Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2014

10:24 Uhr

Neue Fluggesellschaften

Die Wiedergeburt der Regional-Airlines

VonTobias Döring

Sie heißen Rhein-Neckar-Air oder Rostock Airways: In Deutschland wagen neue Regionalflieger erste Schritte. Nach dem Rückzug der großen Airlines fehlen Verbindungen. Manchmal schaffen sich Unternehmen den Ersatz selbst.

Propeller eines Regionalflugzeugs: „Viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, möglichst wenig Rücksicht auf Verbindungsflüge oder Umsteiger und Fokus auf profitable Strecken“. Imago

Propeller eines Regionalflugzeugs: „Viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, möglichst wenig Rücksicht auf Verbindungsflüge oder Umsteiger und Fokus auf profitable Strecken“.

DüsseldorfDramatisch lasen sich die Zahlen im Frühjahr 2013: Jede dritte Regional-Airline in Europa hatte innerhalb von fünf Jahren den Betrieb eingestellt. Von 195 Regionalfliegern waren 65 verschwunden, stellte eine Studie der Airline-Beratung Prologis fest. Neugründungen hatten es besonders schwer, jede zweite neue Fluggesellschaft war innerhalb des Untersuchungszeitraums schon wieder Geschichte.

Doch nur ein Jahr später ist in Deutschland ein kleiner Aufwind für die Regionalflieger zu spüren. Obwohl die Lage in der Luftfahrt immer noch angespannt ist, heben im Frühjahr einige neue Airlines ab. Vor gut einer Woche startete Rostock Airways zum Jungfernflug von Bremen nach Zürich. Von Mannheim fliegen ab März Maschinen der Rhein-Neckar-Air nach Berlin. Der ehemalige DBA- und LTU-Eigentümer Hans Rudolf Wöhrl hat mit der von Air France-KLM gekauften City Jet große Pläne. Und nicht zuletzt forciert Etihad mit der Schweizer Beteiligung Darwin Airlines die Regional-Offensive in Deutschland. Unter dem Namen Etihad Regional fliegen mittlerweile Maschinen auf der Strecke Genf-Stuttgart.

Regional-Airlines – Pleiten und Neugründungen der letzten Jahre

OLT Express Germany – Gründung

Als Ostfriesische Lufttaxi – Dekker und Janssen OHG wurde die OLT Express im Jahr 1958 in Emden gegründet. Als Tochter einer Reederei flog sie als Ergänzung zu Fähren Nordseeinseln wie Helgoland an. Nach der Wiedervereinigung bot die Airline von Bremen aus Linien- und Charterflüge an. Mit dem Verlust des Airbus-Werksverkehrs 2011 begannen die Probleme.

OLT Express Germany – Pleite

Ein polnischer Investor übernahm die Linienflüge, aus OLT wurde OLT Express Germany und der Inselflugverkehr ausgegliedert. Zuerst wurden Teile der insolventen Cirrus Airlines übernommen, später dann die Fluggesellschaft Contact Air. 2012 wechselte der Besitzer ein weiteres Mal, bevor die Airline im Januar 2013 Insolvenz anmeldete. OLT Express Germany war mit ihren drei Standorten Bremen, Saarbrücken und Stuttgart auf deutschen und europäischen Flugstrecken aktiv. Die Flotte der Fluggesellschaft umfasste 14 Maschinen.

Augsburg Airways – Gründung

Der Regionalflieger wurde im Jahr 1981 unter dem Namen „Interot Airservice“ gegründet und wickelte zunächst den Werkflugverkehr des Papierherstellers Haindl ab. Ab Mitte der 1980er Jahre kamen regelmäßige Flugverbindungen innerhalb Deutschlands hinzu, ab 1994 flog Augsburg Airways auch nach Florenz. Zwei Jahre später wurde die Airline Mitglied im „Team Lufthansa“, ab 2003 flog die Gesellschaft unter Lufthansa-Flugnummern.

Augsburg Airways – Pleite

Im Jahr 2004 verkaufte die Familie Haindl ihre Anteile an den Unternehmer Gerd Brandecker, es kam in der Folge zu einem weiteren Eigentümerwechsel. Zum Winterflugplan beendete die Lufthansa ihre Zusammenarbeit mit Augsburg Airways, zum 31. Oktober 2013 stellte die Airline - inzwischen mit Sitz in Halbergmoos bei München - den Betrieb ein. Zum Schluss hatte Augsburg Airways 15 Flugzeuge in der Flotte.

