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14.11.2013

17:32 Uhr

Nach Streiks

Karstadt will wieder nach Tarif bezahlen

Die angeschlagene Warenhauskette will den Konflikt mit der eigenen Belegschaft entschärfen und wieder zur Tarifbindung zurückkehren. Doch über die Details sind sich Management und Gewerkschaft noch uneinig.

Mit einem ganztägigen Streik und einer Demonstration protestierten Karstadt-Beschäftigte für die Tarifbindung. dpa

Mit einem ganztägigen Streik und einer Demonstration protestierten Karstadt-Beschäftigte für die Tarifbindung.

BerlinNach bundesweiten Streiks der Beschäftigten will der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt nach Gewerkschaftsangaben zur Tarifbindung zurückkehren. Karstadt und Verdi hätten sich auf „wesentliche Bausteine eines gemeinsamen Zukunftssicherungstarifvertrags verständigt“, teilte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag in Berlin mit. Karstadt war im Mai aus der Tarifbindung ausgestiegen, um Kosten zu sparen.

Mit dem Ausstieg aus der Tarifbindung des Einzelhandels entfielen für die rund 20.000 Beschäftigten des Warenhauskonzerns unter anderem bis 2015 Gehaltserhöhungen, die tarifvertraglich vereinbart sind. Im August, drei Monate nach dem Ausstieg, gab es aber bereits wieder „informelle Sondierungsgespräche“ zwischen Karstadt und Verdi. Die erste Verhandlungsrunde begann Ende September. Sie blieb wie die zweite im Oktober ohne Ergebnis.

Kurz vor Beginn der Verhandlungen überraschte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen mit der Ankündigung, er werde die drei profitablen Luxus-Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und München sowie die Karstadt-Sport-Filialen an den österreichischen Investor René Benko verkaufen. Kurz darauf gab es Berichte, Berggruen wolle das Stuttgarter Karstadt-Haus schließen.

Die Beschäftigten reagierten verunsichert, die Gewerkschaft forderte zusätzlich eine Beschäftigungs- und Standortsicherung. Tausende Mitarbeiter beteiligten sich nach Angaben von Verdi im Oktober an Kundgebungen und Protesten, um den Druck auf die Karstadt-Geschäftsführung zu erhöhen. Die dritte Verhandlungsrunde, die am Montag begonnen hatte, brachte nun nach Gewerkschaftsangaben den „ersten konkreten Schritt hin zur Lösung des Konflikts“, wie Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes erklärte.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Der neue Zukunftssicherungstarifvertrag soll nach Angaben von Verdi neben der Rückkehr in die Tarifbindung auch eine Beschäftigungs- und Standortsicherung enthalten. In der Frage der Rückkehrmodalitäten in die Lohn- und Gehaltstarifverträge des Einzelhandels „sind wir allerdings noch weit auseinander“, erklärte Peukes. „Das wird noch eine harte Nuss.“ Er betonte, dass die noch auszuhandelnde Regelung nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen dürfe. Die Verhandlungen sollen im Januar fortgesetzt werden.

Karstadt steckt in der Krise. 2010 war die Kaufhauskette nach der Pleite des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor vom US-deutschen Investor Berggruen übernommen und damit vor dem Aus bewahrt worden. Berggruen versprach, Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

Von

afp

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