,-

Günstigster Online-Anbieter: 623,93

Unterschied (in Prozent): 3,7

Media Markt teurer: Spülmaschine

Produkt: Siemens SE 24 M 262 EU

Preis Media Markt: 368,-

Günstigster Online-Anbieter:359,-

Unterschied (in Prozent): 2,4

Media Markt teurer: Playstation

Produkt: PS3 Move Super-Sparpaket

Preis Media Markt: 299,-

Günstigster Online-Anbieter: 293,78

Unterschied (in Prozent): 1,7

Media Markt teurer: Staubsauger

Produkt:Siemens VSZ 6 XTRM 11

Preis Media Markt: 169,-

Günstigster Online-Anbieter: 166,29

Unterschied (in Prozent): 1,6

Media Markt billiger: PC-Monitor

Produkt: Philips 247 E3 LPHSU 24

Preis Media Markt: 159,-

Günstigster Online-Anbieter: 188,69

Unterschied (in Prozent): 18,7

Media Markt billiger: Kaffeemaschine

Produkt: Bosch TAS 4211

Preis Media Markt: 79,-

Günstigster Online-Anbieter: 88,99

Unterschied (in Prozent): 12,6

Media Markt billiger: Externe Festplatte

Produkt: Seagate Expansion Portable 1 TB

Preis Media Markt: 66,-

Günstigster Online-Anbieter: 70,98

Unterschied (in Prozent): 7,5

Media Markt billiger: Schnurlos-Telefon

Produkt: Philips CD 1863B

Preis Media Markt: 65,-

Günstigster Online-Anbieter: 68,75

Unterschied (in Prozent): 5,8

Media Markt billiger: Fernseher

Produkt: Samsung UE D 6200 TSXZG 40

Preis Media Markt: 649,-

Günstigster Online-Anbieter: 657,95

Unterschied (in Prozent): 1,4

Koch amtiert erst seit Jahresbeginn und hatte erst Anfang Oktober seine Gewinnziele für 2012 zusammenstreichen müssen. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet er nun noch mit einem operativen Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren von rund zwei Milliarden Euro - weniger als noch 2011.

Koch will mit mehr Service und niedrigeren Preisen mehr Kunden in die Großmärkte des Konzerns, in seine Kaufhof- und Real-Filialen sowie zu Media Markt und Saturn locken. Doch die Kampfpreise und die Kosten für Umbau und Service-Offensive lasten auch auf den Margen. Bei den Großmärkten sank das Ebit vor Sonderfaktoren im Quartal um 39 Millionen Euro auf 237 Millionen Euro, bei Media-Saturn schrumpfte es um 68 Millionen Euro auf 73 Millionen Euro. Das Ziel, den Umsatz gegenüber 2011 zu steigern, bekräftigte Koch erneut.

Die Vermarktungstricks von Media Markt

Regalplatz für hochauflösende Fernsehgeräte

Regalplatz für hochauflösende Fernsehgeräte: Hersteller zahlen Pauschalen von bis zu 60.000 Euro*, damit Media Markt sie ins Sortiment aufnimmt

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Werbelogos von Elektronikmarken an den Wänden

Werbelogos von Top- Elektronikmarken an den Wänden: Unternehmen zahlen bis zu 5000 Euro* pro Fläche

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Internetecke

Promotionsagentur MV Group steht im Verdacht auf Schmiergeldzahlungen an Media-Markt-Manager in Höhe von 3,6 Millionen Euro

Promotionsinsel für Mobilfunk

Geheime, möglicherweise wettbewerbswidrige Vertragsklausel mit Debitel sicherte Media Markt offenbar eine Erfolgsbeteiligung in Millionenhöhe zu

Palettenplätze für Lockangebote an von Kunden stark frequentierten Durchgängen

Für solche Sonderaktionen zahlen Hersteller bis zu 40.000 Euro*

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Trittspuren auf dem Fußboden, die zu einem Produkt mit einem „guten Preis“ führen

Hersteller dürften dafür bis zu 20.000 Euro* als Werbekostenzuschuss zahlen.

* eigene Recherchen und Schätzungen auf Basis von Zahlenangaben aus mindestens einer Media-Markt-Filiale

Um sich etwas mehr finanziellen Spielraum zu verschaffen, könnte der Metro-Chef demnächst sein Sorgenkind Real verkaufen. Entsprechende Gesprächen laufen laut Insidern schon länger mit "einer Handvoll Interessenten". Das betrifft vor allem das Real-Geschäft in Osteuropa und der Türkei, wo die Supermarktkette 108 Filialen betreibt. In Deutschland sind es 312 Standorte.

