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14.09.2011

16:19 Uhr

NDR-Bericht

Easycash wollte mit Millionen EC-Daten Kasse machen

Der EC-Kartennetzbetreiber Easycash verfügt über gewaltige Datenmengen aus dem bargeldlosen Zahlungsverkehr. Diesen Schatz wollte das Unternehmen versilbern und Risikoprofile anbieten. Datenschützer sind entsetzt.

Easycash gerät nicht zum ersten Mal ins Visier der Datenschutzbeauftragten. dpa

Easycash gerät nicht zum ersten Mal ins Visier der Datenschutzbeauftragten.

Ratingen/DüsseldorfNicht lange her, da brummte der NRW-Datenschutzbeauftragte dem EC-Kartennetzbetreiber Easycash 60.000 Euro Strafe auf - Grund war die Weitergabe von Kundendaten an eine Schwesterfirma. Nun kommt heraus: Das Ratinger Unternehmen soll darüber hinaus Ideen zum Verkauf sensibler Kundendaten an andere Unternehmen entwickelt haben. Es geht um Risikoprofile von Millionen Verbrauchern. Außerdem soll aus dem EC-Zahlungsverkehr ein Risiko-Index für das jeweilige Bankkonto errechnet worden sein. „Das ist schlicht unzulässig“, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten am Mittwoch in Düsseldorf.

Easycash, größter Dienstleister für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland, betonte in Ratingen bei Düsseldorf, das Geschäftsmodell werde bereits seit Mai 2010 nicht mehr verfolgt. Unternehmen, die die Daten empfangen hätten, seien von Easycash zudem vertraglich verpflichtet worden, jeden einzelnen Kunden über die Datennutzung zu informieren.

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Der Skandal um heimliche Bonitätsprüfungen von EC-Karten an der Kasse weitet sich aus. Neben dem größten Abrechnungsunternehmen Easycash bietet wohl auch die Nummer zwei der Branche eine ähnlich umstrittene Datenbanknutzung an. Die FDP will nun hart durchgreifen, was der Bundesdatenschutzbauftragte ablehnt – und Deutschlands oberster Verbraucherschützer fordert schärfere Sanktionen.

Ob mit einer EC-Karte viel oder wenig eingekauft worden ist, ob Lastschriften schon platzten oder auch große Summen immer beglichen wurden, all das kann Easycash bereits beim Einsatz der EC-Karte in eine sogenannte Zahlungswegeempfehlung münden lassen. Riecht die Art des Gebrauchs der Karte etwa nach Betrug, kann das am EC-Verkehr angeschlossene Unternehmen eine Lastschrift verweigern und beim Kunden auf Bargeld oder der Eingabe der Geheimnummer bestehen.

Von einer solchen Empfehlung zu einem Risiko-Indexwert, der dank der Kontonummer untrennbar mit dem Besitzer der EC-Karte verbunden ist, war es daher für die Ratinger kein weiter Weg. Das sollte ein neues Geschäftsmodell werden: Bonitätsauskünfte über Millionen EC-Kartenbesitzer, deren Namen Easycash dank der Kontonummer dafür noch nicht einmal kennen muss. Nicht „personenbezogen“ also, aber „personenbeziehbar“. Man habe das Geschäftsmodell „unter strikter Beachtung der Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes konzipiert“, verteidigte sich Easycash.

„Da unterliegt das Unternehmen einem Irrtum“, kontert die Sprecherin des NRW-Datenschutzbeauftragten. „Easycash darf die Daten für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs verwenden - aber auch nur dafür“, sagte sie. Dies habe man dem Unternehmen auch sehr deutlich mitgeteilt, nachdem der Behörde das Ausmaß der Pläne bekanntgeworden sei.

Kreative Ideen zur Zweitverwertung

Zu einer größeren Weitergabe von Risikoprofilen sei es aber den Prüfungen zufolge nicht gekommen: „Wir wissen von zwei Fällen. Dabei ging es um Auskünfte über zwei Personen für eine Bank. Das war wohl ein Testlauf.“ Der NRW-Datenschutzbeauftragte Ulrich Lepper hatte wegen unerlaubter Datenweitergabe erst vor wenigen Tagen 60.000 Euro Bußgeld gegen Easycash verhängt. Das Unternehmen akzeptierte die Buße. Erkenntnisse über die Zahlungsfähigkeit von Kontoinhabern sollten dem Radiosender NDR Info zufolge Inkassounternehmen, Versandhandel, Versicherungen und Telekom-Firmen verkauft werden. Easycash- Geschäftsführer Christoph Pfeifer habe eingeräumt, dass es bereits Verträge mit anderen Unternehmen gegeben habe.

Die Verwendung von Bonitätsdaten ist strikt geregelt: So dürfen etwa von der Schufa Holding nur vom Verbraucher unbestrittene Forderungen verwendet werden. Die Kunden müssen über die Verwendung informiert und in der Regel mit ihr einverstanden sein. Auch dürfen sie nur den 6000 Vertragsunternehmen mitgeteilt werden, die ein Kreditrisiko beim Geschäft mit dem Verbraucher tragen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.09.2011, 16:47 Uhr

Solange Einwohnermeldeämter die Adressen "ihrer" Einwohner verkaufen dürfen, kann ich mich darüber nicht wirklich aufregen.
Immerhin kann ich, so ich denn will, in Geschäften bar bezahlen.

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