Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.09.2015

19:36 Uhr

Nach juristischen Niederlagen

Uber probt die Charmeoffensive

Uber gilt von Beginn an als Rotes Tuch für die Taxibranche. Und das nicht ganz ohne eigenes Zutun. Der neue Chef von Uber Deutschland unternimmt nun eine Kehrtwende – und schlägt überraschend partnerschaftliche Töne an.

Uber präsentiert sich künftig als Partner der Taxifahrer und will ihnen etwa mit UberTaxi eine legale Plattform bieten. Reuters

Fahrdienstvermittler

Uber präsentiert sich künftig als Partner der Taxifahrer und will ihnen etwa mit UberTaxi eine legale Plattform bieten.

BerlinEs ist schon eine Kunst, sich in so kurzer Zeit so viele Feinde zu machen. Dem umstrittenen Fahrdienstvermittler Uber ist es gelungen - und das weltweit. Doch seit kurzem will das kalifornische Startup „everybody's darling“ sein. In Deutschland versucht Uber mit einer Charmeoffensive, juristische Niederlagen vergessen zu machen. Der jüngste Schritt: Uber präsentiert sich als Partner der Taxifahrer und will ihnen etwa mit UberTaxi eine legale Plattform bieten. Probt das Unternehmen nun die Revolution durch die Hintertür?

Das von den Taxiverbänden scharf attackierte Angebot UberPop ist in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien vom Tisch. In Deutschland wurde der Dienst, der private Fahrer an Fahrgäste per Smartphone-App vermittelt hatte, im April eingestellt. An seine Stelle trat UberX, mit dem das Unternehmen alle rechtlichen Auflagen zur Personenbeförderung erfüllt. Partner sind bestehende Mietwagenunternehmer.

Kampf um die Fahrgäste

Taxigewerbe unter Druck

Für das Taxigewerbe war die Konkurrenz lange überschaubar – die Firmen konkurrierten nur untereinander. Doch derzeit geraten viele Unternehmen unter Druck. Neue Konkurrenz aus dem Internet reißt immer mehr Lücken in das klassische Geschäftsmodell. Ein Überblick.

MyTaxi schaltet Zentrale aus

Mit Apps wie MyTaxi können sich Passagiere ein Taxi finden, ohne dass ein Anruf in der Zentrale nötig wäre. Den Fahrern geht also kein Geschäft verloren, aber den Vermittlern. Die Taxizentralen versuchen mit einer eigenen App, sich die Konkurrenz vom Leib zu halten.

Uber buhlt direkt um die Gäste

Dienste wie Uber konkurrieren direkt mit den Taxiunternehmen um die Gäste. Das Start-up, das mit Google einen potenten Investor hat, betreibt selbst keine Wagen, sondern agiert als Vermittler, der eigenständigen Fahrern eine technische Plattform bietet. Damit wälzt es die Verantwortung ab: Für die Einhaltung der Bestimmungen sind die Fahrer zuständig. Viele Städte halten dieses Modell für unzulässig.

RideWith verbindet Fahrer und Mitfahrer

RideWith ist eine App des Google-Dienstes Waze und startet in Israel: Die Applikation soll Fahrer auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit Mitfahrern verbinden. Waze erstellt Routen-Anweisungen auf Grundlage von Informationen der Nutzer über den Verkehrsfluss.

Carsharing als Alternative

Wer nach einem Kneipenabend nach Hause fahren will, kann natürlich nicht selbst fahren. In anderen Fällen sind Carsharing-Dienste aber durchaus eine Alternative. In den Großstädten wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter, so dass Nutzer es nicht weit haben. Gerade an Bahnhöfen ist das Angebot groß.

Und es gebe auch keine Pläne für einen Relaunch von UberPop, versichert Christian Freese, der frischgebackene Deutschland-Chef des Unternehmens. Dennoch geht Uber offenbar gegen das am Landgericht Frankfurt erwirkte Verbot vor. Nach Angaben der Genossenschaft Taxi Deutschland ist für Juni 2016 ein Gerichtstermin am Oberlandesgericht für die Berufung von Uber angesetzt.

Vor allem Berufsverbände, aber auch einzelne Taxi-Unternehmer waren teils erfolgreich vor Gericht gezogen. Sie werfen Uber wettbewerbswidriges Verhalten und rücksichtslose Geschäftsmethoden vor. Erst vor gut zwei Wochen demonstrierten hunderte Taxifahrer gegen den Fahrdienstvermittler in Brüssel. Auch deutsche Taxiunternehmen waren dabei. „Wir wollen den Wettbewerb, aber wir wollen ihn zu fairen und gleichen Bedingungen für alle Marktteilnehmer“, sagte Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Frankfurt.

Dass sich Bestimmungen für das Taxigewerbe und für den Personennahverkehr in Deutschland nicht einfach aushebeln oder umgehen lassen, hat Uber bei aller Kritik längst erkannt. Hierzulande ist das Unternehmen nun mit Angeboten wie dem Limousinen-Service UberBlack sowie UberX mit Fahrern mit Personenbeförderungsschein vertreten. Mit UberTaxi will das Unternehmen ganz gezielt traditionelle Taxifahrer für die eigene Plattform gewinnen.

Gerade in Städten wie Berlin gebe es einen großen Bedarf, der von den verfügbaren Taxis nicht mehr gedeckt werden könne, sagt Freese. Die Uber-App ermögliche es Fahrern, ihre Leerzeiten zu verringern. „Damit können alle profitieren“, ist Freese überzeugt. Normal sei für Taxifahrer eine Fahrt pro Stunde, mit der App könne dieser Schnitt auf zwei bis drei Fahrten erhöht werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×