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09.12.2013

15:56 Uhr

Neue American Airlines startet

Der Kampf der Giganten kann beginnen

VonAxel Postinett

Am US-Himmel entsteht ein neuer Luftfahrt-Riese: Die neue American Airlines geht heute an den Start. Nach der Fusion haben die großen Drei in den USA eine enorme Marktmacht. Doch Fernflieger könnten profitieren.

Fluggesellschaften

American Airlines wird zur größten Fluggesellschaft der Welt

Fluggesellschaften: American Airlines wird zur größten Fluggesellschaft der Welt

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San FranciscoDie Glocke der Börse Nasdaq hat Doug Parker am Montag zwar geläutet. Aber nach New York ist er dafür nicht geflogen. Der neue Chef von American Airlines, der seit 9.30 Uhr Ostküstenzeit größten Luftfahrtgesellschaft in den USA, saß wie Tausende andere Passagiere am Flughafen Dallas/Fort Worth International fest – ein Wintersturm. Deswegen startete er per Fernbedienung den Handel der Aktie mit dem neuen Kürzel AAL.

Die 17-Milliarden-Dollar Megafusion der Luftfahrt-Giganten American und US Airways ist zehn Monate nach der Ankündigung beschlossene Sache. Gut ein Jahr nachdem sich American samt Muttergesellschaft AMR unter den Gläubigerschutz des Chapter 11 des US-Konkursrechts geflüchtet hatte, entsteht ein neuer Riese. Er verdrängt mit 38 Milliarden Dollar Umsatz und 100.000 Angestellten die bisherigen Marktführer United und Delta Airlines.

Rund 1500 Flugzeuge von American werden täglich 6500 Flüge bestreiten. Zusammen haben die drei Fluggesellschaften die geballte Macht und beherrschen mehr als 80 Prozent des kommerziellen Luftverkehrs der USA, weshalb die Fusion heftig umstritten ist.

Roter Teppich für alle – Ungewöhnliche Zusatzservices

Last-Minute-Upgrade

Bei Delta in den USA verkaufen die Flugbegleiter an Bord mithilfe ihrer Tablet-Computer Upgrades für die letzten freien First-Class-Sitze, in der Regel für weniger Geld als bei einer frühzeitigen Buchung.

Koffer nach Hause

Für 30 Dollar liefern American Airlines und US Airways innerhalb von vier Stunden nach der Landung in den USA den Koffer ins Hotel oder nach Hause, damit sich die Kundschaft das Warten am Band sparen kann.

Genuss am Himmel

Bei Langstreckenflügen aus Paris bietet Air France neben dem kostenlosen Standardessen fünf weitere Menüs der traditionellen französischen Küche, von Bio bis zur 28 Euro teuren, viergängigen „Sélection“ des Gourmettempels „Maison Lenotre“ aus Paris. Kurzentschlossene Genießer können über den -À-la-Carte-Service von Austrian Airlines noch eine Stunde vor Abflug beim Wiener Edelcaterer Do & Co für 15 Euros Tapas, Salate und natürlich Wiener Schnitzel mit Vor- und Nachspeise ordern.

Kindermenü für einen Penny

Bestellen Eltern beim britischen Ferienflieger Jet2.com eine Mahlzeit (ab umgerechnet 9,50 Euro), bekommen ihre Kinder das Menü für einen Penny. Damit die Eltern nicht vergessen zu bestellen, erinnert sie die Linie rechtzeitig vor dem Abflug mit einer Mail, wie lang der Flug ist.

Bequemer zum Flieger

Zum „Roter Teppich“ genannten Paket des malaysischen Billigfliegers Air Asia gehört für umgerechnet 25 Euro freies WLAN am Flughafen, eine schnellere Pass- und Sicherheitskontrolle und das Versprechen, dass der Koffer bei Ankunft zuerst auf das Gepäckband rollt.

Extra-Flatrate

Für eine Pauschale von 199 Dollar können die Kunden bei Delta drei Monate lang auf jedem Flug innerhalb der Vereinigten Staaten ohne Zusatzgebühr einen Koffer aufgeben und zusätzlich als Erste ins Flugzeug einsteigen. Darüber hinaus bekommen sie außerdem Sitze mit mehr Platz und zusätzliche Meilen im Bonusprogramm.

Serviceclub

250 Euro verlangt der spanische Billigflieger Vueling für zehn Lounge-Besuche, schnellere Sicherheitskontrollen und das Recht, als Erster einzusteigen. Beim ungarischen Ultra-Geizflieger Wizzair bekommen Mitglieder des Discount Clubs für knapp 30 Euro Jahresgebühr immer mindestens zehn Euro Rabatt auf alle Tickets außer den allerbilligsten.

Laden an Bord

In ihren Airbus A380-Superjumbos bietet Korean Air statt der bei anderen üblichen Bar einen Duty-free-Laden mit 64 Artikeln. In den Regalen gehalten werden die zollfreien Waren von kleinen Magneten – damit die teuren Parfüms und Cremes bei Turbulenzen nicht herumfliegen.

Kaufhaus im Vordersitz

Über sein Bordunterhaltungssystem verkauft der US-Billigflieger Virgin America ein Schlafset mit Kissen und Decke für neun Dollar sowie Schmerz- und Schlaftabletten für vier Dollar. Die Rechnung begleichen die Passagiere am Ende des Fluges am Bildschirm per Kreditkarte.

Nie mehr Kofferverlust

Die australische Qantas verkauft für umgerechnet 40 Euro einen Gepäckanhänger, der dank RFID-Technik immer zeigt, wo der Koffer gerade ist. Ein ähnliches System erprobt auch British Airways.

Quelle: Wirtschaftswoche, Rüdiger Kiani-Kreß

Theoretisch stand alles bis zur letzten Minute auf der Kippe. Erst zum Wochenende sprach Richterin Loretta Preska ein Machtwort, der Zusammenschluss kann vollzogen werden, beschied Preska in New York. 40 Kläger hatten eine Aussetzung des Verfahrens gefordert, um „irreparable Schäden“ für den Wettbewerb in der Branche zu verhindern, wenn die beiden Giganten erst einmal verschmolzen sind. Aber Preska hielt eine Entscheidung der Vorinstanz aufrecht, die dem widersprochen hatte.

Eine bittere Niederlage für Anwalt Joseph Alioto aus San Francisco, der die Kläger vertreten hatte. „Das ist der vierte Mega-Merger in der US-Luftfahrtindustrie in fünf Jahren“, bedauert Alioto den Schritt. „Das war die letzte Hürde auf dem Marsch zur Monopolmacht.“

Die amerikanische Luftfahrtindustrie ist eine notorische Pleite-Branche. Unter den namhaften Spielern ist keiner, der nicht – so wie American Airlines – mindestens einmal Gläubigerschutz hätte beantragen müssen. Löhne wurden zusammenstrichen, Mitarbeiter entlassen, die Altersvorsorge gekürzt, Gebühren für die kleinsten Kleinigkeiten an Bord eingeführt und Flüge gestrichen. Erste Gesellschaften erheben bereits Gebühren für das Handgepäck, jeder Cent zählt.

Kommentare (2)

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pendler

09.12.2013, 19:47 Uhr

Konkret kann ich wo sparen, wenn ich in die USA fliege?

quiensabe

10.12.2013, 13:28 Uhr

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