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16.07.2016

13:01 Uhr

Nach Militärputsch in der Türkei

Reisefirmen kommen Urlaubern entgegen

Nach dem Putschversuch in der Türkei bieten Reiseunternehmen Urlaubern kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Doch bisher wird das Angebot nicht in Anspruch genommen. Derweil werden Flüge komplett gestrichen.

Wer am Samstag oder Sonntag eine Reise in die Türkei plante, kann diese kostenlos umbuchen oder auch stornieren. dpa

Nach Putschversuch in der Türkei

Wer am Samstag oder Sonntag eine Reise in die Türkei plante, kann diese kostenlos umbuchen oder auch stornieren.

FrankfurtTürkei-Urlauber können ihre Reisen nach dem Putschversuch in dem Land meist kostenlos umbuchen. Dies sei für Abreisen am Samstag und Sonntag mit TUI, Thomas Cook („Öger“), DER Tour und Alltours möglich, teilten die Firmen mit. Daneben könnten Gäste auch von ihrer Reise zurücktreten und erhielten den Preis zurück.

Da sich der Putschversuch auf die Hauptstadt Ankara und die Metropole Istanbul konzentriert habe, hätten die Gäste in den Hauptbade-Regionen Antalya und Bodrum direkt nichts davon mitbekommen, sagte ein Sprecher von Thomas Cook. Abgesagt habe bislang kaum ein Gast. „Bei uns sind morgens die ersten Maschinen Richtung Türkei gestartet und die große Mehrheit der Urlauber ist geflogen.“

Wiederholt putschte das türkische Militär

27. Mai 1960

Das Militär sieht das demokratische System bedroht und stürzt die Regierung in einem Putsch. Ministerpräsident Adnan Menderes und zwei Minister werden im September 1961 gehängt. Die Regierung hatte die Pressefreiheit sowie die politischen Rechte der Opposition eingeschränkt. Studentenunruhen waren die Folge. Die Militärs bleiben 17 Monate an der Macht.

12. März 1971

Die zweite Intervention gilt als Antwort der Armee auf den wachsenden Terror gewalttätiger Gruppen der extremen Linken. Die Generale zwingen Ministerpräsident Süleyman Demirel per Denkschrift zum Rücktritt. Im Jahr darauf setzt das Militär wieder eine zivile Regierung ein.

12. September 1980

Auch die zweite Amtszeit Demirels endet mit seinem Sturz. Die Militärführung unter General Kenan Evren verhängt das Kriegsrecht, um den Verfall staatlicher Autorität angesichts des Terrors von Rechts und Links aufzuhalten. Etwa 650 000 Menschen werden festgenommen und zahlreiche hingerichtet. Erst im November 1983 geht die Militärherrschaft offiziell zu Ende.

30. Juni 1997

Eine politische Einmischung, aber kein Putsch: Die Armee erzwingt den Rücktritt des ersten islamistischen Ministerpräsidenten der Türkei, Necmettin Erbakan. Er war der Ziehvater des heutigen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan.

2003

Offiziere diskutieren in einem mit dem Namen Balyoz („Vorschlaghammer“) versehenen Planspiel Schritte für ein inszeniertes Chaos in der Türkei und die Entmachtung der Regierung - so stellt es das oberste Gericht im Oktober 2013 rückblickend fest. Es bestätigt die Verurteilungen von 237 damals Beteiligten.

Auch TUI fliegt mit der eigenen Airline TUIfly weiter in die Türkei. Die Lufthansa hingegen sagte alle Verbindungen am Samstag ab. Auch die Konzerntochter Eurowings strich Flüge.

In der Türkei haben Teile des Militärs am Freitagabend einen Putschversuch unternommen. Nach Aussagen des Regierung ist die Lage mittlerweile aber wieder unter Kontrolle.

Für die großen deutschen Tourismuskonzerne steht in der Türkei in der wichtigen Sommersaison geschäftlich viel auf dem Spiel. Trotz des Buchungseinbruchs um bis zu 50 Prozent nach den Anschlägen zu Jahresbeginn ist das Land laut Deutschem Reiseverband noch das drittbeliebeste Urlaubsziel.

Voriges Jahr besuchten es rund 5,6 Millionen Bundesbürger. In den ersten fünf Monaten 2016 zog es nach Angaben des türkischen Fremdenverkehrsamts ein Viertel weniger Deutsche ins Land.

Twitter-Reaktionen: „Diese unruhige Welt fühlt sich nicht gut an“

Von

rtr

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