Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2014

12:18 Uhr

Nach zwei Katastrophen

Krisen-Airline Malaysia soll verstaatlicht werden

Zwei Verluste von Passagiermaschinen mit mehr als 500 Toten in einem Jahr kann Malaysia Airlines kaum verkraften. Nun soll die Fluggesellschaft verstaatlicht werden. Den Gewerkschaften geht das offenbar nicht weit genug.

Ein Mann kehrt den Boden, auf dem ein Gemälde an die Passagiere des verschwundenen Malaysia-Airlines-Flugs MH 370 erinnert. ap

Ein Mann kehrt den Boden, auf dem ein Gemälde an die Passagiere des verschwundenen Malaysia-Airlines-Flugs MH 370 erinnert.

Kuala LumpurNach dem Verlust zweier Passagiermaschinen innerhalb weniger Monate soll die Fluggesellschaft Malaysia Airlines verstaatlicht werden. Das erklärte am Freitag die staatliche Investitionsgesellschaft Khazanah Nasional, die bereits jetzt die Mehrheit der Anteile an der Airline besitzt. Die anderen Anteilsbesitzer sollen mit einem Aufpreis auf den letzten Aktienkurs abgefunden werden.

Die Aktie von Malaysia Airlines soll damit von der Börse genommen werden, bevor das Unternehmen grundlegend umgewandelt wird, wie es weiter hieß. Es werde eine vollständige Neuaufstellung der Fluggesellschaft angestrebt, der Plan dazu soll bis Ende August vorliegen.

Ministerpräsident Najib Razak begrüßte den Schritt. „Malaysia Airlines ist Teil der Geschichte von Malaysia. Das Unternehmen ist ein Symbol des Nationalstolzes, unserer Ambitionen und unseres Platzes in der Welt“, teilte er mit. „Es ist mehr als nur ein Unternehmen. Wir packen diese Veränderungen an, um sicherzustellen, dass das Unternehmen auch Teil der Zukunft Malaysias ist.“

Abschüsse von Passagierflugzeugen

Seit dem zweiten Weltkrieg

In der Geschichte der zivilen Luftfahrt sind seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere Abschüsse von Passagierflugzeugen bekannt geworden. Zu ihnen gehören:

21. Februar 1973

Am 21. Februar 1973 wird über dem Sinai ein libyscher Passagierjet von einem israelischen Kampfflugzeug abgeschossen. Dabei kommen 108 der 113 Insassen der Boeing 727 des Flugs 114 ums Leben.

1. September 1983

Am 1. September 1983 wird ein Jumbo-Jet der Korean Airlines wegen angeblicher Verletzung des damaligen sowjetischen Luftraums von einem Kampfflugzeug über internationalen Gewässern westlich der Insel Sachalin abgeschossen. Alle 269 Menschen an Bord von Flug KAL 007 kommen ums Leben.

3. Juli 1988

Am 3. Juli 1988 wird eine iranische Linienmaschine auf einem Kurzstreckenflug nach Dubai über dem Persischen Golf vom US-Kriegsschiff USS Vincennes mit einer Rakete abgeschossen. Alle 290 Menschen an Bord der Maschine des Flugs 655 kommen ums Leben.

4. Oktober 2001

Am 4. Oktober 2001 wird eine Tupolew Tu-154 der russischen Fluggesellschaft Sibir auf dem Weg von Tel Aviv nach Nowosibirsk in der Nähe von Sotschi von einer Flugabwehrrakete getroffen. Untersuchungen ergeben, dass die Maschine von einer ukrainischen Flugabwehrrakete getroffen worden war, die sich bei einem Übungsschießen auf der Krim selbstständig gemacht hatte. Alle 78 Insassen des Flugzeugs sterben.

Bereits kurz vor der Mitteilung waren die Papiere der Fluggesellschaft vom Handel an der Börse in Kuala Lumpur ausgesetzt worden. Die Airline selbst habe die Aussetzung beantragt, hieß es in einer Mitteilung der malaysischen Börse.

Malaysia Airlines hat in diesem Jahr bereits zwei Passagiermaschinen verloren. Im März verschwand Flug 370 mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos. Im Juli kamen die 298 Insassen von Flug 17 ums Leben, als die Maschine über der Ukraine abgeschossen wurde. Der Vorstand der Fluggesellschaft betonte, der laufende Betrieb werde unverändert fortgeführt, eine Erklärung folge.

Die Fluggesellschaft hatte schon vor den beiden Unglücken wirtschaftliche Probleme: Seit 2011 hat die National-Airline Verluste in Höhe von rund einer Milliarden Euro geschrieben. Billig-Airlines machen Malaysia das Leben schwer. Zuletzt war auch über eine Insolvenz der Airline spekuliert worden.

Damit könnte sich Airline-Chef Ahmad Jauhari Yahya mehr Freiheiten beim Umbau der Airline schaffen. Die Macht der einflussreichen Gewerkschaften wäre gebrochen. Im Mai hatten sie seinen Rücktritt gefordert, das Verhältnis gilt als vergiftet.

Doch nun machen die Arbeitnehmervertreter Druck und fordern erneut Jauhuris Abgang. „Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir eine neue Mannschaft unterstützen werden, die das Luftfahrtwissen und Integrität für den Job hat“, sagte der Chef der größten bei Malaysia Airlines vertretenen Gewerkschaft Maseu, Mohd Jabarullah Abdul Kadir. Der ehemalige Energie- und Ölmanager Jauhuri ist erst seit knapp drei Jahren im Amt, sein Vertrag läuft in wenigen Monaten aus.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

08.08.2014, 09:30 Uhr

Malaysia Airlines soll verstaatlicht werden
----------
Sie ist doch heute schon ein halbstaatliches Unternehmen.
Was verspricht man sich davon, wenn sie verstaatlicht wird?
Und was versprechen sich die Gewerkschaften davon?

Damit könnte sich Airline-Chef Ahmad Jauhari Yahya mehr Freiheiten beim Umbau der Airline schaffen. Die Macht der einflussreichen Gewerkschaften wäre gebrochen. Im Mai hatten sie seinen Rücktritt gefordert, das Verhältnis gilt als vergiftet.

Die Gewerkschaften sind die Totengräber jedes Unternehmens.

Malaysia Airlines hat innerhalb kürzester Zeit zwei Maschinen verloren. MH370 wird immer noch vermisst, MH17 wurde abgeschossen, dafür kann Malaysia Airlines nichts.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×