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06.02.2006

18:33 Uhr

Neuausrichtung des Europageschäfts

Gate Gourmet wechselt Deutschland-Chef aus

VonGregory Lipinski

Nach erfolglosen Verhandlungen über Kostensenkungen beim Flugzeug-Caterer Gate Gourmet und einem monatelangen Streik der Mitarbeiter am Düsseldorfer Flughafen legt der Deutschland-Geschäftsführer Dietmar May sein Amt nieder.

HB HAMBURG. Ab Mitte des Jahres soll May statt für Deutschland für das Geschäft mit Skandinavien verantwortlich sein. Dies bestätigte ein Sprecher von Gate Gourmet dem Handelsblatt. Als Nachfolger für May ist Philippe Op de Beeck im Gespräch. Er betreut unter anderem die Länder Frankreich und Holland. Nähere Einzelheiten zum Wechsel will Gate Gourmet in Kürze mitteilen.

Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Unternehmens erfuhr, gibt der Deutschland-Chef seinen Posten nach einem Streit mit dem Gate-Gourmet-Vorstandschef David Siegel ab. Grund hierfür sei, dass May die Forderungen des Vorstandschefs nicht erfüllen wollte, die Arbeitskosten in Deutschland weiter drastisch zu senken. „Gate Gourmet fordert, die Personalkosten um bis zu zehn Prozent zu senken“, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG).

Bei der in der Schweiz und den Vereinigten Staaten ansässigen Gate Gourmet arbeiten weltweit mehr als 22 000 Mitarbeiter. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen mehr als 500 Mitarbeiter. Der US–Investor Texas Pacific Group hatte Gate Gourmet von der Pleite gegangenen Schweizer Fluggesellschaft Swissair erworben.

Am Düsseldorfer Standort streiken seit längerem rund 150 Mitarbeiter gegen die geforderten Lohnkürzungen. „Der Streik geht weiter“, kündigte die NGG-Sprecherin an. Die Gewerkschaft hatte erst vor wenigen Wochen mit Hilfe eines Landesschlichters eine tragfähige Einigung erzielt. Sie sah unter anderem eine Gehaltserhöhung von rund zwei Prozent ab Juli 2006 und Sonderzahlungen vor. Doch Gate Gourmet hat die Einigung wenig später widerrufen. „Uns wurde über einen Rechtsanwalt von Gate Gate Gourmet in München mitgeteilt, dass die Personalkosten weiter gedrückt werden sollen“, sagt die NGG-Sprecherin. In Düsseldorf streiken die Mitarbeiter von Gate Gourmet seit 125 Tagen. Es ist der längste Streik am Düsseldorfer Flughafen.

In Unternehmenskreisen heißt es, dass der Gate-Gourmet-Gesellschafter TPG mit dem Schlichtungsergebnis nicht einverstanden war. Der US-Investor soll stattdessen auf das Management des Fluglinien-Lieferanten massiv Druck ausgeübt haben, die Personalkosten in Deutschland weiter zu senken. Texas Pacific ist unter anderem bei dem Büdelsdorfer Telekommunikationsunternehmen Mobilcom beteiligt. Sprecher von TPG und Gate Gourmet bestreiten jedoch, dass TPG einen Streit mit May forciert habe. „TPG mischt sich nicht in das operative Geschäft ein“, sagt ein TPG-Sprecher. May war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Gate Gourmet hatte erst im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt. So kam es auf dem Höhepunkt der Sommerreisezeit zu einem wilden Streik, hunderte Maschinen der englischen Fluggesellschaft British Airways mussten ohne Essen starten. Gate Gourmet entließ spontan mehrere hundert Streikende. Daraufhin legten auch 1 000 British-Airways-Beschäftigte die in der gleichen Gewerkschaft organisiert waren, aus Solidarität die Arbeit nieder. Der Flugverkehr war dadurch tagelang eingeschränkt.

In Düsseldorf hat der Streik dagegen wenig Auswirkungen auf den Flugbetrieb. „Gate Gourmet ist unser Hauptlieferant, aber wir haben durch den Streik keine gravierenden Probleme“, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Fluglinie LTU.

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