Cirrus Airlines – Gründung

Der Unternehmer Gerd Brandecker gründete die Cirrus Airlines 1995 in Saarbrücken. Der erste Linienflug fand drei Jahre später auf der Strecke Saarbrücken-Hamburg statt. Im Jahr 2000 rückte die Fluggesellschaft ins „Team Lufthansa“ und flog nach dessen Auflösung ab 2004 unter Lufthansa-Flugnummern. Die Airline verlegte ihren Sitz nach Halbergmoos bei München zur Augsburg Airways, nachdem Brandecker die Fluggesellschaft gekauft hatte.

Cirrus Airlines – Pleite

2008 verkaufte Brandecker seine Anteile, Teile des Unternehmens wurden wenig später aber an ihn zurückverkauft. Zwei Jahre später wurde der Cirrus-Sitz wieder nach Saarbrücken verlegt, im Januar 2012 war aber endgültig Schluss. Im März des Jahres wollte OLT Express Germany die Cirrus kaufen, die Übernahme wurde wenig später aber abgesagt.

Rhein-Neckar-Air

Die Fluggesellschaft mit Sitz in Mannheim wurde im November 2013 gegründet. Ein Förderverein, hinter dem so prominente Konzerne wie SAP oder Heidelberg-Cement stecken, ist Gesellschafter und leistet die Anschubfinanzierung. Zunächst wird lediglich die Strecke Mannheim-Berlin angeboten, später soll die Rhein-Neckar-Region auch mit Hamburg verbunden werden – wenn das Geschäft gut läuft. Im März startet die erste Maschine.

Rostock Airways

Die Airline aus Mecklenburg-Vorpommern hat im Februar ihren Jungfernflug ab Bremen absolviert. Aktuell gibt es eine Verbindung nach Zürich – eine ehemalige Strecke der OLT Express Germany. Im Jahresverlauf soll es auch nach Brüssel gehen. Nach Medienberichten könnte Rostock Airways seinen österreichischen Partner Air Alps übernehmen und bald auch ab dem Flughafen Rostock-Laage fliegen. In Bremen hat sich Rostock Airways einen weiteren Auftrag gesichert und einen Rahmenvertrag mit Fußball-Bundesligist Werder Bremen geschlossen.

Gerd Pontius überrascht die Wiedergeburt der Regionalflieger nicht. Der Prologis-Chef hat die Studie vor einem Jahr mit dem Schweizer Fluginformations-Dienstleister CH-Aviation veröffentlicht – und beobachtet die neuen Angebote deshalb umso genauer. Sein Urteil: „Der Rückzug der Netzwerk-Airlines hat Lücken geschaffen. Dadurch gibt es neue Möglichkeiten für Regionalflieger – sie können Nischenrouten erschließen.“

Die Chancen für die neuen Regional-Airlines liegen allerdings nicht in ihrem klassischen Geschäft. Auf stark frequentierten Zubringerstrecken für die großen Fluggesellschaften wie Lufthansa oder Air Berlin ist für die Kleinen immer weniger zu holen. Airline-Berater Pontius sagt, dass die Regional- im Endeffekt wie Billigflieger agieren müssen: „Viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, möglichst wenig Rücksicht auf Verbindungsflüge oder Umsteiger und vor allem einen klaren Fokus auf Strecken, die profitabel sind.“

Die Regionalflieger müssen so sein wie die Airlines, die sie in den letzten Jahren in die Enge getrieben haben. Easyjet, Vueling oder Norwegian hätten die starken Strecken der Regional-Airlines für sich entdeckt und mit ihren größeren Maschinen übernommen, erklärt Pontius. Doch das sei nur ein Grund für das Sterben der Regionalflieger in den vergangenen Jahren: „Der gestiegene Treibstoffpreis hat sich bei Regionalflugzeugen besonders bemerkbar gemacht, dazu gibt es auf vielen Strecken große Konkurrenz auf Schiene oder Straße.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×