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26.01.2005

08:52 Uhr

Nachgefragt: Rüdiger von Rosen

„Frankfurt muss das Zentrum sein“

Rüdiger von Rosen ist Leiter des Deutschen Aktieninstituts und war früher Chef der Deutschen Börse. Im Interview erklärt er, welche Vorteile sich durch eine Übernahme der LSE für die börsennotierten Firmen in Deutschland ergeben könnten.

Handelsblatt: Das Echo auf die Pläne der Börse, die LSE zu übernehmen, ist in Deutschland diesmal sehr viel positiver als beim Fusionsversuch 2000. Was hat sich geändert?

Rüdiger von Rosen: Nach allem, was in der Öffentlichkeit bislang bekannt ist, scheint es nicht angedacht zu sein, die Märkte einschließlich aller Regularien zu fusionieren. Damals war das Problem, dass sich deutsche Emittenten nach London zwangsversetzt sahen – mit allen Konsequenzen wie etwa englisches Zulassungsrecht, vor allem aber mit der Gefahr, dass deutsche Aktien im größeren englischen Markt nicht die erforderliche Beachtung finden. In Deutschland wäre nur der Neue Markt verblieben. Heute wissen wir, was wir davon gehabt hätten.

Und beim jetzigen Modell sieht es besser aus?

Jetzt sieht es so aus, als sollten die nationalen Märkte – also hier die öffentlich-rechtliche Frankfurter Wertpapierbörse – mit ihrer regulativen Infrastruktur, also Zulassungsvoraussetzungen und so weiter, erhalten bleiben und nur die „technischen“ Funktionen auf eine gemeinsame Basis gestellt werden. Dagegen wäre auch aus Emittentensicht wenig einzuwenden; die Heimatbörsen blieben erhalten.

Im Gespräch ist, wichtige Vorstandsressorts wie Kassa- und Terminhandel nach London zu verlegen. Welche Folgen hätte dies für den Finanzplatz Frankfurt?

An einem Vorstandsressort hängen immer auch qualifizierte Mitarbeiter. Jede Ausdünnung dieses Mitarbeiterstabs ist natürlich ein Verlust an Humankapital für den Finanzplatz, der ja von den Menschen abhängt. Daher wünsche ich mir, dass die Hauptfunktionen hier in Frankfurt bleiben.

Es gibt eine Reihe von Beobachtern, die eine schleichende Machtverlagerung nach London befürchten.

Die Deutsche Börse AG ist selbst börsennotiert, und auch das geographische „Machtzentrum“ wird letztlich von den Aktionären bestimmt. Auch die Anforderungen der nationalen Börsenaufsicht spielen hier eine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass das Zentrum der Entscheidungskompetenzen in Frankfurt bleibt.

Welche Vorteile könnte eine Übernahme für die börsennotierten Firmen in Deutschland haben?

Positiv könnte sich ein liquiderer Handel auch in Deutschland auswirken. Mit dem Alternative Investment Market (AIM) würde die Londoner Börse zudem einen Markt für junge Unternehmen einbringen, der in Großbritannien bereits eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen mit Eigenkapital versorgt hat. Einen solchen Markt brauchen wir in Deutschland auch. Der AIM könnte dabei wesentliche Impulse für ein entsprechendes Pendant in Frankfurt geben.

Was würde es für die Börse und den Finanzplatz Deutschland bedeuten, wenn die LSE an Euronext ginge?

Dann hätte die Deutsche Börse weiterhin einen starken Wettbewerber, der Kostenvorteile für sich nutzen könnte. Euronext hätte eine bessere Ausgangsposition bei der Anbindung weiterer europäischer Börsen.

Die Fragen stellte Christian Potthoff.

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