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06.10.2016

18:58 Uhr

Nach Spitzentreffen

Rettung von Kaiser's Tengelmann ist wieder möglich

VonFlorian Kolf

Neue Hoffnung für Kaiser's Tengelmann: Die Spitzenmanager wollen nun doch die Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel zur Übernahme der Kette durch Edeka umsetzen. Bis zum 17. Oktober soll eine Einigung erzielt werden.

Kaiser's-Tengelmann

Mitarbeiter hoffen weiter auf Rettung

Kaiser's-Tengelmann: Mitarbeiter hoffen weiter auf Rettung

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Die Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann erleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Eigentlich war das Ende der Supermarktkette für viele schon besiegelt. Umso überraschender ist das Ergebnis des Spitzentreffens der Supermarkt-Chefs am Donnerstag zwischen Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, Edeka-Chef Markus Mosa, Rewe-Chef Alain Caparros und Vertretern von Markant, Norma und der Gewerkschaft Verdi: Alle Seiten verständigten sich darauf, dass die Sondererlaubnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur Übernahme der Kette durch Edeka doch noch umgesetzt werden solle. Dies teilte die Gewerkschaft Verdi am Abend mit. Die Edeka-Konkurrenten Rewe, Norma und die Handelskooperation Markant sollen dazu ihre juristischen Beschwerden gegen die Erlaubnis zurückziehen und den Weg dafür frei machen.

Bis zum 17. Oktober solle eine einvernehmliche Einigung erzielt werden, teilte Verdi mit. Rewe, Norma und Markant dürften in den weiteren Gesprächen bis zu diesem Termin noch auf Kompensationen für ihre Zugeständnisse setzen. Alle Seiten hätten Stillschweigen bis zum 18. Oktober vereinbart.

Für Kaiser's Tengelmann zeichnet sich damit eine Rettung in letzter Sekunde ab. Eigentümer Karl-Erivan Haub hatte für die Zukunft der Kette mit rund 15.000 Beschäftigten ein Ultimatum bis Freitag um Mitternacht gestellt und mit der Zerschlagung gedroht. Diese Frist ist nun vom Tisch.

Noch am Mittwochnachmittag war es bei der Betriebsversammlung von Kaiser‘s Tengelmann in Viersen hoch hergegangen. Sichtlich erregt rief eine Mitarbeiterin: „Wenn Herr Haub sich wirklich Sorgen um die Mitarbeiter machen würde, dann wäre er jetzt hier bei uns. Wo ist er eigentlich?“ Nach kurzem Schweigen antwortete ein Betriebsrat: „Den haben wir nicht eingeladen.“ Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Janetta Jöckeritz rief den Kollegen zu: „Wir sind keine Spielbälle von Managern und Behörden“. Sie appellierte, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten.

Auf die Unterstützung des Eigentümers Karl-Erivan Haub zählten die Mitarbeiter der schwer angeschlagenen Supermarktkette offenbar nicht mehr. Spätestens seit er vor zwei Wochen angedroht hatte, am morgigen Freitag die Zerschlagung des Unternehmens zu starten, wenn sich nicht in letzter Minute eine Lösung findet, hatten wohl auch die letzten loyalen Tengelmänner und Kaiserianer den Glauben verloren. Doch die Einigung am heutigen Donnerstag macht den an Zerschlagungstermin zunächst obsolet – ein neuer Hoffnungsschimmer.

Doch viele haben gar nicht erst abgewartet, ob das Spitzentreffen doch noch Chancen auf eine Rettung bietet. Hunderte sind bereits zu anderen Unternehmen gewechselt. „Wenn ich zurzeit eine Stelle ausschreibe, bewerben sich teilweise bis zu 50 Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann“, berichtet ein Konkurrent.

Das hat schon Spuren hinterlassen. In der Zentrale in Mülheim an der Ruhr haben bereits 100 von 400 Mitarbeitern gekündigt, berichtet Geschäftsführer Raimund Luig. Die IT-Abteilung ist kaum mehr arbeitsfähig, auch im Einkauf läuft es nicht mehr rund.

Ende 2015 hat das Unternehmen die Zahl der Mitarbeiter noch mit 15.649 angegeben; jetzt ist nur noch von 15.000 die Rede. Doch auch diese Zahl dürfte schon wieder überholt sein. Denn seit Beginn der Fusionsverhandlungen sind bereits rund 40 Läden geschlossen worden, weil die Mietverträge ausgelaufen sind. Hier dürfte es noch etliche unfreiwillige Abgänge gegeben haben.

Kommentare (10)

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Frau Annette Bollmohr

06.10.2016, 17:27 Uhr

Die Zeiten ändern sich, die Konsumgewohnheiten der Kunden auch. Das war schon immer so.

Das kann man schade finden, aber ändern kann man es nicht.

Wenn etwas nicht mehr in die Zeit passt, muss man eben flexibel sein und sich nach neuen Möglichkeiten umsehen, was auch bedeuten kann, dass man etwas ganz anderes macht als bisher.

Neues auszuprobieren und dazuzulernen mag am Anfang für viele erstmal mit Angstgefühlen verbunden sein, aber wenn man erst mal in der neuen Arbeit "drin" ist, meist auch sehr befriedigend. Hauptsache, man lässt sich auf neue Menschen ein, dann wird einem auch geholfen.

Frau Annette Bollmohr

06.10.2016, 17:34 Uhr

"... mag am Anfang für viele erstmal mit Angstgefühlen verbunden sein, IST aber, wenn man erst mal ..." (sorry)

Account gelöscht!

06.10.2016, 17:39 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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