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27.07.2017

17:07 Uhr

Nestlé

Nahrungsmittelriese kommt nicht in Schwung

Der Nahrungsmittelriese Nestlé steht unter Druck eines aktivistischen Investors. Nun stagniert das organische Wachstum im ersten Halbjahr. Für das Gesamtjahr sind die Erwartungen dementsprechend gedämpft.

Der Nettogewinn stieg für das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte um 19 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken dpa

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Der Nettogewinn stieg für das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte um 19 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken

Vevey/ZürichDas warme Frühlingswetter in Europa und nur geringe Preiserhöhungen haben den Nahrungsmittelriesen Nestlé gebremst. Der Konzernumsatz sank in der ersten Jahreshälfte um 0,3 Prozent auf 43 Milliarden Franken (38 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag im schweizerischen Vevey mitteilte. Vor allem Westeuropa blieb hinter den Erwartungen zurück. Der heiße Juni habe den Verkauf von Produkten wie Kaffee, Pizza oder Bouillon gebremst, hieß es. Schwach lief auch das Geschäft mit Süßwaren.

Wenn Zu- und Verkäufe sowie Wechselkursveränderungen rausgerechnet werden, legte der Umsatz im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent zu. Damit sei das Wachstum hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, sagte Unternehmenschef Mark Schneider.

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Zu schaffen macht dem Konzern, dass die Preise nicht so stark wie erhofft erhöht werden können. Umbaukosten drückten zudem den Gewinn vor Zinsen und Steuern von 6,61 auf 6,45 Milliarden Franken. Unter dem Strich stand Nestlé dagegen deutlich besser da: Der Überschuss stieg um 19 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken. Allerdings hatten im Vorjahr Steuereffekte den Gewinn geschmälert.

Für das Gesamtjahr erwartet Nestlé nach Angaben von Donnerstag nun ein Plus in der unteren Hälfte der bislang angepeilte Spanne zwischen zwei und vier Prozent. Die Aktie gab daraufhin gut zwei Prozent nach. Die Analysten von Baader Helvea sprachen von „durchweg schwachen“ Zahlen. Das verhaltene Wachstum dürfte den Druck auf die Konzernführung weiter erhöhen, strategische Änderungen anzupacken.

Das Eiscreme-Geschäft, mit dem Nestlé Ausfälle in anderen Bereichen bislang kompensieren konnte, hat der Konzern in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten R&R ausgelagert und profitiert deshalb nicht mehr im selben Umfang von steigenden Verkäufen.

Zudem konnte der Konsumgüterriese seine Preise nicht wie erhofft anheben. Grund dafür war zum einen die weiterhin maue Wirtschaftsentwicklung in Teilen der Welt. Zudem konnte Nestlé die stark schwankenden Rohstoffpreise nicht zeitnah weitergeben.

Lichtblicke gibt es in Asien: Dort habe sich die lange kriselnde Konzernmarke Yinlu für Erdnussmilch und Reis-Porridge zuletzt wieder besser entwickelt und den lange Zeit sinkenden Umsatz stabilisiert. Noch sei es jedoch zu früh, um aufzuatmen: Nestlé müsse zuerst abwarten, wie nachhaltig die Erholung sei, sagte Finanzchef François-Xavier Roger in einer Telefonkonferenz. „Aber wir sind jetzt in einer viel besseren Position.“ In Asien verzeichnete Nestlé das mit Abstand stärkste organische Wachstum von allen Regionen.

Zu den Aktivitäten des aktivistischen Investors Daniel Loeb mit einem über 3,5 Milliarden Dollar schweren Anteil äußerte sich Nestlé nicht. Loeb hatte moniert, der Nahrungsmittelriese sei zurückgefallen und wachse im Vergleich zur Konkurrenz zu langsam. Konkret hat der Investor unter anderem eine höhere Rendite, einen Aktienrückkauf und einem Verkauf des 23-Prozent-Anteils an L'Oréal gefordert.

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