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07.01.2014

14:43 Uhr

Neue Führung

Aufspaltung Karstadts zementiert

Nach dem Investor Benko die Mehrheit übernommen hat, wird nun das Spitzenpersonal gewechselt: Die Karstadt-Luxushäuser rund um das KaDeWe und die Sport-Geschäfte erhalten neue Chefs. Zwei Duos führen die Geschäfte.

Die Warenhäuser von Karstadt sind derzeit nicht profitabel. dpa

Die Warenhäuser von Karstadt sind derzeit nicht profitabel.

DüsseldorfDie Aufspaltung des Karstadt-Konzerns in drei Bereiche ist mit der Berufung neuer Spitzenmanager zementiert worden. Die Luxus-Kaufhäuser und die Sport-Geschäfte erhalten jeweils neue Chefs, wie Karstadt am Dienstag mitteilte. Der österreichische Investor Rene Benko hatte bereits im vergangenen Jahr die Mehrheit am operativen Geschäft der beiden Bereiche übernommen. Zur neuen Chefin der kriselnden Warenhäuser war die ehemalige Ikea -Managerin Eva-Lotta Sjöstedt berufen worden. Dieses Kerngeschäft wird noch vom Milliardär Nicolas Berggruen kontrolliert, der Karstadt 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen hatte.

Chefs der Luxus-Warenhäuser um das Berliner KaDeWe würden mit sofortiger Wirkung der Schweizer André Maeder sowie Roland Armbruster, teilte Karstadt mit. Maeder, der zuvor unter anderem bei Hugo Boss und Harrod's arbeitete, war 2012 zu dem Essener Konzern gekommen. Er solle "die Koordination der Geschäftsführer" bei Premium übernehmen. Die Sport-Häuser würden von dem Briten Simon Rider und dem Karstadt-Manager Miguel Müllenbach geleitet, hieß es weiter.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Chefin der kriselnden Karstadt-Warenhäuser wird mit Wirkung zum 24. Februar 2014 die Schwedin Sjöstedt. "Karstadt ist derzeit nicht profitabel", hatte Sjöstedt erst in der vergangenen Woche in einem Reuters-Interview eingeräumt. Diese müsse sich nun "schnell ändern". Vor allem die Online-Aktivitäten des Kaufhof -Konkurrenten will die Schwedin ausbauen. "Wir müssen schneller werden, wir müssen uns stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten", forderte sie. Mit Berggruen habe sie bereits gesprochen, versicherte Sjöstedt. Ihre Aufgabe sei aber das operative Geschäft: "Alles andere ist Sache der Eigner."

Der einst als Karstadt-Retter gefeierte Berggruen hat bereits vor Monaten den Investor Benko mit ins Boot geholt und besitzt nur noch die Mehrheit am operativen Geschäft der 83 klassischen Kaufhäuser, die in der Warenhaus GmbH gebündelt sind. Berggruen könnte sich aber auch hier verabschieden, hatte es zuletzt in Branchenkreisen geheißen.

Arbeitnehmervertreter hatten mehrfach die Sorge geäußert, Karstadt könne zerschlagen oder mit der Metro-Tochter Kaufhof zusammengelegt werden - die rund 20.000 Karstadt-Beschäftigten fürchteten um die Zukunft des traditionsreichen Warenhausriesen.

Von

rtr

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