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12.10.2011

14:44 Uhr

Nachtflüge

Lufthansa und Fraport kämpfen um Notfall-Flugpläne

Nach dem Verbot von Nachtflügen in Frankfurt machen Flughafenbetreiber und Fluglinien ihrem Ärger Luft. Sie fürchten Millionenschäden - und müssen unter Zeitdruck ihre Flugpläne neu schreiben. Die Folgen sind verheerend.

Maschine von Lufthansa Cargo in Frankfurt: Das Nachtflugverbot hat dramatische Folgen. dpa

Maschine von Lufthansa Cargo in Frankfurt: Das Nachtflugverbot hat dramatische Folgen.

FrankfurtDie Strategen von Fraport hatten alles genau durchgerechnet: 14,2 Flüge sollten durchschnittlich jede Nacht über die Frankfurter Köpfe hinwegdonnern. In den Nächten zwischen Oktober und März, so die Kalkulation des Frankfurter Flughafenbetreibers, würden 1.594 Maschinen von Lufthansa Cargo abheben und landen, 315 Flieger von Night Express, 169 von Tui und 116 Maschinen der Fluggesellschaft Condor. So schrieb es das Fachblatt „Deutsche Logistik-Zeitung“ vor wenigen Tagen.

Alles vergebens. Der so genannte Winterflugplan, der ab Ende dieses Monats in Kraft treten sollte, war ausgefeilt bis ins letzte Detail - doch gestern machte der hessische Verwaltungsgerichtshof den Plänen von Luftlinien und Flughafenbetreiber einen Strich durch die Rechnung. Am Frankfurter Flughafen gilt nach den Klagen mehrerer Anwohner ab Ende Oktober vorerst ein Nachtflugverbot.

Die wichtigsten Daten und Fakten zum Flughafen Frankfurt

Deutschlands größtes Luftfahrtdrehkreuz

Der Flughafen Frankfurt ist Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den Luftverkehr. Im Sommerflugplan 2011 standen nach Angaben des Betreibers Fraport allein 4.585 Flüge zu 298 Zielen pro Woche im Passagier-Linienverkehr und 250 Flüge pro Woche im Fracht-Linienverkehr.

Eine halbe Million Flüge pro Jahr

Im vergangenen Jahr wurden 464.432 Flugbewegungen registriert und durchschnittlich 150.000 Passagiere pro Tag abgefertigt. Im Schnitt saßen 123 Passagiere in jeder Maschine.

Frachtvolumen wird in diesem Jahr sinken

In diesem Jahr steuert FRA - so die Kennung der Luftfahrtorganisation IATA - auf einen neuen Passagierrekord zu: Ende August lagen die Zahlen um 7 Prozent über dem Wert aus dem Vorjahr. 2010 wurden 53 Millionen Fluggäste gezählt. Die leicht lahmende Weltwirtschaft wird wohl dazu führen, dass das Frachtvolumen von 2010 nicht wieder erreicht wird.

Kanzlerin Merkel soll neue Piste einweihen

In nur zweieinhalb Jahren entstand die neue Landebahn Nordwest, die am 21. Oktober von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) offiziell in Betrieb genommen werden soll. Mit der zusätzlichen Piste
kann die Zahl der Flugbewegungen pro Jahr nach Angaben von Fraport auf mehr als 700.000 steigen.

Steigendes Passagieraufkommen erwartet

Damit will der Flughafen den für 2020 prognostizierten 88,3 Millionen Passagieren gerecht werden. Der Stundeneckwert soll im Endausbau von jetzt 82 auf 126 steigen.

Die Einschränkung tritt mit Inbetriebnahme der neuen vierten Landebahn in Kraft. In der Zeit zwischen 23.00 und 5.00 Uhr dürften keine Maschinen mehr starten oder landen. Der Flughafenbetreiber Fraport nimmt die neue Bahn zu Beginn des Winterflugplans am 30. Oktober in Betrieb. Für die betroffenen Airlines ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

12.10.2011, 12:56 Uhr

Wenn die Flüge in der Nacht für die Lufthansa soooo vital sind, dann möge doch die Lufthansa die etwa 120.000 Bürger, die in der Lärmschutzzone 1 leben, zu ihrer Zufriedenheit umsiedeln. Alternativ schlage ich vor, alle Lufthansa Cargo-Mitarbeiter mögen bitte mit diesen 120.000 Lärmbelästigten Ihre Wohnung tauschen.
Die Ferienflieger können auch vom Flughafen Hahn starten. Für die meisten Reisenden dürfte es keine Rolle spielen, ob sie von Frankfurt oder Hahn starten. Das würde auch die Verluste des Flughafen Hahn vermindern, für die letztlich der Steuerzahler aufkommt.

roland1001

12.10.2011, 13:26 Uhr

Was man noch zu dem Bericht ergänzten könnte ist der Umstand, dass ein völliges Nachflugverbot bereits im Mediationsverfahren zur neuen Landebahn von allen Beteiligten ausgehandelt war und dann nachträglich - unter Mitwirkung der hessischen Landesregierung - durch die Genehmigung von 17 Nachflügen pro Nacht ausgehebelt wurde. Jetzt aus Lufthansa-Sicht so zu tun als ob das völlig überraschend gekommen wäre ist scheinheilig. Aber so funktioniert Politik leider in unserer Zeit: Eine Pseudo-Bürgerbeteiligung vorgaukeln und - wenn das Ergebnis ökonomisch nicht passt - sich über getroffene Vereinbarungen einfach hinwegsetzen. Da kann man nur die Richter beglückwünschen, die diesem ehrlosen Treiben durch wirtschaftlich schmerzhafte Entscheidungen Einhalt gebieten. Arbeitsplätze hin oder her: Recht muss Recht bleiben.

Account gelöscht!

12.10.2011, 13:49 Uhr

Ich denke auch, dass man nicht von "völlig überraschend" sprechen kann. Schliesslich läuft das Verfahren schon lange und ist eben genau an den 21.10. gekoppelt...

Weiterhin stimme ich zu, dass es unglaublich ist, dass Tiscona umgesiedelt wird, aber Lärmschutzmassnahmen für die unmittelbar betroffenen erst nach der Inbetriebnahme "nach Bedarf" in Betracht gezogen werden.

Lärm ist auch eine Emission, hierfür sollten endlich, wie schon für CO2, Emissionszertifikate vergeben werden. Das könnte ja durchaus direkt von den Betroffenen in der Lärmschutzzone erfolgen.

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