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01.02.2011

12:16 Uhr

Nachhaltigkeit

Kik, Schlecker und Co wollen wieder reines Gewissen haben

VonChristoph Schlautmann

Kik Schlecker sorgten mit schlechte Arbeitsbedingungen für Schlagzeilen, nach dem Dioxin-Skandal steht auch die Lebensmittelbranche in der Kritik. Jetzt soll endlich Nachhaltigkeit und ein reines Gewissen für positive Entwicklungen sorgen.

Der Handel entdeckt die Nachhaltigkeit dpa

Der Handel entdeckt die Nachhaltigkeit

HAMBURG. Noch nie gab es innerhalb kürzester Zeit so viele Umwelt- und Sozialskandale bei Unternehmen wie in den vergangenen Monaten. Die Folgen: Die Verbraucher werden immer kritischer. Das merken auch die Firmen. Seit dem Dioxin-Skandal vertraut nur noch ein Viertel der Deutschen darauf, dass Lebensmittel ausreichend kontrolliert werden, fanden die Marktforscher der GfK heraus. Immer öfter machen Konsumenten zudem mit Boykotten ihrem Unmut Luft: Zuletzt mieden sie etwa nach Skandalen um schlechte Arbeitsbedingungen den Textildiscounter Kik und die Drogeriekette Schlecker.

Kein Wunder, dass Deutschlands Einzelhandel, der mehrheitlich bis vor zwei Jahren "Nachhaltigkeit" für renditevernichtenden Hokuspokus hielt, das Thema inzwischen zur Vorstandsaufgabe erklärt hat.

Nach heftigen Kundenprotesten die auf die ARD-Enthüllung bezüglich der "miesen Methoden des Textildiscounters" Kik folgten, baute etwa die Tengelmann-Tochter ihre Geschäftsführung um. Der Bericht hatte angeprangert, dass das Unternehmen angeblich mit Kinderarbeit in Bangladesch nähen ließ. Zum Jahreswechsel geriet zudem Deutschlands Geflügelwirtschaft in Verruf, weil sie offenbar fahrlässig dioxinverseuchtes Tierfutter eingesetzt hatte.

Nun reagieren die Handelskonzerne. Nicht nur Marktführer Metro installierte vor gut einem Jahr einen "Nachhaltigkeitsrat", dessen Vorsitz Vorstandschef Eckhard Cordes persönlich übernahm. Vor wenigen Tagen veröffentlichte auch Wettbewerber Rewe eine "Leitlinie für nachhaltiges Wirtschaften", nach der sich Mitarbeiter wie Lieferanten zu richten haben. "Nachhaltigkeit wird zu einem Wettbewerbskriterium", sagt Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IfH), der jetzt deren Nutzen in einer Studie untersuchen ließ.

Gerade Handelsunternehmen geraten dabei nach Ansicht Heddes in den Focus. Sie nämlich sind die Schnittstelle zwischen den Konsumgüterherstellern und den Verbrauchern, und die werden dank der Vorfälle der vergangenen zwölf Monate immer kritischer. Die Erkenntnis kommt spät. Während Deutschlands Autobauer, Energiekonzerne oder Chemiefirmen wie BASF und Henkel seit Jahren zumindest vorgeben, auf Nachhaltigkeit zu setzen, hielten sich die Händler lange zurück. Allenfalls Einzelpersonen wie der Versandhändler Michael Otto oder Wolfgang Gutberlet, Chef der Supermarktkette Tegut, fielen durch ihr Engagement auf.

Nachhaltigkeit als Gewinntreiber

Als vor zwei Jahren das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Deutschlands die Firmen mit den besten Nachhaltigkeitsberichten kürte, rangierte der Handel weit abgeschlagen. Schaffte es Otto als bestplatzierter Händler gerade noch auf Rang zehn, verwies das Institut Rewe (Platz 21) oder Metro (Platz 40) auf die hinteren Ränge.

Kommentare (1)

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Tomonline

27.04.2011, 23:43 Uhr

Ach die merken plötzlich das man damit auch Geld verdienen kann. Doch nicht wegen des schlechten Gewissens. Jetzt springen alle auf. Auch das Handeslblatt wird eine wende vollziehen. Demnächst dann hoffentlich auf Recycling-Papier. Ist oft auch günstiger und qualitativ nicht schlechter als frisches Papier. Da gibt´s dann auch bald ne schlechte Kritik vom Handesblatt so ähnlich wie sie Greenpeace krtitisiert haben bezüglich des Themas "Was Strom wirklich kostet" Thomas Wirp

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