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15.01.2011

11:06 Uhr

Nach Winterchaos

Ramsauer will Bahn umkrempeln

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) reagiert aus das Winterchaos bei der Bahn: Einem Magazinsbericht zufolge plant er weitgehende Änderungen in der Organisation des Staatskonzerns. Den Börsengang der Deutschen Bahn sieht der Minister in weiter Ferne.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer: Bahn-Umbau nach dem Winterchaos. dpa

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer: Bahn-Umbau nach dem Winterchaos.

HB BERLIN/HAMBURG. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) plant nach Informationen des "Spiegel" weitgehende Änderungen in der Organisationstruktur des Konzerns. Grund für das Maßnahmenpaket, das mehr Wettbewerb auf die Schiene bringen solle, sei das winterbedingte Chaos im vergangenen Dezember, berichtet das Magazin.

Ramsauer wolle sicherstellen, dass Gewinne aus den Trassenentgelten, die bei der Bahntochter DB Netz anfallen, künftig ausschließlich in die Schieneninfrastruktur investiert werden.

"Wir werden einen Finanzierungskreislauf Schiene schaffen", sagte Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle dem Blatt. Über Details werde derzeit mit dem Vorstand der Deutschen Bahn verhandelt. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Wochen präsentiert werden.

Noch weitreichender seien die Pläne, die derzeit in den Koalitionsfraktionen im Bundestag diskutiert würden, heißt es in dem Bericht. Demnach sollen nur noch die Logistik- und Auslandssparte der Bahn privatisiert werden, das lukrative Geschäft mit Netz und Zugverkehr aber im Staatseigentum bleiben. Vor allem DB Netz solle künftig aber unabhängiger von der Mutter operieren können. Dazu soll der "Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag" gekappt werden.

So könnten Gewinne, die die Bahn-Tochter erwirtschaftet, wieder in das Netz investiert werden, heißt es. Die Pläne sollen laut Magazin Mitte kommender Woche mit Ramsauer diskutiert werden.

Die Bahn musste für Verspätungen und Zugausfälle heftige Kritik von Politik und Kunden einstecken. Erstmals will Ramsauer am Mittwoch im Verkehrsausschuss konkrete Zahlen vorlegen. Nach "Spiegel"-Informationen waren 67 Prozent der Güterzüge im Dezember nicht pünktlich abgefahren, nur knapp die Hälfte kam pünktlich an. Im Personenverkehr hätten knapp ein Drittel der Züge ihr Ziel nur verspätet erreicht.

Kommentare (9)

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Beobachter

15.01.2011, 12:55 Uhr

...Der Herr Ramsauer wird also seiner inoffiziellen Amtsbezeichnung "Ankündigungsminister" wieder voll gerecht. Oder anders ausgedrückt: Große Klappe, nicht viel dahinter!

Rüdiger Kalupner

15.01.2011, 13:47 Uhr

Die erfolgreiche, d.h.den Kunden- und Volkswirtschafts-Nutzen maximierende Deutsche bahn gibt's nur bEFREiT VOM AUTO- und 2%Wachstumszwagn-CLAN der KAPiTALSTOCKMAXiMiERER.

Die bisherigen Db-Vorstände verfolgten im Dienste dieses Clans zwei geheime TOP-Ziele:
1. Minimierung der Autokonkurrenz - für PKW's und LKW's
2. Maximierung des investitions- und Schuldenvolumens.

Sie dienten also einer fremden Macht. Wenn der Verrat der Db-Vorstände öffentlich in allen Einzelheiten diskutiert wird, wird es in Deutschland ein revolutionäres HEUREKA! geben. Diese Logik des S21-Konflikts ist eindeutig: er kann für die Transparenz sorgen, durch die alle erkennen, dass ein Art Rumpelstilzchenherrschaft, d.h. eine geheime Steuerungswissensherrschaft sich in Deutschland eingerichtet hat.

B_ernd

15.01.2011, 15:02 Uhr

Wettbewerb auf der Schiene im Sinne der Marktwirtschaft kann es nur geben, wenn das Schienennetz unternehmerisch von der Transportdienstleistung getrennt wird. Oder kann sich jemand Wettbewerb auf der Straße vostellen, wenn wir das Straßennetz einem einzigen Transportunternehmen übereignen. So ein Konstrukt ist marktwirtschaftlich Unsinn.

Mit der Herauslösung des Schienennetzes aber wäre ein börsengang der bahn nie attraktiv gewesen.

Nun hat man für eine hirnrissige idee, die nur kurzfristigem Erlösdenken gefolgt ist, das Unternehmen kaputtgespart. Glück im Unglück ist, dass der börsengang bisher nicht stattfand und man kann - befreit von der Profit getriebenen Gruppendynamik der Kurzdenker - die bahn wieder zu einem verlässlichen Unternehmen machen, das nicht von Service redet, sondern ihn bietet.

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