Die Düsseldorfer hatten Real bereits vor Jahren zur Disposition gestellt, haben aber immer alle Optionen offen gelassen, die neben einem Verkauf und einem Teilverkauf auch einen Verbleib unter dem Dach der Metro umfassten.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte das internationale Geschäft oder Teile davon bis Ende des Jahres zu Geld gemacht werden, hieß es kürzlich in einem Bericht der Wirtschaftswoche (Wiwo). Zuletzt stand der internationale Bereich für rund drei Milliarden Euro Jahresumsatz; in Deutschland kommt Real auf 8,3 Milliarden Umsatz. Damit würde Koch auch Risiken reduzieren, denn die Goldgräberzeiten in Osteuropa sind laut Handelsexperten vorbei. Das liegt zum einen an der demografischen Entwicklung, zum anderen aber auch an der zunehmenden Wettbewerbsintensität, so Boris Planer vom Frankfurter Handelsinformationsdienst Planet Retail gegenüber der Wiwo.

Auch die Euro-Krise dürfte Mittel- und Osteuropa noch eine Weile in der Zange haben – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das Nonfood-Geschäft bei Real. „Reals Osteuropa-Geschäft zu verkaufen, um die Kriegskasse zu füllen, wäre nicht die schlechteste Idee“, urteilte Planer.

Auch Wettbewerber Carrefour hatte für das dritte Quartal ein leichtes Umsatzplus vermeldet - und ebenfalls eine weitere Schwäche der Märkte in Italien und Spanien beklagt. Metro musste von Juli bis September in Deutschland ein leichtes Umsatzminus hinnehmen, in den Ländern Westeuropas schrumpften die Erlöse indes deutlich um 5,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.

In Osteuropa und Asien konnte Metro dagegen zulegen. Auch für den Rest des Jahres erwartet der Konzern, dass Rekordarbeitslosigkeit und Sparpakete der Regierungen in den Krisenländern Südeuropas die Konsumausgaben dort „erheblich belasten“.

Kommentare (4)

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Bernd

30.10.2012, 09:14 Uhr

wie wollen die auf 2 miliarden EBIT kommen, im ersten Halbjahr haben die Verluste auf alle Vertriebslinien gemacht, jetzt in Q3 ein EBIT von 346 k EUR?
Bleibt der Rest in Q4 zu realisieren?
Das wird leider nicht der Fall sein, dass sie so viel aufhollen können, Metro ist doch keine Wintermarke.
Sie gehören jetzt richtig in MDAX, denn die langjährigen krassen Managementfehler durften nicht unbestraft sein

Account gelöscht!

30.10.2012, 11:25 Uhr

Warum dieser Riesenladen keine Gewinne mehr haben wird, ist jedem klar, der als "Privilegierter" dort einkaufen "darf".

Warteschlangen am Eingang zur Ausweiskontrolle(!), mißgelauntes Personal, das sich vor jedem potentiell fragenden Kunden rechtzeitig und erfolgreich abduckt,
Warteschlangen vor den Zentralkassen etc.

Von dem überkandidelten Sortiment gar nicht zu reden, wo viele Lebensmittel an der Grenze ihrer Haltbarkeit stehen etc.

Ich kaufe dort nicht mehr ein.

Bitschieber

30.10.2012, 17:41 Uhr

Ich habe die METRO-Grosshandelssparte über 20 Jahre von "Innen"
erlebt.Geführt von Nichthandelsfachleuten,Karrieristen, hat diese Sparte solange einigermaßen überlebt, weil auf der untersten Ebene
der Hierarchiepyramide versucht wurde , an der Ignoranz von Oben vorbei, ein normales Geschäft durchzuführen - ein Versuch der oftmals zum Scheitern verurteilt war, weil auf die, die den täglichen
Kundenkontakt hatten, nicht gehört wurde.
Wenn Mitarbeiter nach Feierabend, trotz Mitarbeiterrabatt lieber bei
Mitbewerbern einkaufen gehen,dann zeigt das ganz deutlich, das im Unternehmen etwas nicht stimmt.
Der jetzige Zustand ist also durchaus nicht der "Krise" geschuldet,
sondern hausgemacht.

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