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23.10.2012

19:08 Uhr

Nach Neubau-Desaster

Zukunft von Berliner Flughafenchef noch offen

Sind die Amtstage des Berliner Flughafenchefs Rainer Schwarz wirklich gezählt? Noch ist nichts entschieden. Der Aufsichtsrat wird darüber nächste Woche beraten. Berlin und Brandenburg scheinen ihn weiterhin zu stützten.

Der Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg. dpa

Der Chef des Flughafens Berlin-Brandenburg.

Berlin/PotsdamDie Zukunft des Berliner Flughafenchefs Rainer Schwarz ist nach wie vor offen. Im Zusammenhang mit der verschobenen Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafens werde der Aufsichtsrat am 1. November über mögliche Versäumnisse von Schwarz beraten, hieß es am Dienstag aus dem Bundesverkehrsministerium.

Keine Bestätigung gab es jedoch für einen Bericht der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ (Dienstag), wonach Vertreter der Bundesregierung im Aufsichtsrat den Antrag stellen wollen, Schwarz zu entlassen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums wollte dazu nichts sagen. Der brandenburgische Regierungssprecher Thomas Braune und der Berliner Senatssprecher Richard Meng wiesen den Bericht als falsch zurück.

Wegen Mängeln beim Brandschutz soll der neue Flughafen in Schönefeld erst am 27. Oktober 2013 mit zweijähriger Verspätung den Betrieb aufnehmen. Die SPD-geführten Länder Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent der Flughafengesellschaft, der Bund 26 Prozent.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Berlin und Brandenburg haben Schwarz bislang gestützt. Kritische Stimmen kamen vor allem aus der Bundes-FDP und von den Grünen. FDP-Generalsekretär Patrick Döring hatte vor wenigen Tagen nochmals eine Entmachtung des Flughafenchefs gefordert und daran die Bereitstellung weiteren Geldes für den Hauptstadtflughafen geknüpft. Der Bund soll 312 Millionen zu 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten beisteuern, die der Aufsichtsrat Anfang September festgestellt hatte.

Schwarz und dem damaligen Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen sollen dem Aufsichtsrat im März 2012 Fakten vorenthalten haben. Sonderermittler im Bundesverkehrsministerium warfen beiden Geschäftsführern vor, „den Aufsichtsrat noch in dessen April-Sitzung bewusst in Unkenntnis der tatsächlichen Lage gelassen“ zu haben. Das geht aus einem Protokoll einer Sitzung der Sonderkommission vom 12. Oktober hervor, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Die Ermittler empfehlen, zu klären, ob Schwarz und der frühere Chefplaner Körtgen haftbar zu machen seien.

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Schwarz wies die Vorwürfe am Montag zurück. Als Reaktion auf einen kritischen Lagebericht der Unternehmensberatung McKinsey von Mitte März habe der Aufsichtsrat am 20. April für 14 Millionen Euro Maßnahmen für den Endspurt beschlossen. Zusätzliches Personal für die Brandschutztüren und mehr Abfertigungsschalter sollten es ermöglichen, den damals angepeilten Termin 3. Juni einzuhalten. Das gelang dann nicht, weil die zuständige Behörde die Brandschutzanlage nicht genehmigte.

Von

dpa

Kommentare (3)

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krake

23.10.2012, 23:32 Uhr

Weg damit und alle seine überzogenen Rentenansprüche an den überschuldeten Staat zurück! Wenn er sich weigert: Sozialarbeit für 5 Jahre in Berlin: Verbrecher therapieren!!

Mike

10.11.2012, 08:17 Uhr

Rausschmeissen - ohne Abfindung. Der hat doch Berlin-Brb das größte Finanzloch aller Zeiten hinterlassen.

Benny

27.12.2012, 09:16 Uhr

Wieso immer gleich rausschmeissen. Soll Herr Schwarz jetzt mal zeigen was er den wirklich kann. Wenn er jetzt gehen muss geht es noch länger bis der NEUE einen Überblick hat und ob er besser ist möchte ich in frage stellen. Ist doch auch nur wieder ein Verbrecher wo noch nie gearbeitet hat. Berlin muss einfach schauen das sie vor Stuttgart 21 fertig sind. Währe noch mehr peinlich wenn die Stuttgarter vor Berlin fertig wären.

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