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15.06.2012

10:47 Uhr

Nachtflugverbot

Geisterstunde an der Startbahn

VonJens Koenen

Beim Flughafenausbau in Frankfurt wollte die Politik mit einem Kompromisskurs Betreiber und Gegner versöhnen. Sie ist gründlich gescheitert. Durch das Nachtflugverbot kommt es zu absurden Zuständen.

Eigentlich strikt verboten: Eine Passagiermaschine der Lufthansa startet Anfang Januar auf dem Flughafen in Frankfurt am Main zu einem Nachtflug. dpa

Eigentlich strikt verboten: Eine Passagiermaschine der Lufthansa startet Anfang Januar auf dem Flughafen in Frankfurt am Main zu einem Nachtflug.

FrankfurtDer Frust steht Kay Kratky ins Gesicht geschrieben. „Ich habe Verständnis für die Menschen, die für ihre Nachtruhe kämpfen. Aber das hier entwickelt sich gerade in eine völlig falsche Richtung“, sagt der Flugkapitän. Er ist Mitglied des Vorstands der Passagiersparte von Lufthansa, und was ihn so nervt ist das Nachtflugverbot ab elf Uhr am Frankfurter Flughafen. Besser gesagt die aus seiner Sicht übertrieben rigide Handhabung dieses Verbots: Immer wieder muss Lufthansa Flugzeuge, die schon kurz vor der Startbahn stehen, zurück ans Gate rufen, müssen die Passagiere bis zum nächsten Tag warten, weil es durch Verzögerungen im Betriebsablauf plötzlich kurz nach 23 Uhr ist.

In Frankfurt treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite sind die Flughafengegner, die lärmgeplagten Bürger in vielen Nachbargemeinden des größten deutschen Airports. Penibel zählen sie seit dem vom höchsten deutschen Verwaltungsgericht verhängten Nachtflugverbot die Flüge, die dennoch zwischen 23 und fünf Uhr in der Früh stattfinden. Alleine im Mai waren es nach der Statistik des hessischen Verkehrsministeriums 207 Starts und Landungen.

Auch Kratky präsentiert Zahlen, die beeindrucken, die das ganze Dilemma des „Frankfurter Modells“ zeigen. 1200 Fluggäste mussten unmittelbar vor Pfingsten in Hotels übernachten, 300 sogar am Terminal, weil sie als Umsteiger-Passagiere keine gültigen Einreisedokumente hatten. Darunter waren Familien mit Kleinkindern oder auch allein reisende Kinder.

Alles das ist Folge jahrzehntelanger Fehlentscheidungen. Vor Jahren hatte sich die Politik die bürgerliche Zustimmung für den Bau einer vierten Bahn mit dem Versprechen eines Nachtflugverbots erkauft. Dann weichte die CDU-Regierung dieses Versprechen auf. Plötzlich sollte auch nachts geflogen werden, wenn auch deutlich weniger als vor der Inbetriebnahme der vierten Bahn. Später kippte der Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig die nun doch erlaubten Nachtflüge wieder.

Das Dilemma: Die Politik hat sich an dem Thema Flughafenausbau mittlerweile so sehr die Finger verbrannt, dass ihr gar nichts anderes übrigbleibt, als nach außen Härte zu zeigen. Spätestens die Wahlschlappe der CDU bei der Bürgermeisterwahl in Frankfurt hat den Politikern gezeigt, dass das Thema äußerst sensibel ist.

Doch Lufthansa-Vorstand Kratky kämpft weiter. „Wir brauchen flexiblere Regelungen, vor allem, wenn die Airlines keine Schuld an den Verzögerungen trifft“, sagt er. Lufthansa habe bereits den Flugplan soweit möglich nach vorne gezogen. „Der letzte Flug hier in Frankfurt verlässt das Gate um 22.15 Uhr. Wie haben also 45 Minuten Puffer eingeplant.“

Für die Airlines geht es um viel. „Die Situation bedeutet nicht nur einen Reputationsverlust für Lufthansa, sie kostet auch richtig Geld. Allein Lufthansa hat seit dem Nachtflugverbot Ende vergangenen Jahres Mehrkosten im knapp zweistelligen Millionenbereich, etwa für Hotels oder Verpflegung“, sagt Kratky. Noch schlimmer seien aber die langfristigen Folgen: „Wir hören immer häufiger von Passagieren, dass sie Flüge, die kurz vor Beginn des Nachtflugverbots abheben sollen, künftig vermeiden und auf andere Airlines und Flughäfen ausweichen wollen. Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung.“

Kommentare (11)

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W53S

15.06.2012, 11:15 Uhr

wenn die politik die bürger belügt, leere versprechungen macht, kompromisse macht, die sich gar nicht halten will, um ein projekt durchzudrücken und anschliessend ihre versprechen bricht, dann geht das eben voll in die hose.
die schuld den belogenen bürgern zu geben ist da nicht hilfreich. wer sollte denn in diesem land noch einem kompromiss zustimmen?

DEUFRA2011

15.06.2012, 11:28 Uhr

207 Starts und Landungen zwischen 23 und 5 Uhr, das sieht ja nicht so schlimm aus, oder?. Dabei gibt es aber Nächte mit über 50 Starts und Landungen. Alles "Ausnahmen". Es genügen 2 oder 3 laute Flugzeuge in der Nacht über ihrem Haus und dann können sie eigentlich das Schlafen für diese Nacht vergessen. Sie haben nämlich dann die verängstigten Kinder bei sich im Bett!
Mir ist lieber 100 Urlauber gehen noch mal ins Hotel und der Pilot ist etwas verärgert anstatt 10000 Menschen die den nächsten Tag schlaftrunken auf die Arbeit und in die Schule gehen. Die Packung Schrimps kann auch 12 Stunden später landen und die 10 Schrauben für Volkswagen in Shanghai kann man auch anders organisieren.
So ist das eben wenn man 20 Flüge in die letzten 5 Minuten packt. Das geht dann auch mal etwas schief.
3 Aspirinpäckchen im Frachtraum und das ist dann schon ein dringender Arzneimittelhilfsflug. Wir trauen den Leuten vom Ministerium, der FRAPORT und der Lufthansa nicht mehr über den Weg. Wir sind schon zu oft belogen und betrogen worden. Die sind ja jetzt "betroffen" und haben es sich auch nícht so schlimm vorgestellt. Ein größeres Zeugnis ihrer eigenen Unfähigkeit oder Unverfrorenheit können sich diese hochdotierten Luschen doch gar nicht ausstellen. Die haben das alles gewußt und trotzdem gebaut. Sie wohnen ja alle woanders. ALLE, auch die liebe Frau Roth!

RainerGroer

15.06.2012, 12:45 Uhr

Jahrelang wurden die Bürger belogen und betrogen. Nachdem jetzt endlich einmal geklärt wurde was Recht ist sind jetzt eben einmal die anderen dran sich aufzuregen. Willkommen im Club!!! Jahrelang habt ihr nicht verstanden was ihr den Menschen antut, warum sollten wir euch jetzt verstehen, zumal es bei uns so laut ist...!!!

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