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12.11.2014

22:10 Uhr

Neue Datenbank für Unternehmen

Amazons Frontalangriff auf Oracle und IBM

VonAxel Postinett

Datenbanken sind das Rückgrat jeder Unternehmens-IT. Sie haben Firmen wie Oracle oder IBM zu Milliardenkonzernen gemacht. Jetzt schickt sich der Online-Buchhändler Amazon an, diese festgefügte Industrie aufzumischen.

Mit seinem Cloud-Dienst Aurora macht der Internet-Riese Amazon Unternehmen wie IBM und Oracle Konkurrenz. dpa

Mit seinem Cloud-Dienst Aurora macht der Internet-Riese Amazon Unternehmen wie IBM und Oracle Konkurrenz.

Las VegasSie wird schneller sein als herkömmliche „High-End“-Produkte der Konkurrenz und das für ein Zehntel des Preises: Andy Jassy, Senior Vice President bei Amazons Tochter für Cloud-Computing, Amazon Web Services AWS, verspricht nicht weniger als einen Neuanfang. Amazons Datenbank „Aurora“ sei drei Jahre in Arbeit gewesen. Nun verspricht er „volle Kompatibilität“ zum Industriestandard MySQL bei deutlich höherer Geschwindigkeit.

MySQL gilt als sogenannte Open-Source-Software. Das heißt, sie steht praktisch jedem zur freien Verfügung. Das Unternehmen wurde 2008 dann von Sun Microsystems übernommen, die wiederum 2010 von Oracle geschluckt wurden. Damit stieg Oracle neben IBM zum mächtigsten Datenbank-Anbieter für Unternehmenskunden auf.

Kein anderer als Amazon-Gründer Jeff Bezos will das ändern. Seine Chance sieht er darin, dass all diese Datenbanken, sogenannte „relationale Datenbanken“ aus einer Zeit stammen, in der sie auf großen Festplattenspeichern und Computern im Unternehmen gelebt haben.

Heute verbreitet sich immer stärker die Datenhaltung und Analyse im Internet, der Cloud. Oracle selbst hat gerade erst seine eigene Datenbank 12c als Cloud-Service gestartet. „Datenbanken“, bekräftigte Ellison auf der Hausmesse Openworld in San Francisco, „sind und bleiben Kernkompetenz“ von Oracle.

Geschäftsfelder von Amazon

Online-Handel

Mit Büchern fing alles an, doch mittlerweile hat Amazon eine breit gefächerte Produktpalette. Der US-Konzern verkauft inzwischen auch CDs, DVDs, Kleidung und Elektronik. Auch mit der Lieferung von Lebensmitteln experimentiert das Unternehmen.

Eigene Hardware

Ob Kindle oder Kindle Fire: Amazon bietet eigene E-Reader und Tablet-Computer an. Die Hardware ist in der Regel sehr günstig – Geld will das Unternehmen mit dem Vertrieb digitaler Medien wie E-Books verdienen.

Verkaufsplattform

Nicht alles, was bei Amazon angeboten wird, stammt aus den Lagerhäusern des Konzerns. Er stellt seine Verkaufsplattform Marketplace auch Privatleuten und anderen Händlern zur Verfügung – natürlich gegen Kommission.

IT-Dienste

Der weltgrößte Online-Einzelhändler ist auch ein führender Anbieter von IT-Diensten. Bei den „Amazon Web Services“ geht es um das sogenannte Could Computing: Unternehmen, Behörden oder Software-Entwickler können Rechenleistung, Speicherkapazitäten und damit verbundene Dienstleistungen mieten. Der Vorteil: Man spart an der eigenen Computertechnik und kann auch flexibel auf Nachfrage-Schübe reagieren.

AWS-Manager Jassy verspricht den Kunden von Amazon jetzt eine Datenbank, die bis zu fünf Mal so schnell arbeitet wie Oracles mySQL und nur einen Bruchteil kosten soll. „Es ist sehr schwierig für Unternehmen mit den traditionellen Datenbanken die gewünschte Performance in der Cloud zu erzielen“, so Jassy auf Nachfrage. Außerdem, erwähnt er mit Blick auf Oracles oder IBMs eigene Produkte, „mögen die Kunden immer weniger, wenn sie in ihrer Datenbank eingesperrt sind“.

Wie erfolgreich Amazons Vorstoß sein wird, hängt unter anderem davon ab, wie einfach Unternehmen ihre alten Datenbanken auf das neue System werden umstellen können. Ein signifikanter Anteil von Umsteigern auf das neue Produkt könnte spürbare Auswirkungen auf den Umsatz mit Datenbank-Lizenzen und Datenbank-Wartung bei Anbietern wie Oracle, IBM, Microsoft oder SAP haben.

Oracles Ellison, der vor zwei Monaten als CEO zurückgetreten ist, erklärte 2014 bereits für sein Unternehmen als „Wendepunkt“ in der Unternehmensgeschichte. IBM leidet bereits unter dem Aufstieg der neuen Wettbewerber aus der Datenwolke. IBMs CEO Ginni Rometty zog nach zehn Quartalen mit Umsatzverlusten jüngst die langfristigen Erwartungen für Umsatz und Gewinn zurück, weil die Nachfrage nach Großcomputern und Software immer weiter nachgibt.

Cloud-Angebote machen laut IBM derzeit gerade mal 3,1 Milliarden Dollar von 100 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr aus. Amazon versteckt seinen Cloud-Umsatz derzeit unter „Sonstiges“. Im jüngsten Quartal, schätzen Experten, lag er aber bereits bei rund einer Milliarde Dollar und damit hochgerechnet auf dem jährlichen Niveau von IBM.

Kommentare (1)

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Herr Norbert Bluecher

13.11.2014, 08:35 Uhr

Jawoll, wir lagern unternehmenskritische Prozesse mal eben in die Cloud aus. Als wenn das alles so einfach wäre und es "nur" auf die Datenbank ankommt.
Die Leistungsfähigkeit einer DB wird ganz maßgeblich durch die perfekte Konfiguration der Umgebung bestimmt. Feintuning, das oftmals Wochen braucht, bis es perfekt paßt. Und das soll jetzt in wolkigen Standardkonfigurationen laufen..... ?

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