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12.01.2010

18:23 Uhr

Nachrichtenkanal

Senderchef und Aust wollen N24 kaufen

VonHans-Peter Siebenhaar

Torsten Rossmann hat immer schon vom Unternehmerdasein geträumt. Der ehrgeizige Chef des Nachrichten- und Dokumentationskanals N24 will nun Nägel mit Köpfen machen und den eigenen Kanal kaufen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Chef des „Spiegels“, Stefan Aust, arbeitet der promovierte Politikwissenschaftler an einem entsprechenden Konzept.

Der Chef des Nachrichten- und Dokumentationskanals N24: Torsten Rossmann. dpa

Der Chef des Nachrichten- und Dokumentationskanals N24: Torsten Rossmann.

DÜSSELDORF. Die Pläne bestätigte der Sender dem Handelsblatt. Der Mutterkonzern Pro Sieben Sat 1 ist nach eigenen Angaben zu einem Verkauf bereit. Die Transaktion könnte noch im ersten Quartal über die Bühne gehen. Der Kaufpreis ist aber unklar. Er sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer einzuschätzen und „hängt von den Rahmenbedingungen ab, die noch zu definieren sind“, sagte Rossmann gestern dem „Tagesspiegel“. Rossmann will auch die konzerneigene Produktionsfirma Maz & More in Berlin übernehmen, die für Sat 1 das Frühstücksfernsehen produziert. Dort hat Rossmann vor einem Jahr die Geschäftsführung übernommen.

Der Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling, muss das Problem des Verlustbringers N24 schleunigst lösen. Der Kanal soll im vergangenen Jahr einen zweistelligen Millionenverlust produziert haben, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Erlöse des Senders würden bei rund 60 Mio. Euro liegen. Pro Sieben Sat 1 wollte diese Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren.

Rossmann ist ein Ziehsohn des charismatischen Medienunternehmers Georg Kofler. Bei dem früheren Pro-Sieben-Chef lernte der heute 46-jährige Flensburger die Kniffe des Fernsehgeschäfts. An der Gründung von N24 war er unmittelbar beteiligt. Rossmann, einst Journalist beim Branchendienst „text intern“, führt bereits seit 2003 den Berliner Sender. Zuvor war er jahrelang Sprecher von Pro Sieben Sat 1.

Fraglich ist aber, ob N24 eine wirtschaftliche Zukunft hat. „Der Erfolg steht und fällt mit dem Zuliefervertrag von Pro Sieben Sat 1“, sagt ein Fernsehmanager. Wenn der Sender mit noch 240 Mitarbeitern spare und einen soliden Drei-Jahres-Vertrag abschließe, könne er schwarze Zahlen schreiben.

In der Nachrichtenzentrale am Potsdamer Platz in Berlin genießt Torsten Rossmann hohes Ansehen. In den eigenen Reihen wird von Mitarbeitern seine Begeisterung für das Nachrichtengeschäft geschätzt, obwohl sein Managementstil sehr direkt, manchmal auch ruppig ist.

Für Pro-Sieben-Sat-1-Chef Ebeling wäre ein Verkauf an den von ihm geschätzten Manager Rossmann und dessen Partner Aust eine schnelle und verlässliche Lösung. Die Sendergruppe, die einen milliardenschweren Schuldenberg zu bewältigen hat, braucht dringend einen Umbau, um an frühere Zeiten anknüpfen zu können.

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