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24.11.2015

15:45 Uhr

Nestlé und Fischerei in Thailand

Sklavenarbeit auf den Kuttern des Lebensmittelmulti

Auf Koh Samui machen viele Deutsche Urlaub. Wenige Kilometer entfernt werden Arbeiter auf Fischkuttern ausgebeutet. Auch für den Fisch von Nestlé, das die Zustände untersuchen ließ – mit dramatischen Ergebnissen.

Ausbeutung in der Fischereiindustrie. ap

Arbeiter aus Myanmar in Thailand

Ausbeutung in der Fischereiindustrie.

BangkokZulieferer von globalen Nahrungsmittelkonzernen aus der Fischereibranche beuten in Thailand Gastarbeiter aus – und setzen sie gefährlichen und erniedrigenden Arbeitsbedingungen aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht im Auftrag von Nestlé, der am Montag veröffentlicht wurde.

Geld für die harte Arbeit an Bord gibt es erst ab einem Jahr – so freimütig erzählten es die Manager eines Fangschiffs den von Nestlé geschickten Kontrolleuren. Die Arbeiter des Boots setzten noch einen drauf: Früher dürfe ohnehin niemand das Boot verlassen. Denn das Management behalte einfach die wichtigen Ausweispapiere. Die Arbeiter sind meist aus dem Ausland und darauf angewiesen.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Die Fangschiffe stehen in manchen Gegenden nur wenige Kilometer von den Touristenhochburgen entfernt. Die Kontrolleure inspizierten beispielsweise den Hafen von Surat Thani ganz in der Nähe der Ferieninseln Koh Phangan und Koh Samui. Dort reihen sich manchmal dutzende Kähne aneinander. Die Arbeiter darauf flicken Netze oder sortieren den Fang.

Es sind die wenigen Stunden, die sie überhaupt an Land sind. Innerhalb eines Monats legen die Schiffe meistens nur zwei oder drei Mal am Festland an. Die ganz großen Kutter kreuzen manchmal sogar ein ganzes Jahr durch die See.

Die thailändische Armee gibt sich mittlerweile entschlossen: Sie zeigt Werbefilme, auf denen Flugzeuge über kleinen Fischkuttern kreisen. Offiziere zeigen mit Stöcken auf die Routen der Schlepper und verdächtige Häfen. Die Botschaft: Wir nehmen den Kampf auf. Doch bisher hat der thailändische Staat mit ihrem Einsatz kaum jemand überzeugt. Seit Jahren beklagen die EU und die USA den Menschenhandel und die Sklavenarbeit in der Industrie.

Arbeitsbedingungen in Thailand: Nestlés Offenbarungseid

Arbeitsbedingungen in Thailand

Premium Nestlés Offenbarungseid

Was die Menschenrechtsorganisation Verité im Auftrag von Nestlé in der Fischindustrie in Thailand ans Licht brachte, ist erschreckend. Konzerne müssen sich aktiver um Transparenz in den Lieferketten kümmern. Ein Kommentar.

Die Arbeit auf den Kuttern ist hart – und gefährlich. Auch im Golf von Thailand kann die See meterhohe Wellen schlagen. Die Männer rutschen oft Barfuß über Deck, das übersäht ist zermatschten Fischen und Innereien. Die Schiffe haben oft nur eine niedrige Rehling. Und dabei müssen die Männer oft auch in der Nacht auf den Schiffen hantieren.

In dem von der Organisation Verite verfassten Report heißt es, es gebe „Hinweise auf Zwangsarbeit, Menschenhandel und Kinderarbeit unter der Belegschaft auf See und an Land.“ Die Ergebnisse, die frühere Berichte der NGO über die Branche bestätigen, seien eine „dringende Herausforderung an jedes Unternehmen, das Fisch bezieht.“

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