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20.03.2013

12:41 Uhr

Nach Streikankündigung

Lufthansa streicht hunderte Flüge

Die Gewerkschaft Verdi fordert 5,2 Prozent mehr Gehalt für ihre Mitglieder. Darum soll am Donnerstag an den wichtigsten deutschen Flughäfen gestreikt werden. Die Lufthansa streicht den Flugplan zusammen.

Bei der Lufthansa wird wieder gestreikt. dpa

Bei der Lufthansa wird wieder gestreikt.

FrankfurtDie Lufthansa wird wegen des für Donnerstag angekündigten Streiks ihren Flugplan drastisch eindampfen. "Wir streichen morgen früh wegen des Streiks nahezu alle Flüge in Deutschland und Europa", kündigte ein Konzernsprecher am Mittwoch an. Betroffen seien die Verbindungen ab Frankfurt, Hamburg, Berlin, München, Düsseldorf und Köln. Bis zum Mittwochnachmittag erschienen auf der Homepage der Fluggesellschaft rund 500 für Donnerstag abgesagte Verbindungen. Wegen der fehlenden Hinflüge sind darin auch Flüge vom Nachmittag enthalten.
Die Gewerkschaft Verdi hatte ihre Mitglieder bei der Lufthansa aufgerufen, am Donnerstagmorgen die Arbeit niederzulegen. Im Zentrum der Warnstreiks stehen Hamburg und Frankfurt - an Deutschlands größtem Flughafen dürfe der Ausstand voraussichtlich von 5.00 Uhr bis 10.00 Uhr morgens dauern.

In Berlin seien auch die Flugbegleiter zum Ausstand aufgerufen. Warnstreikaktionen werde es auch an weiteren Standorten wie München, Düsseldorf und Köln geben. Es handele sich um ein "Warnsignal" an die Lufthansa, weshalb nicht alle Angestellten der Airline ihre Arbeit niederlegen werden, sondern je nach Standort einzelne Beschäftigtengruppen, sagte eine Verdi-Sprecherin. "Es nicht so, dass der ganze Betrieb lahmgelegt wird."

Mit dem Ausstand will Verdi den Druck auf die Lufthansa in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen - die nächste Runde findet am Freitag statt. Verdi fordert für 33.000 Beschäftigte bei der Lufthansa 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem will die Gewerkschaft von der Fluggesellschaft Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Der Dax-Konzern wies die Forderung zurück und bietet mit Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Situation lediglich eine Nullrunde an.

"Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber und ihre Gegenforderungen zu Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung sind eine Provokation, die bei den Lufthanseaten zu starker Unruhe und Verärgerung geführt hat", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Verhandelt wird über die Gehälter der Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, der Catering-Tochter LSG, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Arbeitsniederlegungen sind in der Luftfahrt-Branche alle andere als eine Seltenheit. Vergangenen Sommer stürzte bereits die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo die Lufthansa für einige Tage mit einem Ausstand ins Chaos, der Schaden betrug gut 30 Millionen Euro. Zuvor - im Februar 2012 - brachten 200 Flugfeld-Arbeiter den Betrieb am Frankfurter Airport über Wochen aus dem Takt. Sie waren einem Streikaufruf der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) gefolgt. Und in den vergangenen Monaten hatten wiederholt die Sicherheitsleute an den Airports Düsseldorf, Köln und Hamburg die Arbeit niedergelegt - es kam zu zahlreichen Flugannullierungen.

Diese Streiks, der späte aber heftige Wintereinbruch und der Sparkurs der Fluggesellschaften haben den deutschen Flughäfen den schlechtesten Jahresstart seit 2009 eingebrockt. In den ersten zwei Monaten 2013 sei die Zahl der Passagiere um 3,6 Prozent gesunken, teilte der Flughafenverband ADV am Mittwoch mit. Die Zahl der Starts und Landungen sei sogar um 8,6 Prozent zurückgegangen. "Die aktuelle Verkehrsentwicklung an den Flughäfen ist alarmierend", sagte ADV-Präsident Ralph Beisel.

Streiks und Warnstreiks im deutschen Luftverkehr

21. März 2012

Am Frankfurter Flughafen fallen während eines fünftägigen Arbeitskampfes mehr als 1700 Flüge aus, rund 170 000 Passagiere sind betroffen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld legen rund 1500 Beschäftigte des Bodendienstleisters Globeground die Arbeit nieder.

7. September

Die Gewerkschaft Ufo verursacht den bislang größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100 000 Passagiere sind betroffen. Es ist der erste bundesweite Streik der rund 18 000 Lufthansa-Flugbegleiter. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

10. Dezember

Warnstreiks des privaten Sicherheitspersonals führen an mehreren deutschen Flughäfen zu Verspätungen. Verdi hatte zu den Aktionen aufgerufen. Hintergrund sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag.

18. Januar 2013

Ein Streik legt den Hamburger Flughafen weitgehend lahm. Die meisten Beschäftigten an den Sicherheitskontrollen folgen einem Verdi-Aufruf und legen für den ganzen Tag die Arbeit nieder. Betroffen sind rund 19 000 Reisende.

24./ 25. Januar

Ein Streik des privaten Sicherheitspersonals auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sorgt für große Behinderungen. Hunderte Flüge fallen aus.

14./ 15. Februar

Streiks der Sicherheitskräfte in Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn legen den Betrieb erneut fast komplett lahm.

20. Februar

Die Streiks gehen in Hamburg weiter, vor den Terminals gibt es wieder lange Warteschlangen.

26. Februar

In der ersten Runde der Tarifverhandlungen bei der Lufthansa kommen sich die Parteien nicht näher. Die Gespräche werden auf den 22. März vertagt.

20. März 2013

Kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde ruft Verdi zu Warnstreiks an den Standorten Frankfurt, Berlin und Hamburg auf. Die Gewerkschaft Verdi vertritt vor allem Beschäftigte in den Boden- und Serviceeinheiten der Lufthansa.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

20.03.2013, 10:03 Uhr

Ist "Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle" auch im Aufsichtsrat der Lufthansa, wie z.B. bis vor kurzem Herr Bsirske?

VerdiLufthansaKiller

20.03.2013, 10:36 Uhr

Im Grunde bestreikt ver.di die deutschen Flughäfen und Fluggesellschaften das ganze Jahr über... mal sollen die Sicherheitsleute 30% mehr Lohn bekommen, wo bekommt das jemand in der freien Wirtschaft? Anschließend dann Bodenpersonal, Technik und Kabine und wenn das alles durch ist, kommt die nächste Gruppe dran. Und natürlich will man niemals den Kunden schädigen, deshalb macht man das auch zur Hauptreisezeit Ostern anstatt nach Ostern, da biegen sich vor Lügen die dicksten Balken.
Da die Lufthansa ohnehin seine Strategie zum Billigflieger geändert hat, anstatt Service und Premium Airline, wird weniger Personal benötigt... Also sollte man eine leichte Erhöhung anbieten und anschließend den Personalbestand anpassen. Das ver.di mit Bsirske überhaupt im Aufsichtsrat sitzen darf ist schon dreist. Da sitzt jemand der das Unternehmen kontrollieren und entwicklen soll und ist permanent nur dabei die Lufthansa zu schädigen wo es nur geht. Lohnerhöhungen ja, aber angemessen und nicht 30% wie z.T. gefordert...

Account gelöscht!

20.03.2013, 10:37 Uhr

@ PisaPisa

hat sie auch die Miles & More Karte von ihrem Vorgaenger uebernommen um vom 5* Urlaubsresort zum Streik aufzurufen?

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