Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.11.2012

13:29 Uhr

Neckermann-Insolvenz

Otto erwirbt Internet-Marken von Neckermann

Beim Ausverkauf des insolventen Neckermann-Konzerns hat das Versandhaus Otto bei den Markenrechte der Internettochter des ehemaligen Konkurrenten zugeschlagen. Otto baut damit sein Online-Geschäft weiter aus.

Das Versandhaus Otto will sich die Markenrechte der Internettochter des insolventen Konkurrenten Neckermann zu Nutze machen. dapd

Das Versandhaus Otto will sich die Markenrechte der Internettochter des insolventen Konkurrenten Neckermann zu Nutze machen.

HamburgDie Versandhausgruppe Otto übernimmt die Internetmarke des untergegangenen Rivalen Neckermann. Der Hamburger Konzern habe sich die Rechte an Neckermann.de und deren Eigenmarken in Deutschland gesichert, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Damit kann Otto nun mit dem Logo der Traditionsmarke Neckermann im Netz werben. Ähnlich waren die Hamburger bei Quelle vorgegangen. Schon der früheren Neckermann-Schwester war die zögerliche Hinwendung zum Online-Geschäft zum Verhängnis geworden. Von den drei im Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit groß gewordenen Versandhändlern ist nur noch Otto übrig.

Der Niedergang von Neckermann

2006

Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.

2007

Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.

2010

Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.

April 2012

Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden

Mai 2012

Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.

Juni 2012

Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.

Juli 2012

Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.

September 2012

Der letzte Interessent ist abgesprungen. Damit wird das Unternehmen zum 30. September geschlossen. Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten letztlich abgewunken, teilte die vorläufige Insolvenzverwaltung mit. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen.

Otto baut sein Internetgeschäft seit Jahren aus und sieht sich als zweitgrößter Onlinehändler hinter dem US-Konzern Amazon. 58 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland macht Otto online, weltweit sind es in der Gruppe 53 Prozent.

Einen direkten Zugang zu den ehemaligen Neckermann-Kunden hat Otto damit nicht, denn deren Dateien liegen beim Insolvenzverwalter. Otto kann einen Dienstleister beauftragen, Daten für ein Briefmailing zu erhalten. Erst wenn die ehemaligen Neckermann.de-Kunden bestellen, kann Otto die Daten übernehmen. "Wir glauben, dass die Marke Neckermann Potenzial hat", sagte ein Otto-Sprecher.

Die insolvente Österreich-Tochter von Neckermann soll indes an einen anderen deutschen Versandhändler gehen. Die TopAgers AG mit Sitz in Langenfeld im Rheinland habe ein konkretes Übernahmeangebot vorgelegt, teilte Neckermann Österreich am Donnerstag in Graz mit. Damit bleibt die alpenländische Tochter mit derzeit rund 300 Mitarbeitern anders als der Frankfurter Mutterkonzern wahrscheinlich bestehen: Der Gläubigerausschuss habe die Insolvenzverwalter beauftragt, das Angebot anzunehmen, hieß es. Für die Mutter hatte sich trotz monatelangen Bemühens kein Investor interessiert, rund 2.000 Menschen verloren ihre Arbeit.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dieter

22.11.2012, 18:02 Uhr


Traurige Gier von Otto
nach Quelle nun auch noch Neckermann
Pfui
Ich werde bestimmt nichts mehr kaufen bei dem alleinigen
teuren gierigen nun noch mehr Marktbeherschenden OTTO - Versand
es möge ihm auch bald so ergehen und von gierigen
Aufgekauft und Zerstört zu werden

sommer

22.11.2012, 22:39 Uhr

Herr Dieter warum "Pfui"? Neckermann ist bereits pleite.

Dieter

23.11.2012, 07:54 Uhr

weil man sie in die Pleite schickt und dann kommt er der
beste Stücke wegschnapper OTTO !
So geschehen u.a. bei Quelle Ö denn wenn der Name an Otto bereits vorher gekauft werden kann kann auch kein weiterer Interresent mehr weitermachen !
wir hatten welche die das wollten aber ohne den Quelle Namen nicht mehr !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×