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15.04.2014

19:12 Uhr

Nach Undercover-Recherche

Zalando geht juristisch gegen RTL-Journalistin vor

VonLukas Bay, Martin Dowideit

ExklusivMit versteckten Kameraaufnahmen hat eine RTL-Reporterin Missstände in einem Logistiklager des Textilversands Zalando offengelegt. Die Recherche endete in einem handfesten Streit – und einer Anzeige durch den Online-Shop.

Journalist Günter Wallraff mit Kollegin Caro Lobig in der der RTL-Dokumentation. (Screenshot)

Journalist Günter Wallraff mit Kollegin Caro Lobig in der der RTL-Dokumentation. (Screenshot)

DüsseldorfDruck von Vorgesetzten und gesundheitliche Ausbeutung bis an die Leistungsgrenze – was die 21-jährige RTL-Reporterin Caro Lobig im Logistiklager des Textilversands Zalando erlebt hat, erschüttert nicht nur Arbeitsrechtler. Für die Sendung „Extra“ hat die Reporterin drei Monate undercover in einem Logistiklager des Textilriesen gearbeitet. Nach ihren Recherchen soll Zalando massiv gegen das Arbeitsrecht verstoßen haben. Über die Recherchemethode tobt nun ein Rechtsstreit.

Als die Tarnung der Reporterin am 28. März aufflog, sei es zu einem Polizeieinsatz gekommen, bestätigt Zalando – noch am selben Tag habe man eine Anzeige eingereicht. Diese sei am 8. April eingegangen, bestätigt die Staatsanwaltschaft Erfurt gegenüber Handelsblatt Online. Der Vorwurf: Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. „Diese Anzeige halten wir aufrecht. Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind“, sagt Zalando-Sprecher Boris Radke.

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


Im Gegenzug habe auch die Reporterin gemeinsam mit Verdi eine so genannte Kündigungsschutzklage gegen das Unternehmen eingereicht. „Mitarbeiter, die Missstände öffentlich machen, können nicht mit fristloser Kündigung bestraft werden. Auch um dies zu dokumentieren hat die Reporterin nach juristischer Beratung entsprechende Klage eingereicht“, erklärte RTL-Sprecher Christian Körner gegenüber Handelsblatt Online. Anzeigen wie die von Zalando seien nicht die Regel. Zudem gehe es RTL „aus Sicht unserer Redaktion um Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen das Arbeitsrecht.“

Finanzielle Entschädigung oder Wiedereinstellung seien nicht angestrebt. Der Sender lässt die Reporterin in der Auseinandersetzung nicht allein: „Die Reporterin wird selbstverständlich jede notwendige juristische Unterstützung erhalten“, so Körner. Am vergangenen Donnerstag habe es ein erstes Treffen der Gewerkschaft Verdi mit Zalando in dieser Angelegenheit gegeben, heißt es aus derweil von Zalando.

Kommentare (14)

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15.04.2014, 17:08 Uhr

Nach 20 km zu Fuß schreit man - leider nicht vor Glück :(

Account gelöscht!

15.04.2014, 17:10 Uhr

Zalondo´s Motto sollte lauten:

"SCHREI VOR SCHMERZ" !!!


Das war es dann, mit der Aufdeckung der Misstände und der Reaktion von ZALONDO sind alle einfallsreichen und vermeintlich witzigen Werbekampagnen wie weggewischt.

Übrig bleibt das Image eines Knochenschinderbetriebs. Textilien oder Schuhe so einer Marke möchte niemand tragen. Moderne Sklaverei oder besser gesagt Ausbeutung auf Kosten der Mitarbeiter ist es nicht wert am Markt weiter zu bestehen. Die Nachfrage wird dies in einem spürbaren Umfang in den nächsten Wochen verdeutlichen.

Mutigen Journalisten gehört unser Respekt!

Account gelöscht!

15.04.2014, 17:20 Uhr

RTL: wie immer Qualitätsjournalismus... selbstverständlich.... Soso, eine Kündigungsschutzklage hat die Dame also zusammen mit VERDI eingereicht... 1. war sie direkt bei Zalando beschäftigt, dann wird sie wohl noch in der Probezeit gewesen sein, wo eine Kündigung innerhalb von 2 Wochen ohne Angabe von Gründen erfolgen kann und hier aufgrund des zerstörten Vertrauensverhältnisses auch fristlos....oder 2. sie war über eine AÜ-Gesellschaft beschäftigt (die ebenfalls eine Probezeit vereinbart haben dürfte, was gleiches wie oben bedeutet), die nun den Auftrag verloren hat, den Zalando erteilt hatte... Konsequenzen für Zalando wieder.. gleich null... Und was wollt ihr nun tun VERDI und RTL...! Richtig: mal wieder weiter mit Dreck werfen... so verändert ihr NICHTS... weil Euch keiner ernst nehmen kann.

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