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30.08.2013

17:57 Uhr

Nach Missständen

Fleischindustrie will über Mindestlohn verhandeln

Nach dem Missbrauch von Werkverträgen in der Schlachtbranche wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften schon bald über eine Lohnuntergrenze reden. Auch ausländische Arbeitskräfte würden davon profitieren.

Der Kühlraum des Unternehmens Teterower Fleisch. In der Fleischindustrie wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften einen Mindestlohn aushandeln. dpa

Der Kühlraum des Unternehmens Teterower Fleisch. In der Fleischindustrie wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften einen Mindestlohn aushandeln.

Berlin/HannoverDie Fleischindustrie und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wollen schon bald über einen Mindestlohn für Schlachthöfe verhandeln. Dieser soll dann auch für die oft ausländischen Werkvertragsbeschäftigten gelten, teilten die NGG und der Verband der Ernährungswirtschaft am Freitag mit.

Auslöser ist die Diskussion über den Missbrauch von Werkverträgen und die teils unwürdigen Lebensbedingungen osteuropäischer Billigarbeiter. Die Branche habe ein großes Interesse, dass das Problem gelöst werde, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss, Valerie Holsboer, der „Berliner Zeitung“ (Freitag).

Wegen der Missstände habe die NGG seit Juli 200 Unternehmen der Branche zu Verhandlungen aufgefordert, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Claus-Harald Güster am Freitag in Berlin. „Auf Druck der Gewerkschaft NGG bewegen sich die Arbeitgeber der Fleischbranche endlich. Wir erwarten, dass im Interesse der Beschäftigten zügig Verhandlungen aufgenommen werden können, um Mindeststandards in der Branche zu regeln“, meinte Güster. „Unser Ziel ist es, einen Tarifvertrag abzuschließen mit einem Einstiegslohn von mindestens 8,50 Euro, der dann auch für die Werkvertragsbeschäftigten gelten muss.“

Die Schaffung eines Tarifverbundes der großen Schlachthöfe und Fleisch-Verarbeitungsbetriebe stehe kurz bevor, erklärte Michael Andritzky, Hauptgeschäftsführer des Regionalverbands der Ernährungswirtschaft, der für Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt zuständig ist, am Freitag in Hannover. Bisher gab es noch keinen Arbeitgeberverband, so dass Verhandlungen über einen Branchen-Mindestlohn nicht möglich waren.

Zu großen Verdienststeigerungen wird ein Tarifvertrag nach Andritzkys Einschätzung bei den rund 80 000 Beschäftigten der Unternehmen und den etlichen tausend Werkvertragsarbeitern nicht führen. Diese erhielten jetzt bereits meist 7,50 Euro Stundenlohn. Große Kostensteigerungen kämen auf die Branche nicht zu.

Mitte Juni waren zwei rumänische Werkvertragsarbeiter der Papenburger Meyer-Werft bei einem Brand in ihrer Unterkunft ums Leben gekommen. Der Vorfall löste bundesweit eine breite Diskussion über die Situation osteuropäischer Billigarbeiter und den Missbrauch von Werkverträgen aus. Die niedersächsische Landesregierung will über den Bundesrat gegen die Missstände vorgehen, die auch die in dem Bundesland konzentrierte Schlachtbranche betreffen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Alex

30.08.2013, 19:10 Uhr

Auf http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/19/steuer-erleichterung-dank-leiharbeit-fleisch-industrie-spart-millionen/ hat jemand diesen Kommentar abgegeben:

"Schlachthöfe und die rot-grüne-Mindestlohnheuchelei!
Ich weiß die Jahreszahl nicht mehr, aber als unter grün-rot vor etlichen Jahren neue EU-Mitglieder zum Jahreswechsel beitraten wurden im betreffenden Januar d.J. schlagartig an die zehntausend deutsche Schlachter ihren Job los und zwar unwiederbringlich.

Was war geschehen? Die neuen "Arbeitnehmer" aus den neuen EU-Beitrittsstaaten verdingten sich bei deutschen Schlachthöfen als "selbständige" Unternehmen und müssen daher keine Sozialabgaben zahlen. Wozu auch, dazu gibt es doch die deutschen Deppen, die noch einen Vollzeitjob haben und das ganze importierte Euroland-Elend sozialtechnisch mittragen. (...)"

und das stimmt tatsächlich - ist hier im Video gut dokumentiert:

"Deutschlands neue Slums - Das Geschäft mit den Armutseinwanderern"

siehe www.youtube.com/watch?v=cD49AaPuZ1s

Alex

30.08.2013, 19:35 Uhr

Genauso wichtig wäre es ein Kontrollsystem vorzuschreiben damit in den Schlachtbetrieben Tiere nicht länger lebend verbrüht werden. In Dänemark wird bereits flächendeckend ein Stech-Verifikationssystem eingesetzt.

"Etwa jedes zehnte Schwein ist nach einer Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht richtig betäubt, wenn es geschlachtet wird. Bei Rindern seien es neun Prozent
...
Die grausame Folge für die betroffenen Tiere ist, dass sie bei vollem Bewusstsein getötet werden, etwa, indem sie bei lebendigem Leib kopfüber in ein heißes Brühbad getaucht werden, wo sie ertrinken.
...

Der Arbeitsdruck in den Schlachtbetrieben sei extrem hoch, die überwiegend osteuropäischen Mitarbeiter sehr schlecht bezahlt und ganz häufig schlicht unsensibel für den Umgang mit den Tieren. Und die Betäubungsmethoden seien mangelhaft. Es gebe noch kein Verfahren, das absolut zuverlässig bis zum Eintreten des Todes betäube.
...

siehe www.stern.de/panorama/billige-schnitzel-leidende-tiere-deutschlands-massenschlachtung-im-visier-1844123.html

DINO

31.08.2013, 09:20 Uhr

Es ist erschreckend und widerlich zugleich, wie unsere selbsternannten POLITIKER -"ELITEN" , diese Mafia - Strukturen vorhersehbar zugelassen haben !!!
Vom Tierschutz ganz zu schweigen !!

Bei der ROT/GRÜNEN Ära bis heute wundert mich gar nichts mehr !

ABER, wo sind die zuschauenden, stillen GEWERKSCHAFTEN ??

Was muss noch passieren, bis IHR der LOBBY-Kriminellen und den unseriösen "POLITIKER", mit großen Schmerzen auf die Füße tritt !

Wieviel Jahrzehnte darf man uns EU-Bürger noch zurückwerfen, in Bezug auf MENSCHENRECHTE und Tierschutz ?

Wenn ich mir die Entwicklung seit ROT/GRÜN in D und Europa
betrachte, ein Armut- und Unfähigkeitszeugnis an die POLITIK und Wirtschaft, einfach zu wider !!!

> Die Welt wird nicht bedroht von Menschen, die BÖSE sind, sondern von MENSCHEN, die das BÖSE zulassen <




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