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20.05.2012

17:50 Uhr

Nach Termindebakel

Druck auf Berliner Flughafen-Betreiber steigt

Um den Hauptstadtflughafen wird es nicht ruhiger - im Gegenteil. Der neue Eröffnungstermin wird bezweifelt, die Finanzierung macht Sorgen. Brandenburgs Regierungschef muss sich im Landtag rechtfertigen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (links) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD): „Wir sind da an der Kante.“ dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (links) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD): „Wir sind da an der Kante.“

Berlin/PotsdamAuch nach der Verkündung eines neuen Eröffnungstermins für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg bleiben die Betreiber unter Druck. „Das Flughafen-Management muss jetzt endlich hieb- und stichfest liefern - mit voller Transparenz gegenüber dem Aufsichtsrat“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der „Bild am Sonntag“. Eine Arbeitsgruppe seines Ministeriums soll den vorläufigen Flugbetrieb, die Start- und Landezeiten sowie die Flughafenkoordination in Tegel und Schönefeld sicherstellen.

Ob sich der Betrieb in Tegel ausweiten lässt, um die ursprünglich für den neuen Airport geplanten Flüge aufzunehmen, bleibt offen. Aus Sicht des Flughafenverbandes ADV ist eine Ausweitung der Flugzeiten in Tegel um je eine halbe Stunde morgens und abends dringend nötig, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit gilt für Tegel ein Nachtflugverbot von 23.00 bis 6.00 Uhr.

Zweifel gibt es auch, ob der neue Eröffnungstermin einzuhalten ist. Er halte den 17. März 2013 angesichts des herrschenden Chaos für unrealistisch, sagte der Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa der „Berliner Morgenpost“. Nach der Ablösung von Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen müsse sich ein Nachfolger erst einarbeiten, was mehr Zeit erfordere. Faulenbach, der in Offenbach ein Consulting-Büro betreibt, war bis 1999 an der Planung des Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) beteiligt. Zuletzt arbeitete er als Gutachter für die Anwohner des Flughafens.

Als Folge der geplatzten Eröffnung könnte auf den Hauptstadtflughafen schon bald ein Finanzierungsproblem zukommen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Freitag von einem deutlich geschrumpften Puffer innerhalb des Kreditrahmens von 2,4 Milliarden Euro gesprochen. „Wir sind da an der Kante. Und ich kann nicht ausschließen, dass die Kante des Kreditrahmens übersprungen wird“, sagte Wowereit im Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sein Stellvertreter.

Am Wochenende berichtete der „Spiegel“ von Risiken bei der Finanzierung des Milliardenprojektes durch Verluste bei Zinswetten. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf die Geschäftsberichte.

Der Aufsichtsrat hatte den ursprünglichen Eröffnungstermin am 3. Juni um gut neun Monate verschoben. Begründet wurde die Entscheidung mit der noch nicht funktionstüchtigen Brandschutzanlage. Das Kontrollgremium beurlaubte Technik-Chef Körtgen und entzog dem Architekten-Konsortium PGBBI die Generalplanung.

Der Flughafen Leipzig/Halle bot sich zur Entlastung an. „Wir haben bereits in ersten Vorgesprächen Fluglinien und Reiseveranstalter über diese Option eines Bypasses informiert“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ (Montag) den Chef der Mitteldeutschen Airport Holding, Markus Kopp. Dem hielt Flughafenverbands-Geschäftsführer Beisel entgegen, ein Ausweichen auf andere Flughäfen im Umkreis von Berlin wäre nicht sinnvoll. „Sie können nicht einen Teil der Zubringerflugzeuge in Leipzig und einen anderen Teil in Tegel landen lassen, wenn Sie mit den Passagieren eine größere Maschine befüllen wollen, die dann weiterfliegt.“ Das sei nur an einem Standort machbar.

In einer Sondersitzung des brandenburgischen Landtages gibt Platzeck an diesem Montag eine Regierungserklärung zu dem Debakel ab. Ihm und Wowereit wirft die Opposition vor, ihre Kontrollpflichten nicht ausreichend wahrgenommen zu haben.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Nachwuchs

20.05.2012, 18:58 Uhr

Man schlägt sich um den Eröffungstermin herum, obwohl schon jetzt fest steht, die neue Nordlandebahn muß schon saniert werden, lt. Zeitung, da man hier auch wieder vorsätzlich, auf Anweisung der Experten und Manager, Pfusch fabrizierte. Der Steuerzahler will wohl nur noch betrogen, belogen und abgezockt werden.

Mazi

20.05.2012, 21:52 Uhr

Die Nachrichtenlage, die uns erzählt wird, kann nicht stimmen. Projekte ab einer bestimmten Größenordnung werden über Netzpläne gesteuert. Ein Großprojekt dieser Größenordnung erst recht. Terminüberziehungen müssen schon lange, sehr lange bekannt sein. Ich schätze, mindest seit 12 Monaten.

Dass eine Terminüberschreitung so kurz vor der Inbetriebnahme auftaucht, ist absolut unglaubwürdig. Eine derartige Terminverzögerung kann den Herren nicht verborgen geblieben sein. Die müssen selbst wackeln. Eine andere Erklärung kann es nicht geben.

FamWegnerMahlow

21.05.2012, 20:12 Uhr

Tegel, Schönefeld und Tempelhof hatten zusammen 6 Bahnen, BER wird nur 2 haben. Welch Verbesserung. Aber die Oberluschen vom BER planen auch den nicht vorhandenen Lärmschutz für die Anwohner, da ist es das gleiche Chaos. Man muß wissen wann man aufhören soll. BER ist ohnehin ein Unglücksfluchhafen. Plötzlich kostet der Flughafen mal schnell eine halbe Milliarde mehr, es ist ja Steuergeld, wir habens ja. Die drei Clowne sollten abtreten, unser Geld haben sie ja schon verpulvert! Aber die eigenen Taschen sind ja groß und Sexpartys wollen ja auch noch gemacht werden. Wer die Mehrkosten tragen wird, der nette Steuerzahler (wir) selbstverständlich! Nicht Wowereit, Platzeck, Schwarz und Konsorten.
Fam. Wegner, Mahlow

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